28.08.2021 - 00:02 Uhr
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Interview mit Marcus H. Rosenmüller: "Eine tolle Zeit" in Pleystein

Für die Nordoberpfalz hat Regisseur Marcus H. Rosenmüller nur Lob übrig. Im Interview spricht er außerdem über den überwiegend in Pleystein gedrehten Film "Beckenrand Sheriff", Heimat und warum Essen und Freibad für ihn zusammengehören.

Marcus H. Rosenmüller stellte sich bei einem Interview in München den Fragen von Oberpfalz-Medien.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

ONETZ: Für „Wer‘s glaubt wird selig“ haben Sie schon in Kastl und Hohenburg gedreht, für Ihren neuen Film „Beckenrand Sheriff“ nun in Pleystein und Weiden. Ihnen scheint es bei uns in der Nordoberpfalz zu gefallen, oder?

Es gefällt mir ausgesprochen gut in der Oberpfalz. Einerseits landschaftlich. Andererseits die Mentalität der Leute, weil sie einfach sympathisch, unterstützend und echt sind. Sie gaukeln dir nichts vor.

ONETZ: Am 11. September kehren Sie mit Ihrem Team zurück nach Pleystein. „Beckenrand Sheriff“ wird im Freibad gezeigt. Wie war es, bei uns zu drehen?

Marcus H. Rosenmüller: Ernsthaft: Es war eine tolle Zeit. Umso mehr freuen wir uns jetzt, wieder zurückzukommen. Wir haben beste Erinnerungen. Ihr glaubt‘s gar nicht, wie wichtig die Unterstützung für das Wohlergehen eines Films ist.

ONETZ: Geben Sie uns einen Einblick: Ist der zehnjährige Marcus H. Rosenmüller vom Beckenrand gesprungen und hat anschließend Pommes mit Ketchup gegessen?

Marcus H. Rosenmüller: Pommes tatsächlich weiß-rot. Ich habe damals schon Mayonnaise gerne gemocht. Als Zehnjähriger war ich noch richtig sportlich und wild unterwegs und habe deswegen auch immer einen Riesenhunger gehabt. Das hat für mich schon immer zusammengehört: Freibad und Essen. Es gab tatsächlich nicht immer nur Pommes, sondern unsere Mama hat uns auch schon gesunde Sachen mitgegeben. Wir haben auch mal einen Pfirsich essen dürfen. Aber: Ich bin wahnsinnig gerne ins Freibad gegangen, das ist einfach der Spielplatz als Kind gewesen.

ONETZ: Sie sind in Hausham aufgewachsen. Wenn meine Recherche richtig ist, dann dürfte das Freibad in Miesbach dasjenige gewesen sein, das Sie besucht haben.

Marcus H. Rosenmüller: Genau, da war ich wahnsinnig gerne, habe tolle Erinnerungen mit meinen Kumpels, wir haben dort viel Zeit verbracht. Aber Hausham liegt zwischen Miesbach und dem Schliersee. Wenn der Schliersee zugänglich war, wenn es nicht zu kalt war, waren wir am See. Die Erinnerung ist einfach die, dass man so unbekümmert war, die Zeit vergessen hat, im Jetzt gelebt hat. Das finde ich das Schönste überhaupt: Im Jetzt leben, mit den Spezln und der Familie.

ONETZ: Dabei haben es Freibäder oft schwer. Sie arbeiten in der Regel defizitär. „Zu teuer, zu alt“ wird oft kritisiert, was auch in „Beckenrand Sheriff“ thematisiert wird ...

Marcus H. Rosenmüller: ... wir wissen alle: Es ist Realität, dass viele Freibäder dicht machen. Warum? Weil sie sich nicht rentieren. Aber diese schönsten Erinnerungen, die wir mit den Freibädern verbinden, die kannst du gar nicht aufwiegen.

ONETZ: „Beckenrand Sheriff“ ist ohnehin ein sehr politischer Film, nicht nur, was die Freibäder betrifft. Ausgrenzung und Rassismus spielen auch eine große Rolle. Welches Statement wollen Sie mit dem Film setzen?

Marcus H. Rosenmüller: Wenn man miteinander für etwas kämpft, sei es in einer Sportgemeinschaft, in einer Wasserball-Mannschaft, in einem Fußballverein, in einem Dorf oder einer Ortschaft, sei es für ein Freibad oder in der Arbeit, wenn man Leuten begegnet und plötzlich für Leute etwas fühlt, dann fängt Heimat an. Kurt Tucholsky hat gesagt: „Freundschaft, das ist wie Heimat.“ Das sind Sätze und Weisheiten, die ich als richtige empfinde. Man muss es schaffen, dass man Leute einbindet, das Miteinander ist das Entscheidende. Man hat die individuelle Verantwortung, dass man sich sein eigenes Bild macht, nicht pauschal über Gruppen urteilt. Noch mehr als um die Flucht-Thematik ist es uns eigentlich um die Freundschafts-Thematik gegangen.

ONETZ: So wie es beim von Milan Peschel gespielten Schwimmmeister der Fall ist.

Marcus H. Rosenmüller: Ja, und ihm droht ja im Film, dass er plötzlich seiner Heimat beraubt wird (aufgrund der drohenden Freibad-Schließung; Anm. d. Red.). Wir sind alle nicht davor gefeit. Wir müssen alle aufpassen, wo wir uns sicher fühlen. Der Ort wird sich schon kümmern – das mag ich umdrehen: Wir müssen uns um die Orte, die Gesellschaft und die Werte kümmern, die wir als wichtig und als Heimat empfinden.

ONETZ: Heimat ist auch Sprache. Ob nun ihr Klassiker „Wer früher stirbt ist länger tot“, jetzt der "Beckenrand Sheriff" oder die Geschichten rund und den Eberhofer: Filme mit Dialekt funktionieren super. Warum ist das so?

Marcus H. Rosenmüller: Diese Geschichten, die entstanden sind mit unseren Dialekten, die müssen prinzipiell eine Dramaturgie haben – weil es im internationalen Film nicht anders ist. Sie müssen unterhaltsam sein, sei es auf tragische oder komödiantische Art und Weise. Warum sollte das nicht mit Dialekt funktionieren. Das habe ich ganz außer Frage gestellt. Dass ich natürlich besser in meiner Sprache inszenieren kann und ein besseres Gespür habe, als vielleicht im Hochdeutschen, ist eh klar. Die Grundwerte aber, wie man sich versteht oder was Humor ist, funktionieren fast überall.

"Beckenrand Sheriff" wird am 11. September im Freibad in Pleystein gezeigt

Pleystein
Info:

Marcus H. Rosenmüller

  • Der 48-jährige Rosenmüller ist Regisseur und Drehbuchautor
  • Sein bekanntester Film ist von 2006: "Wer früher stirbt ist länger tot"
  • Unter seiner Regie entstanden außerdem: "Beste Zeit", "Beste Gegend", "Beste Chance", "Sommer in Orange", "Wer's glaubt, wird selig" und "Trautmann"
  • Für "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" (Regie: Joseph Vilsmaier) schrieb Rosenmüller gemeinsam mit Ulrich Limmer das Drehbuch
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