15.10.2021 - 12:10 Uhr
FensterbachBesserWissen

In sieben Schritten zum Hobbyastronomen

Der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel ist überwältigend. Wer aber mehr über Sonne, Mond und Sterne erfahren will, kann ohne viel Aufwand zum Hobbyastronomen werden. Wir haben eine Expertin gefragt, was man braucht – und was nicht.

Herz- und Seelennebel in Kombination mit dem Doppelsternhaufen h + Chi Persei
von Christa VoglProfil

Auch Tanja Brunner, Apothekerin und Heilpraktikerin aus Fensterbach, ist Hobbyastronomin und fasziniert von Sternen, Planeten und Galaxien im Universum. Die Frage, ob eine ausgeprägte Begabung für Wissenschaft und Technik Voraussetzung für dieses Hobby ist, beantwortet die 40-Jährige mit einem klaren Nein: „Interesse an der Astronomie ist völlig ausreichend. Und natürlich auch die Motivation, etwas Neues zu lernen sowie die Neugierde, den Himmel zu entdecken.“ Obwohl sich Brunner mit der „Entdeckung des Himmels“ schon seit vielen Jahren beschäftigt, hat sie sich erst vor einem Jahr zur Astrofotografie entschlossen. Aus eigener Erfahrung weiß sie, was ein Hobbyastronom für den Anfang benötigt – und was nicht.

Der Start:

„Sinnvoll ist es, mit einer Sternwarte in der Nähe Kontakt aufzunehmen. Erstens ist es dort in der Regel möglich, die Teleskope zu nutzen und so herauszufinden, ob das eigene Interesse anhält. Und zweitens findet man dort immer auch kompetente Ansprechpartner, die gut beraten können. Außerdem kann man sich im Gespräch miteinander austauschen, das spornt auch an.“

Die Sterne beobachten:

„Will man nur beobachten und nicht fotografieren, dann kann für den Anfang auch ein gutes Fernglas (8x40) ausreichend ein. Ist man bereit, mehr Geld zu investieren, so ist die Anschaffung eines Newton-Spiegelteleskops mit Dobson-Nachführung ratsam. Man muss dabei mit ungefähr 500 Euro rechnen. Billige Teleskope bringen meist mehr Frust.“

Die Sterne fotografieren:

„Wer bereits eine Kamera mit Wechselobjektiv (z.B. ein Teleobjektiv mit 80-200 mm) und ein Stativ hat, kann diese zum Fotografieren der Sterne nutzen. Dafür eignen sich z.B. Systemkameras wie die Sony Alpha 6000 oder Spiegelreflexkameras von Canon (z.B. EOS 6D, 600D). Um damit aber auch Himmelskörper fotografieren zu können, ist eine sogenannte Nachführung, ein Astrotracker, notwendig. Das ist ein Motor, der so eingestellt ist, dass er die Kamera in der gleichen Geschwindigkeit nachführt, wie die Erde sich dreht. Damit bleibt das jeweilige Himmelsobjekt immer im Blickfeld der Kamera und die Belichtung ist optimal. Ohne Nachführung würde es bei den Aufnahmen sehr schnell nur Striche statt Sterne geben. Kostenmäßig muss man für die Nachführung mit etwa 500 bis 1000 Euro rechnen.“

Beratung und Fachhändler:

„Wenn man genau weiß, was man will, dann gibt es ein bis zwei gute Fachhändler in Deutschland. Einer davon ist in München („Teleskop-Service“), da kaufen auch die meisten von uns ein. Ist man sich unsicher, so ist es auf jeden Fall sinnvoll, mit einer Sternwarte in der Nähe Kontakt aufzunehmen. Wir bieten zum Beispiel auch Kaufberatungen an.“

Der Kauftipp:

„Man fängt mit den einfachsten Mitteln an. Je mehr Technik, desto mehr Fehlerquellen. Dazukaufen kann man immer noch.“

Die Wetter-App:

Sehr sinnvoll ist auch das Nutzen einer Wetter-App, weil Sterne und Planeten eben nur bei klarem Himmel gut zu sehen sind. Die Wetter-App hilft bei der zeitlichen Planung. Wie entwickelt sich das Wetter, wie die Wolken? Wann geht der Mond auf? Wann wird es dunkel? Ich habe die App „Clear Outside“. Die zeigt eigentlich alles an, was man braucht.“

Gute Beobachtungsplätze:

„Optimal sind immer Plätze in zusammenhängenden, großen Waldgebieten, die leicht erhöht sind. Dort ist die Lichtverschmutzung gering und man hat einen wirklich dunklen Himmel. Unter www.lightpollutionmap.info kann man sich einen Überblick verschaffen, wo es noch dunkle Plätze gibt. In Deutschland gibt es vier zertifizierte Sternenparks, die sich durch eine sehr geringe Lichtverschmutzung auszeichnen. Einer davon ist das Almgebiet der Winklmoos-Alm. Ich selbst habe mein Teleskop auf dem Balkon stehen. Aber wenn ich möchte, kann ich es ganz schnell mit wenigen Handgriffen abmontieren, ins Auto packen und an einem besseren Beobachtungsplatz wieder aufbauen.“

Interview mit Matthias Mändl von den Sternfreunden Amberg-Ursensollen

Ursensollen
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