18.10.2021 - 18:09 Uhr
Deutschland & Welt

Geschwätzigkeit: Die größte Gefahr für die Koalitionsverhandlungen

SPD, Grüne und jetzt auch die FDP haben sich für Koalitionsverhandlungen ausgesprochen und wollen eine Ampel-Regierung bilden. Doch schon jetzt wird zu viel öffentlich geredet. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Robert Habeck (links) und Christian Lindner - beide werden als künftiger Finanzminister gehandelt.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Wahrscheinlich glaubt kaum jemand, dass es bei Koalitionsverhandlungen zuallererst um Inhalte geht und erst dann um Personalien, Posten und Pöstchen. Egal, wie oft das Gegenteil öffentlich beteuert wird: Das wird auch bei den anstehenden Ampel-Gesprächen nicht anders sein, obwohl der Eindruck vermieden werden soll.

Und so dürfte es den künftigen Verhandlungsführern von SPD, Grünen und FDP am politischen Pokertisch wenig helfen, wenn schon jetzt einige Politikerinnen und Politiker über die Vergabe des Finanzministeriums spekulieren - und zwar direkt in die Mikros, Kameras und Blöcke der Pressevertreter hinein. FDP-Vize Wolfgang Kubicki und der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, preisen ihren Parteichef Christian Lindner als Idealbesetzung für den Posten. Monika Heinold, grüne Finanzministerin in Schleswig-Holstein, hält hingegen den Grünen-Co-Chef Robert Habeck für "genau den Richtigen" für das Ministerium in der Wilhelmstraße 97. Alle miteinander hätten besser geschwiegen.

Dass beide Parteien um jeden Preis den Finanzminister stellen wollen, überrascht nicht: Die Liberalen möchten sich als Garanten dafür verkaufen, dass die Ideen der Grünen nicht zu teuer werden. Habeck wiederum hätte mit der Hand an der Staatskasse mehr Macht als je ein grüner Bundespolitiker zuvor. Sollten Gelb und Grün jedoch nicht aufhören, ihre Personalwünsche öffentlich zu diskutieren, könnte das die Koalitionsverhandlungen gefährden. Die Ampel wäre Geschichte, bevor sie auch nur einmal geleuchtet hat.

Aber vielleicht wird es ja ohnehin Zeit, dass endlich mal eine Frau das Finanzministerium leitet. Denn Frauen, das weiß jeder, können mit Geld viel besser umgehen als Männer. Oder?

Lindner und Habeck wollen beide Finanzminister werden

Deutschland & Welt
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.