29.08.2021 - 13:43 Uhr
Deutschland & Welt

"Der Mensch braucht einen Holzhammer auf den Kopf!"

Hans-Jürgen Buchner ("Haindling") spricht über Umweltzerstörung, ein neues Album und Corona.

Hans-Jürgen Buchner in seinem Element bei einem früheren Auftritt auf der Luisenburg: Am Montag und Dienstag spielt Haindling ebenfalls auf der Felsenbühne.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die Welt verändert sich rasend schnell, aber es gibt auch gewisse Konstanten, die sich wohl nie ändern werden. Dazu gehört unter anderem die Erreichbarkeit von Hans-Jürgen Buchner fürs Telefoninterview: nur am Festnetz, in seinem niederbayerischen Heimatdorf Haindling bei Geiselhöring. „Ich brauche kein Smartphone und keine Apps. Nur mit dem Fotografieren täte man sich wohl leichter als mit dem Fotoapparat“, erzählt der 76-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Die konzertlose Corona-Zeit hat er recht gut verbracht. „Ich wohne in einem kleinen Dorf mit 80 Einwohnern und musste nicht in der Großstadt unterwegs sein. Ich habe einen schönen Garten, in dem ich im Sommer so viel Zeit verbringen konnte, wie die fast vier Jahrzehnte zuvor nicht. Aber klar, wir durften und konnten nicht auftreten: Das ist schon schwergefallen." Da war es dann natürlich schon von großem Vorteil, dass er in einem Haus voller Instrumente wohnt. Am Klavier oder an der Trompete kann er nicht vorbeigehen, ohne darauf zu spielen – ganz gleich, ob Corona-Pandemie oder nicht. „Ich kann deswegen auch nicht sagen, dass Corona meine Kreativität gefördert oder gehemmt hätte. Wenn ich auf den Instrumenten spiele, dann fallen mir immer Melodien ein, die ich dann auch abspeichere“, so Buchner. Mittlerweile gibt es da etwa 1500 Skizzen, die er eigentlich überarbeiten müsste. „Das ist natürlich viel Arbeit und meistens spiele ich dann trotzdem immer wieder etwas Neues“, bekennt Buchner.

Bühnenjubiläum im Jahr 2022

Aber wäre es nicht mal höchste Zeit für ein neues Album, wenn so viel Material vorhanden ist? „Da gibt es wirklich viele, die warten“, sagt Buchner und lacht. Im kommenden Jahr feiert Haindling das 40-jährige Bühnenjubiläum, da ist Buchner recht optimistisch, dass es wirklich etwas Neues gibt. „Wenn ein Weltuntergang oder so etwas dazwischenkommt, dann natürlich nicht“, scherzt der Musiker, der bekanntlich komponiert und textet. „In meinem Inneren ist immer eine Melodie“, sagt Buchner. Deswegen mache er auch sehr gerne Filmmusik, weil er sich keinen Text einfallen lassen muss. „Ich bin da sehr penibel, ich will ja auch keinen Krampf singen, den keiner versteht.“

Beim Thema Weltuntergang kann Buchner aber auch ziemlich ernst werden, engagiert er sich doch seit Jahrzehnten gegen Umwelt- und Naturzerstörung und legt auch immer wieder musikalisch die Finger in die Wunden. Manche seiner Lieder der 80er und 90er Jahre wie „3 Hellseher", „Hau-Ruck“ oder „Der Mensch muss auf den Mars“ könnten auch heute geschrieben worden sein. „Man kommt zur Erkenntnis, dass der Mensch nichts dazulernt und erst hellhörig wird, wenn es praktisch zu spät ist. Die Resultate sehen wir jetzt“, so Buchner. Er befürchtet, dass sich die Menschen auf Natur- und Umweltkatastrophen als „neue Normalität“ einstellen. Dabei müsste man wirklich drastische Maßnahmen ergreifen, damit es anders werde. Buchner: „Es funktioniert halt nicht, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, wenn man so weitermacht wie bisher. Der Mensch braucht einen Holzhammer auf den Kopf, damit er es kapiert.“ Geradezu grotesk erscheint es ihm, wenn sich Milliardäre überlegen, was sie mit ihrem Geld machen und für acht Minuten mit großem Energiebedarf in den Weltraum fliegen. „Und hinterher sagen sie, dass sie oben gesehen haben, wie wunderschön diese Erde sei. Die Erde, die sie eigentlich zerstören“, wundert sich Buchner.

Luisenburg, ein besonderer Ort

Froh ist Buchner, dass er wieder auf der Bühne stehen kann und darf – so auch am Montag, 30. August, sowie Dienstag, 31. August, jeweils um 20 Uhr auf der Luisenburg-Bühne. „Das ist ein ganz besonderer Ort“, bekennt der Musiker, der dort schon einige Male mit Haindling die Fans begeistert hat. Die geologische Lage mit den Felsen im Hintergrund fasziniere ihn enorm.

Buchner wird auch dieses Mal nicht müde werden, seine bekannten und beliebten Lieder aufzuführen: „Wenn ich zum 1000. Mal „Paula“ oder „Lang scho nimmer g‘sehn“ spiele, dann freue ich mich, wie die Leute aufgehen. Das ist ein schönes Gefühl. Wenn ich ins Elton-John-Konzert gehe, will ich ja auch die alten Lieder hören, die mein Leben begleitet haben.“ Ans Aufhören denkt Buchner, der im Dezember 77 Jahr alt wird, nicht. „Das geht als Musiker gar nicht. Ein Schriftsteller hört auch nicht zum Denken auf. Musik mache ich immer, ob man noch auftritt, hängt freilich mit der Gesundheit zusammen. Und man merkt schon: Ab einem gewissen Alter strengt Auftreten an. Wenn man die Leute begeistert, gibt es einem aber auch Kraft!“

Hans-Jürgen Buchner:

Geboren 1944 in Bernau bei Berlin

Lehre zum Keramiker und Meisterbrief für Töpferei und Bildhauerei

2005 Kulturpreis Bayern

2013 Bayerische Verfassungsmedaille in Silber

2015 Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienst um die Umwelt

Konzerttermine Haindling: 30. August sowie 31. August, jeweils 20 Uhr, auf der Luisenburg

Tickets unter www.luisenburg-aktuell.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.