07.08.2020 - 16:15 Uhr
WeidenbergDeutschland & Welt

"Julchen" ist frei: Luchs-Mädchen erobert das Fichtelgebirge

Der Start ins Leben verlief holprig für "Julchen". Ein Jahr später sieht es viel besser auf das Luchs-Mädchen. Wenn sie könnte, würde sie sich wohl auch beim Forstbetrieb Fichtelberg bedanken.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Nun hat auch das Fichtelgebirge "seinen" Luchs: Seit einigen Wochen ist die junge Katze im Mittelgebirge an der Grenzen zwischen Oberpfalz und Oberfranken unterwegs, und bisher gibt es nur gute Nachrichten: Aufnahmen von Wildkameras zeigen, dass das Tier gesund und wohlauf. Seit der Luchs frei und selbst für seine Verpflegung verantwortlich hat, hat er auch kein Gewicht verloren. "Offensichtlich findet sie genug zu fressen", sagt Martin Hertel, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg über die Katze.

Die Entwicklung hat sich nicht abgezeichnet, als das Tier vor einem guten Jahr auf dem Schirm der Experten vom Landesamt für Umwelt (LfU) auftauchte. 2019 war das junge Luchs-Mädchen auf einer Straße bei Waldmünchen im Kreis Cham gefunden worden. "Irgendetwas hatte sie von ihrer Mutter getrennt", sagt Hertel. Alle Versuche, Mutter und Kind zu vereinen seien gescheitert. Es sah damals nicht gut aus für "Julchen". "So wurde sie genannt, weil sie im Juli gefunden worden war", sagt Hertel.

Übergang in Norddeutschland

Als der Forstwirt ins Leben der jungen Raubkatze trat, begannen sich die Aussichten zu verbessern. Das war im Frühjahr 2020, "Julchen" lebte inzwischen in einer Auffangstation in Norddeutschland. Das LfU gab aber nicht auf. Sie sollte zurück nach Bayern und in die Freiheit. In den Verantwortlichen des Forstbetriebs Fichtelberg fanden die Experten Verbündete. "Wir haben die Fläche für die Auswilderung zur Verfügung gestellt", erzählt Hertel.

Die Forstleute taten aber noch mehr für den Luchs: Sie kümmerten sich um den Bau eines Geheges, in dem das Tier sich an die neue Umgebung gewöhnen konnte. Und sie brachten "Julchen" das Fressen ans Gehege. Dann habe das Tier recht aggressiv reagiert, erzählt Hertl, der selbst beteiligt war und das wilde Fauchen schildert. "Es ist doch ein Wildtier geblieben."

Das dürfte dem Luchs nun zugute kommen. Hätte er sich zu sehr an den Menschen gewöhnt, wäre ein Leben in Freiheit kaum möglich, weil "Julchen" sich nicht selbst versorgen könnte oder die Nähe zu Menschen suchen würde. Das kann man einem wilden Luchs im dicht besiedelten Deutschland nicht durchgehen lassen. Bisher gebe es für solch unnatürliches Verhalten keinerlei Anzeichen.

So darf man sich nun fragen, wie es mit dem Tier im Fichtelgebirge weitergeht. Derzeit leben in dem Raum keine Luchse. "Es streifen aber immer wieder Tiere durch", berichtet Hertel. Weil bei Luchsen die Weibchen standorttreue sind, könnte sich das nun ändern. Bleibt "Julchen" in der Region, wäre es nur logisch, wenn sie demnächst auch einen männlichen Kuder anlocken würde.

"Ivan" und "Fee" im Steinwald

Schon seit einigen Jahren lebt im nahen Steinwald die Luchskatze "Fee". Außerdem treibt sich in der Gegend seit einiger Zeit der Kuder "Ivan" herum. Das Tier aus dem Harz hat vermutlich "Fees" früheren Partner "Hotzenplotz" auf dem Gewissen. Experten gehen davon aus, dass das kleinere Tier einen Revierkampf nicht überlebt hat. Ob "Julchen" an der Konstellation etwas ändert, müsse sich erst zeigen.

Laut dem LfU wurden zwischen Mai 2018 und April 2019 in Bayern 60 selbstständige Luchse und zudem 26 Jungtiere nachgewiesen. Die meisten der Wildkatzen sind im Dreiländereck zwischen Deutschland, Tschechien und Österreich unterwegs.

Ein Artikel über das Luchs-Monitoring bei Flossenbürg

Flossenbürg
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