19.01.2021 - 19:07 Uhr
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Stotterstart bei der Corona-Impfung: Es fehlen Impfstoff und E-Mail-Adressen

Der Impfstart kommt wie vieles dieser Tage eher zögerlich in die Gänge. An allen Ecken und Enden gibt es noch offene Baustellen. Immerhin: Die Politik bemüht sich um Antworten auf kritische Nachfragen.

Eine Mitarbeiterin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) impft die 100-jährige Juliana Pauler in einem Impfzentrum mit dem Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 von Biontech/Pfizer.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Am Montag vor einer Woche startete in Bayern das Online-Portal BayIMCO – „Bayerisches Impfmanagement gegen Corona“. Damit können Impfwillige nicht mehr nur telefonisch oder direkt bei den Impfzentren einen Termin vereinbaren, sondern auch im Netz: Auf www.impfzentren.bayern kann man sich registrieren und mit der eigenen E-Mail-Adresse und einem zu vergebenden Passwort einen Account anlegen.

Dazu muss der Nutzer einige persönliche Fragen beantworten. Um eine Priorisierung nach Gefährdungslage vornehmen zu können, werden bei der Registrierung das Alter und Risikofaktoren wie Vorerkrankungen abgefragt – oder ob man beispielsweise in der Pflege, im Schulwesen oder Einzelhandel arbeitet. Die Vergabe läuft dann laut Gesundheitsministerium strikt nach dieser Priorisierun. Dem Sprecher der Taskforce Coronapandemie, Marcus da Gloria Martins, zufolge wird überprüft, ob jemand tatsächlich zu den priorisierten Gruppen gehört.

Wer soll sich jetzt anmelden?

Da zunächst nur die priorisierten Gruppen geimpft werden, bittet Gesundheitsminister Klaus Holetschek darum, dass sich zunächst nur Mitglieder der Prioritätengruppen 1 und 2 anmelden. Also etwa Menschen über 70, Vorerkrankte, oder Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen. Nichtberechtigte verursachen zusätzlichen Aufwand, weil jeder Fall geprüft werde. Theoretisch könne man sich durch falsche Angaben zwar einen Termin erschleichen – aber keine Impfung. Laut dem Taskforce-Sprecher wird vor Ort noch einmal überprüft, ob die Kandidaten tatsächlich die Kriterien erfüllen.

Warum nur eine Registrierung pro E-Mail-Adresse?

Der Grund für die Koppelung der Registrierung an eine einzelne Mailadresse ist laut Gesundheitsministerium, dass man digital mit den Registrierten in Kontakt treten möchte – für Rückfragen und um einen möglichen Impftermin mitzuteilen. Bei Familienmailadressen oder mehreren Registrierten pro Adresse wäre das so leicht nicht möglich. Wer eine zusätzliche E-Mail-Adresse für die Registrierung von älteren Verwandten anlegt, muss diese auch regelmäßig abrufen, damit Rückfragen beantwortet und ein Impftermin mitgeteilt werden kann.

Wann kann ich mit einem Termin rechnen?

Wann Impftermine über das Portal vergeben werden, ist derzeit noch unklar. Das hängt laut Ministerpräsident Markus Söder davon ab, wie viel Impfstoff vorhanden ist. „Es wird in Bayern jetzt geimpft, was geht“, sagte Söder. „Mein Eindruck ist, dass es jetzt ganz gut läuft. Aber es hängt in den nächsten Wochen entscheidend davon ab, dass wir mehr Impfstoff bekommen.“

Welcher Impfstoff wird verabreicht?

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna seien „in Wirksamkeit und Sicherheit“ gelichwertig. Es sei noch zu früh, um entsprechende Aussagen für weitere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Wann erfolgt die zweite Impfung?

Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff nach Angaben der Experten zweimal verabreicht werden – mit einem Abstand von mindestens drei (bei Biontech) bis vier (Moderna) Wochen. Andernfalls drohe Mertens zufolge nicht nur ein zu schwacher Schutz. Es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

Wie sieht’s in diesem Winter eigentlich mit der Grippe aus?

„Die Influenza stellt aktuell kein Problem dar“, teilt Prof. Dr. Hamid Hossain, Chefarzt des Instituts für Mikrobiologie und Laboratoriumsmedizin am Klinikum St. Marien Amberg und der Kliniken Nordoberpfalz AG auf Anfrage mit. „Dank anhaltender hygienischer Schutzmaßnahmen – Einhaltung des Abstands, Maskenpflicht, kein Händekontakt – hat Corona die Übertragungswege für die Influenza deutlich zurückgedrängt.“ Ein weiterer Grund sei auch die erhöhte Bereitschaft der Bevölkerung, sich gegen Grippe impfen zu lassen – vermutlich aus Angst vor einer Doppelinfektion. „Nichtsdestotrotz gibt es natürlich nach wie vor Influenza-Infektionen.“ Das Gesundheitsamt Weiden/Neustadt/WN hat seit Anfang Dezember jetzt keinen einzigen Influenza-Fall gemeldet bekommen. Dies deckt sich mit der nationalen Lage: In ganz Deutschland wurden in der ersten Kalenderwoche 2021 nur 33 Fälle gemeldet.

Gilt die Maskenpflicht nicht für Mitarbeiter in Bäckereien, Metzgereien und anderen Thekenläden?

„Die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung schreibt im Geschäft für Kunden und Mitarbeiter Maskenpflicht vor“, sagt Andreas Keller, Bereichsleiter der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, „es sei denn, es gibt Schutzwände aus Acrylglas und die Mitarbeiter können den Mindestabstand einhalten.“ Das gelte für alle Ladengeschäfte und Rezeptionen. In puncto Bezahlung wichen inzwischen einige Betriebe auf Kartenbezahlung aus oder wickelten den Bezahlvorgang separat an einer Ecke der Theke ab.

Leiter des Impfzentrums Tirschenreuth zieht positive Zwischenbilanz

Tirschenreuth
Info:

FAQs des Bundesgesundheitsministeriums

  • Wie erfahren Bürgerinnen und Bürger von der Möglichkeit, sich impfen zu lassen? Die Bundesländer laden diejenigen ein, die an der Reihe sind. Sie schalten telefonische Hotlines, die 116117 wird als Zugangsnummer für die Terminvergabe genutzt. Zudem können Möglichkeiten der digitalen Terminvereinbarung vorgesehen werden.
  • Wer wird zuerst geimpft? Nach der Impf-Verordnung werden zuerst die über 80-Jährigen sowie die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen geimpft. Auch das Personal dieser Häuser Beschäftigte im Gesundheitswesen, die einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, gehören zu der ersten Gruppe.
  • Welcher Nachweis muss für eine Impfung vorgelegt werden? Als Nachweis für die Anspruchsberechtigung gelten laut Impfverordung: der Personalausweis oder ein anderer Lichtbildausweis. Für Bewohner von Pflege- und anderen Einrichtungen legen die Einrichtungen bzw. Unternehmen eine Bescheinigung vor. Menschen mit chronischen Erkrankungen erhalten ein ärztliches Zeugnis. Kontaktpersonen benötigen eine entsprechende Bestätigung der betreuten Person.
  • Wer zahlt was? Die Impfung in den Impfzentren wird für die Bevölkerung kostenlos sein – unabhängig vom Versicherungsstatus.Der Bund zahlt den Impfstoff. Die Kosten für den Aufbau und die Organisation der Impfzentren tragen die Länder und die gesetzliche Krankenversicherung (Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds) sowie die Private Krankenversicherung.
  • Muss ich nach der Impfung noch eine Maske tragen? Die bestehenden Empfehlungen (AHA-Regeln) und Einschränkungen zum Infektionsschutz gelten für alle weiter.
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