17.06.2021 - 17:45 Uhr
TirschenreuthBesserWissen

Kochen mit dem Nachwuchs: Ein kinderleichtes Vergnügen

Kochen ist ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Oft genug bekommen aber Kinder die Mahlzeit bereits fertig am Tisch serviert. Dabei kann gemeinsames Kochen in der Familie viel Spaß machen. Tipps von der Gesundheitstrainerin und Sozialpädagogin Theresia Kunz.

Schnelle und unkomplizierte Rezepte sind am besten geeignet, um Kinder in die Küche zu locken.
von Christa VoglProfil

Das Kochbuch hervorholen, gemeinsam das Pizza-Rezept heraussuchen, die Zutaten auf die Arbeitsplatte stellen, Mehl abwiegen, Wasser abmessen, eine Prise Salz darüber geben, den Teig mit den Händen kneten und spüren, ihm beim Aufgehen zuschauen, ihn mit dem Nudelholz ausrollen, die Tomatensoße aufpinseln, Käse darüber streuen, für jedes Familienmitglied eine Ecke mit den Lieblingszutaten belegen. Dann: durchs Ofenfenster zusehen, wie die Pizza langsam Farbe annimmt, sich verändert, zu duften beginnt und einige Minuten später fertig ist. Nach dieser Familien-Kochaktion sieht man der Küche zwar an, dass darin mächtig gewerkelt wurde. Dafür sind aber die Kinder, die als kleine Bäcker mitgeholfen haben, glücklich und essen "ihre" Pizza mit Stolz und großem Appetit.

Theresia Kunz, Mutter dreier mittlerweile erwachsener Töchter, hat genau diese Situation schon häufig erlebt. Sowohl früher in ihrer eigenen Familie als auch bei den Kinderkochkursen, die sie regelmäßig anbietet. In Bezug auf die Unordnung in der Küche sagt die Gesundheitstrainerin und Sozialpädagogin ganz pragmatisch: "Ach, das muss man einfach aushalten." Aber warum muss man das aushalten? Warum sollte man Kinder in der Küche mitwerkeln lassen, wenn es doch ohne sie viel schneller geht und auch das Aufräumen praktisch nebenher erledigt werden kann?

Kochen ist Lebenskompetenz:

"Eine gute Mahlzeit zubereiten zu können, ist eine Form von Alltagstauglichkeit", sagt Kunz. "Jeder von uns kommt immer wieder in die Situation: Man steht in der Küche und bereitet sich eine Mahlzeit zu. Und dann ist es einfach toll, wenn man diese Fertigkeit in der Vergangenheit bereits erlernt hat. Geschätzt wird dieses Wissen und Können spätestens nach dem Auszug aus dem Elternhaus."

Kochen am Wochenende:

Gemeinsames Kochen könne den Stellenwert einer Freizeitgestaltung haben. "Nach dem Motto: Ach, heute ist schlechtes Wetter. Wir könnten uns doch einfach miteinander Spaghetti mit einer selbst gemachten Tomatensoße machen oder einen Obstsalat schnippeln." Das gemeinsame Kochen habe damit die Funktion einer "Familienunternehmung mit genussvollem Abschluss am Esstisch".

Kochen während der Woche:

"Ich weiß, dass die Zeit in den Familien oft knapp ist. Aber kleine Arbeiten können von den Kindern trotzdem erledigt werden: die Gurke schneiden, den Tisch decken. Wichtig ist, dass das Mithelfen in der Küche zu etwas Alltäglichem wird." Kinder sollten sich ins Kochen immer einmischen dürfen.

Falsche Botschaften:

"Der Spaß beim Kochen soll im Vordergrund stehen, die Erwachsenen sollten dabei nicht die Rolle eines Lehrmeisters übernehmen", rät Kunz. "Vermieden werden sollten auf jeden Fall Botschaften wie: Mach das mal gscheit! Oder: Das ist zu kompliziert, dabei kann ich dich nicht brauchen! Oder auch: Immer bist du so ungenau." Solche Äußerungen würden oft dazu führen, dass die Freude verloren gehe und sich das Kind zurückziehe.

Zeitknappheit:

"Wenn Kinder mithelfen möchten beim Kochen, sollte ihr Interesse genutzt werden. Und wenn gerade keine Zeit ist, dann ist es sinnvoll, eine konkrete Alternative anzubieten. Zum Beispiel: Du, heute passt es nicht. Aber am Freitag könnten wir es machen."

Neue Vorlieben entdecken:

"Wenn man miteinander kocht, kann man auch die Vorlieben verschiedener Familienmitglieder berücksichtigen." Nicht nur Kindern, auch Erwachsenen schmecke nicht alles gleich gut. "Die einen mögen die Karotten eher geraspelt, den anderen schmecken größere Stücke. Das kann man alles machen. Und das Schöne dabei: Es werden auch neue Vorlieben entdeckt."

Genuss trainieren:

"Kochen schärft die Sinne. Mit Aufforderungen, wie: Magst du mal probieren? Was meinst du? Wollen wir da vielleicht noch Petersilie oder Schnittlauch reintun? wird das Kind im Abschmecken mit eingebunden und kann seine individuellen Vorlieben entdecken." Wer Genießen lerne und damit bewusstes Essen, sei weniger anfällig für Übergewicht und für alle Arten von Süchten. "Wer gelernt hat, ein Stück Schokolade zu genießen, braucht es nicht, die ganze Tafel zu essen."

Liebe zum Kochen wecken:

"Man hat als Eltern immer eine Vorbildrolle. Wenn das Kind hört oder auch spürt, dass Kochen blöd ist, dass es nur eine mühsame Pflicht ist, dann nimmt es diese Botschaft auf und hat selbst auch keine Lust, beim Kochen zu helfen."

Neugierde ausnutzen:

Kinder sind neugierig und sie lernen durch Neugierde: Wie schmeckt das? Wie funktioniert das? "Als Eltern sollte man es zulassen können, dass der Nachwuchs in der Küche etwas Neues ausprobiert." Andererseits dürfe man die Neugierde auch ausnutzen und sie immer wieder mal bestimmte Sachen, die bisher "nicht schmeckten", kosten lassen. "Oder auch etwas ganz Neues."

Einfache Rezepte:

"Kinder wollen klare Verhältnisse, sie möchten es gerne übersichtlich auf ihrem Teller haben. "Ein Rezept mit zehn Zutaten ist da nicht unbedingt geeignet. Am besten ein Rezept mit nur zwei oder drei Zutaten: Selbst gemachtes Apfelkompott mit der Flotten Lotte püriert, Kartoffelbrei, Pizzateig, selbst gemachte Semmeln."

Keine Frage des Alters:

Das Helfen in der Küche ist keine Frage des Alters. Kinder dürfen mithelfen, sobald sie mithelfen mögen. "Unsere Tochter war sehr klein und hat immer gerne geschnippelt. Auf dem Hocker mit einem kleinen Brett und einem kleinen Messer. Natürlich altersgerecht."

Selbstbewusstsein stärken:

Durch gemeinsames Kochen entwickelt sich Selbstwert und Selbstwirksamkeit bei den Kindern. "Dabei nicht vergessen: Das Lob darf nicht zu kurz kommen: Schau, den Kuchen, wie schön der geworden ist. Den hast du gemacht, das ist doch toll!"

Gemeinsames Aufräumen:

Nicht nur beim Kochen, auch beim Aufräumen ist man zusammen. "Die Eltern sollten sich Sätze verkneifen, wie: Oh je, jetzt hast die Küche aber ganz schön eingesaut. Kinder spülen auch gerne ab. Dann ist es danach halt ein bisschen feucht außen herum. Das muss es einem wert sein."

Der Rückblick:

Etwas Chaos in der Küche nach dem gemeinsamen Kochen müsse man aushalten können, so Kunz. "Später, wenn das Kind auf seine Kindheit zurückblickt, wird es nicht sagen: Bei uns zu Hause war die Küche immer sauber und aufgeräumt. Nein, es wird sich vielmehr daran erinnern: Wir haben zu Hause miteinander gekocht."

Unkomplizierte Rezepte für den Urlaub um Ferienhaus

Deutschland und die Welt
Theresia Kunz ist Sozialpädagogin und Gesundheitstrainerin. Unordnung in der Küche beim Kochen mit Kindern? "Das muss man einfach aushalten können!"
Service:

Rezept für den "weltbesten Spaghettisalat"

Zutaten für sechs Personen:

500 Gramm Spaghetti

Salzwasser

1 Becher Schmand

1 Becher saure Sahne

300 Milliliter kräftige Gemüsebrühe

1 Bund Schnittlauch

Zubereitung:

Die Spaghetti („Vollkornspaghetti schmecken dazu super“) im Salzwasser nach Packungsanweisung al dente kochen.

Währenddessen eine kräftige Brühe anrühren.

In die Brühe Schmand und saure Sahne einrühren und den in Röllchen geschnittenen Schnittlauch untermischen. Die noch warmen Spaghetti dazugeben und kräftig durchrühren. Mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.

„Am allerbesten schmeckt der Salat lauwarm, aber auch abgekühlt ist er ein Genuss“, sagt Theresia Kunz. „Man kann ihn auch wunderbar als Mittagessen genießen.“

 

 

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