15.04.2021 - 17:06 Uhr
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Die Ringelnatter bringt Glück und Segen

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Ringelnattern mögen Wasser: Sie leben an Weihern, Tümpeln, auf feuchten Wiesen, in Mooren. Manchmal trifft man sie auch in Siedlungsgebieten an. Zum Beispiel im naturnahen Garten von Marlene und Toni Wolf. Auf ihrer Trockenmauer nehmen die Schlangen gerne ein wohliges Sonnenbad.

Die Ringelnatter auf der Jagd im Teich.
von Christa VoglProfil

Toni und Marlene Wolf wohnen in Tännesberg, ganz in der Nähe des LBV-Schutzgebiets Kainzbachtal. Ihr Haus steht etwas abseits am Waldrand. Das etwa 800 Quadratmeter große Grundstück ist naturnah gestaltet mit einem kleinen Teich, Natursteinmauern und einer großen Wiesenfläche. Der Tümpel wird von Fröschen, kleinen Fischen und Molchen bevölkert, die Trockenmauern sind das Zuhause einiger Zauneidechsen. Und hie und da verlässt auch eine Spitzmaus ihr Loch, um geschäftig zwischen den Steinen hin und her zu laufen: Sie alle fühlen sich äußerst wohl im Naturgarten von Familie Wolf - und doch müssen sie beständig auf der Hut sein.

Denn sie teilen sich dieses grüne Paradies mit einer erfolgreichen Jägerin: Schlängelnd windet sich die Ringelnatter durchs halbhohe Gras, nimmt, wenn die Gelegenheit günstig ist, ein ausgedehntes Sonnenbad auf der Trockenmauer, verharrt mit starrem Blick zwischen Schwertlilie und Sumpfdotterblume am Teich, nähert sich züngelnd ihrer Beute, stößt schließlich blitzschnell zu - und verschlingt ihr Opfer lebend im Ganzen.

Totholzstapel und die passende Nahrung

Dieses Jahr hat Toni Wolf noch keine Ringelnatter in seinem Garten beobachten können. "Sie kommen meist so Ende März, Anfang April aus ihrem Winterverstecken, wenn die Sonne schon etwas kräftiger ist. Dann allerdings ist es keine Seltenheit, wenn sie auf der Trockenmauer liegen und ein Sonnenbad nehmen", erzählt der 71-jährige Forst-Diplomingenieur, der früher bei der Unteren Naturschutzbehörde tätig war. "Sie brauchen die Wärme, weil sie wechselwarme Tiere sind. Ist ihnen zu kalt, dann bewegen sie sich nur ganz träge, dann bekommt man sie meist gar nicht zu sehen."

Dass sich Ringelnattern in naturnahen Gärten ansiedeln, ist keine Seltenheit. "Der Lebensraum muss halt stimmen", sagt Wolf. "Es müssen entsprechende Strukturen vorhanden sein, damit sie sich wohlfühlen." Und mit Strukturen meint er verschiedene Versteckmöglichkeiten wie Ast- oder Reisighaufen, Totholzstapel, ein ausreichendes Nahrungsangebot, einen Platz, um sich aufzuwärmen, vielleicht einen kleinen Teich.

Komposthaufen als Kinderstube

Und natürlich auch einen Komposthaufen. Denn oft wird der in einer ruhigen Ecke des Gartens angelegte Komposthaufen als Eiablageplatz genutzt. Im Zeitraum zwischen April und Juni, kurz nach der Paarung, legt das Weibchen bis zu 30 Eier, kümmert sich hinterher aber nicht mehr um das Gelege. Das Brutgeschäft überlässt sie der Natur. "Durch die Gärungsprozesse im Komposthaufen entsteht Wärme und durch diese Wärme können sich die jungen Schlangen in den Eiern entwickeln", erklärt Wolf. Auch alte Baumstämme oder Misthaufen werden gerne als Kinderstube genützt.

Wer allerdings denkt, dass Schlangeneier in Bezug auf ihre Festigkeit, eine Ähnlichkeit mit Vogeleiern haben, der irrt sich. "Die Eier der Ringelnatter haben eine weiche Schale. Sie ist wie Pergament, wie ein dünnes Häutchen." Wolf weiß, wovon er spricht, weil er diese kleinen, nur zwei Zentimeter langen Eier schon oft zu sehen bekommen hat. "Manchmal werde ich von Leuten hier aus der Siedlung angerufen", erzählt er. Denn es käme immer mal wieder vor, dass beim Umsetzen des Komposts Schlangeneier entdeckt werden.

Und dann? "Ich rate den Leuten in solchen Fällen, das Gelege wieder vorsichtig abzudecken und das Umsetzen des Komposts einfach auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Im Normalfall vergehen von der Eiablage bis zum Schlüpfen ungefähr zwei Monate."

Und nach den zwei Monaten? "Einfach mit einer Gabel vorsichtig nachsehen, ob die kleinen Ringelnattern schon geschlüpft sind oder ob sie noch etwas Zeit brauchen", rät Wolf. Im Normalfall schlüpfen die kleinen Reptilien von Juli bis September.

Keine Giftzähne

Angst müsse man übrigens vor der Ringelnatter nicht haben. "Sie flüchten ganz schnell, wenn sie sich bedroht fühlen. Nur wenn man aus Versehen auf sie tritt, nehmen sie eine Angriffsstellung ein, zischen laut und stoßen mit dem Kopf Richtung Angreifer." Aber auch dann sei das Ganze völlig harmlos und ungefährlich, weil die Ringelnatter nicht zu den Echten Giftschlangen zählt und daher auch keine Giftzähne und Giftkanäle besitzt.

Trotzdem sind viele Gartenbesitzer hin- und hergerissen, wenn sie Ringelnattern in ihrem Garten entdecken. Zumal sich diese Schlangen überwiegend von den Fröschen ernähren, die im Sommer fotogen auf Teichrosenblättern sitzen und gegen Abend ihr Quak-Konzert anstimmen. Andererseits wird aber die Ringelnatter in Bayern als gefährdet eingestuft, auch wenn sie die am häufigsten anzutreffende Schlangenart ist. Und dann ist da natürlich auch noch das kleine Kompliment, das die Schlangen dem Gartenbesitzer schon allein durch ihre Anwesenheit machen: Denn sie lassen sich nur in naturnahen Gärten nieder und meiden streng geordnete, übersichtliche, aufgeräumte und ausgeräumte Areale mit kurzem Rasen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Ringelnatter auch früher schon sehr geschätzt wurde, nämlich als "Hausschlange": Sie stand im Ruf, Haus und Vieh zu schützen, kleine Kinder zu bewachen und ganz allgemein Glück und Segen zu bringen. Eigentlich genügend Gründe, um sie willkommen zu heißen und ihr im eigenen Garten ein Zuhause anzubieten.

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Hintergrund:

Steckbrief Ringelnatter

  • Länge: 80 bis 120 Zentimeter.
  • Färbung: hell- bis dunkelgraue Grundfärbung mit dunkleren Flecken auf dem Rücken und an der Seite. Unverwechselbar machen sie zwei halbmondförmige Flecken am Hinterkopf, die gelb gefärbt und scharf abgegrenzt sind.
  • Fortpflanzung: Eiablage an Standorten, die Eigenwärme produzieren. 10 bis 30 Eier. Schlupf der Jungen von Juli bis Ende September.
  • Winterruhe: in frostfreien Spalten und Erdlöchern.
  • Nahrung: Frösche, Kröten, Molche, Kaulquappen, kleine Fische; gelegentlich auch Mäuse und Schnecken.

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