Erfolg im Garten ganz ohne Pestizide

Wenn es um Pestizide geht, dann wird oft den Landwirten der Schwarze Peter zugeschoben. Doch auch Privatgärtner greifen oft zur chemischen Keule. Hobbygärtnerin Cornelia Roth aus Thumsenreuth zeigt, dass es gute Alternativen dazu gibt.

Cornelia Roth arbeitet in ihrem Garten – aber sie lässt auch arbeiten. Mit einer Vielfalt an pollen- und nektarreichen Pflanzen bietet sie Nützlingen eine abwechslungsreiche Kost.
von Christa VoglProfil

Die 65-jährige Hobbygärtnerin Cornelia Roth aus Thumsenreuth (Krummennaab, Kreis Tirschenreuth) verzichtet in ihrem weitläufigen Garten komplett auf Pestizide. Früh morgens nutzt die angenehme Sommerkühle, um auf dem Grundstück mit Teich, Naturgarten, Stauden- und Gemüsebeeten nach dem Rechten zu sehen. Viele der in ihrem Garten anfallenden Arbeiten erledigt sie selbst - aber bei weitem nicht alle: Sie lässt nämlich auch arbeiten. Und zwar nicht von Firmen, die auf Gartenpflege spezialisiert sind und nach Stunden abrechnen. Die Rede ist vielmehr von ihren kleinen Helfern, die über und unter der Erde unentwegt damit beschäftigt sind, ein natürliches Gleichgewicht zu schaffen und die am Ende eines langen Arbeitstages keine Rechnung an den Gartenbesitzer schreiben.

„Es stimmt, eine Rechnung stellen Marienkäfer, Florfliegen und Regenwürmer nicht“, lacht Roth, die gerade dabei ist, die Samenstände der bunt blühenden Akeleien zu entfernen und den Beinwellstrauch zu stutzen, während ein Schwarm lärmender Spatzen in den Jasminstrauch gleich daneben einfällt. „Das Mindeste, das sie vom Gärtner für ihre Dienste erwarten können, ist ein Stück Natur, in dem keine Pestizide ausgebracht werden. Denn nur so können sie ungestört ihrer Arbeit nachgehen.“

Dann kramt die Thumsenreutherin, in deren Garten auch schon das BR-Aufnahmeteam von "La Vita" zu Gast war, ein bisschen in ihrem Erfahrungsschatz und beginnt davon zu erzählen, wie sie es geschafft hat, zu einem natürlichen Gleichgewicht im Garten zu kommen.

Kein Kunstdünger

„Arbeite ich mit Kunstdünger, so werden die Pflanzen krankheitsanfällig und mastig. Die richtige Düngung - nämlich mit Naturdünger, mit organischem Dünger, mit Kompost - ist wichtig, damit der Boden in Schuss ist. Das ist wie eine gesunde Ernährung.“

Vielfalt im Garten

„Auf vielen landwirtschaftlichen Flächen herrscht Monokultur. Im Garten sollte es aber kunterbunt sein. Auch in den Gemüsegarten gehören Blumen. Durch die Vielfalt ist dann auch genügend Platz für die Nützlinge, die dann zum Beispiel Läuse und Spinnmilben vertilgen.“

Cornelia Roth hat in ihrem Leben schon einige Gärten angelegt. In einem von ihnen war auch schon das BR-Team von "La Vita" zu Gast.

Auswahl der Pflanzen

„Beim Kauf von Samen oder Pflanzen achte ich immer auf bestimmte Resistenzen. Zum Beispiel Gurken- und Zucchinipflanzen, die eine gewisse Resistenz gegen den Mehltau aufweisen und damit robuster sind.“

Der richtige Standort

„Auch Pflanzen haben Vorlieben und gedeihen je nachdem – in der Sonne, im Schatten, in humosen Boden, in kargem Boden – am besten. Falls sie nicht auf das optimale Umfeld treffen, dann werden sie schwach und krankheitsanfällig."

Pflanzenjauchen

„Jauchen stärken die Pflanzen. Was für den Menschen früher der Lebertran war, das ist für die Pflanzen im Garten die Brennnessel- oder die Gierschjauche. Darin ist viel Kalium enthalten, was auch zum guten Geschmack der Früchte beiträgt."

Ackerschachtelhalmbrühe

„Das hilft gegen Pilzbefall, wie z.B. Mehltau. Für einen Kaltwasserauszug nehme ich einen Plastikeimer, gebe Wasser und zerkleinerten Ackerschachtelhalm - ohne Wurzeln - dazu und lasse das Ganze 24 h Stunden im Schatten stehen. Mit dem so entstehenden Auszug gieße und besprühe ich unverdünnt die befallenen Pflanzen. Ackerschachtelhalmpulver zum Anrühren gibt es auch zu kaufen.“

Mulchen

„Natürlich kann man zum Mulchen Rasenschnittgut verwenden. Wichtig ist, dass darin keine Samenstände enthalten sind. Rindenmulch ist nur für Hecken und Sträucher geeignet.“

Unkraut bedeutet Handarbeit

„In den Baumärkten gibt es immer noch Glyphosat. Gerade für Privatgärten sollte es verboten werden. Wenn Unkraut wächst, dann bedeutet das in erster Linie Handarbeit. Jäten, Vertikutieren, Fugenkratzen etc.“

Giersch in Beeten

„Um Freude am Garten zu haben, sollten Dauerunkräuter, wie zum Beispiel Giersch, Winde und Quecke aus bestehenden Beeten komplett entfernt werden. Das macht viel Mühe, aber es lohnt sich wirklich. Am besten keinen Spaten verwenden, da dadurch die Wurzeln nur gekappt werden und somit neue Ableger entstehen. Eine Grabegabel ist ideal.“

Schnecken

„Meistens sammle ich die Schnecken ab. Anschließend mache ich einen Spaziergang in den Wald und leere den Eimer neben einer kleinen Wiese mit Bach. Wenn sie trotzdem überhand nehmen, greife ich notfalls zu einem biologischen Schneckenkorn auf Eisen-III-Phosphat-Basis. Bestimmte Pflanzen, die zur Leibspeise der Schnecken zählen, wie z.B. Basilikum kommen ins Hochbeet oder in einen Kübel.“

Ameisen

„Ameisen mögen es nicht, wenn ihr Bau immer wieder von Wasser geflutet wird. Also gieße ich ganz regelmäßig an den Stellen, an denen sie stören und vertreibe sie so.“

Viel Geduld

„Wenn es Schädlinge im Garten gibt, dann kommen nach einiger Zeit auch automatisch die Nützlinge – vorausgesetzt man hat einen bunten und naturnahen Garten und man setzt keine Gifte ein. Man darf nicht gleich in Panik geraten. Wo es Läuse gibt, da erscheinen nach einiger Zeit auch vermehrt Florfliegen und Marienkäfer.“

Eine Portion Experimentierfreude

„Ich lese viel und probiere auch immer wieder neue Sachen aus. Manches wirkt, anderes nicht. Gut gewirkt hat zum Beispiel verdünnte Buttermilch gegen Sternrußtau an Rosen. Überhaupt nicht gewirkt hat ein Brennnesselauszug gegen Läuse. Da haben mich meine Läuse ausgelacht.“

Mit der Kombination aus diesen unterschiedlichen Ansatzpunkten gelingt es Cornelia Roth ein Gleichgewicht zu erreichen. Allerdings gibt sie auch unumwunden zu, dass es mal sehr gut gelingt, manchmal gebe es durchaus noch Luft nach oben und manchmal müsse auch sie Rückschläge einstecken.

Aber jetzt, so erklärt sie, jetzt muss sie wieder zurück an die Arbeit in ihren Garten, zurück zu ihren Akeleien, an denen sie beim Zurückschneiden viele verschiedene Marienkäfer gesehen hat. Zurück zu den kleinen Spatzen, die die schwarzen Läuse am Falschen Jasmin als Futterquelle entdeckt haben. Und auch zurück zur Hummel, die vorhin partout nicht wollte, dass der üppig blühende Beinwellstrauch zurückgeschnitten wird. Cornelia Roth arbeitet – aber sie lässt auch arbeiten.

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