Cyber-Attacke auf großes Oberpfälzer Unternehmen

Cybercrime und Industriespionage: Was nach Hollywood und Silicon Valley klingt, kommt auch in der nördlichen Oberpfalz häufiger vor, als man vermutet. Am Freitagmorgen wurde erneut ein Betrieb der Region zum Opfer von Online-Erpressern.

Auf dem Bildschirm eines Laptops ist am der Binärcode zu sehen. Am Freitag wird in Düsseldorf die Jahresbilanz der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) vorgestellt.
von Redaktion ONETZProfil

Ein großes Nordoberpfälzer Unternehmen ist am Freitag Opfer einer Cyberattacke geworden. Wie das Polizeipräsidium Regensburg bestätigt, gab es bei dem Unternehmen mit Sitz in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN ab dem frühen Freitagmorgen einen Einsatz, der bis in den Nachmittag andauerte. Zwar lieferte die Polizei vorerst keine weiteren Informationen. Aus dem Unternehmensumfeld war aber zu erfahren, dass es sich um einen Erpresser-Angriff durch einen sogenannten Trojaner handelt, ein Schadprogramm, das unbemerkt ins System des Unternehmens eingeschleust wurde.

Ein solcher Trojaner sei oft ein eigens geschriebenes Programm. Solange dieses unbekannt ist, könne es von keiner Viren-Software erkannt werden, erklärt Experte Wolfgang Kiesbauer. Deshalb gebe es auch keine 100-prozentige Sicherheit, sagt der IT-Fachmann aus Vohenstrauß. Um zumindest die bekannten Schadprogramme im Griff zu haben, sei aktuelle Virensoftware nötig.

Ins System gelangt der Virus meist durch die eigenen Mitarbeiter, wenn diese etwa unvorsichtig den Anhang einer infizierten Mail öffnen. "Zuletzt wurden USB-Sticks auf Firmenparkplätzen abgelegt. Wenn ein Mitarbeiter einen Stick aufhob und in der Firma nutzte, war es schon zu spät", sagt Kiesbauer.

Dann nutzen die Verbrecher die Programme, um Daten zu verschlüsseln oder anders unbrauchbar zu machen. Erst wenn Lösegeld fließt, sollen die Daten freigegeben werden. Ob der aktuelle Fall ebenfalls so liegt, dazu gab es am Freitag keine Angaben. Auch das Unternehmen wollte sich nicht äußern.

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Wolfgang Kiesbauer sagt, dass dies nicht ungewöhnlich sei. Betroffenen Firmen sei es meist lieber, wenn die IT-Angriffe nicht öffentlich werden. Zum einen sollen Nachahmungstäter nicht ermutigt werden. Anderseits soll geheim bleiben, wenn die IT-Sicherheit sich als unzureichend herausgestellt hat. Allerdings seien die Unternehmen inzwischen verpflichtet, Behörden einzuschalten, wenn durch die Angriffe auch Daten von Kunden oder Lieferanten betroffen sind, erklärt Kiesbauer. Auch in der IT-Szene machen solche Angriffe die Runde. Hört man sich um, so erfährt man von entsprechenden Gerüchten um eine ganze Reihe von Oberpfälzer Unternehmen. Öffentlich zu den Angriffen äußern will sich aber nur sehr selten ein erpresstes Unternehmen.

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