18.01.2021 - 12:33 Uhr
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Regensburger Forscher bekämpfen Corona

Die Universität Regensburg beteiligt sich an einer bayerischen Impfstudie: Mit Hilfe von Probanden soll erforscht werden, wie wirksam die Covid-19-Impfung ist.

Ein Mann hält im Institut für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen eine Spritze in der Hand.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Entwicklung mehrerer Corona-Impfstoffe verbreitet Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie. Doch wie wirksam ist die Impfung in der Praxis? Das soll in Bayern in einer Begleitstudie untersucht werden. Dafür werden Geimpfte von einem Studienteam begleitet. Beteiligt sind auch Forscher der Universität Regensburg.

Ziel der Studie „CoVaKo 2021“, die vom Bayerischen Wissenschaftsministerium mit einer Million Euro gefördert wird, ist es, mit Hilfe eines Impfregisters herauszufinden, wie wirksam die Covid-19-Impfung in verschiedenen Personen- und Risikogruppen ist. Dafür arbeiten die bayerischen Universitätskliniken in Erlangen, München, Würzburg, Regensburg und Augsburg, die Hochschule Hof sowie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zusammen.

Regelmäßige Tests bei Probanden

Konkret sollen teilnahmewillige Probanden nach der Impfung wiederholt von Studienteams der beteiligten Universitätskliniken aufgesucht werden, um Rachenabstriche und Blutproben zu nehmen. Diese Proben sollen dann auf Virusbeladung und Dauer der Virusausscheidung sowie auf die Antikörperantwort und zellulären Immunantworten analysiert werden. Ein weiteres Ziel ist es, den Infektionsverlauf bei denjenigen Geimpften zu analysieren, die trotz der Impfung eine Infektion durchmachen.

Auf Letzterem liegt der Schwerpunkt der beteiligten Regensburger Forscher. „Wir würden uns bei der Studie auf die Nachverfolgung und Charakterisierung der ,Impfdurchbrüche‘ konzentrieren“, erklärt Professor Ralf Wagner vom Institut für klinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg – also auf diejenigen, die sich möglicherweise trotz Impfung infizieren und gegebenenfalls erkranken. „Zu verstehen, was diese Impfdurchbrüche verursacht, ist superwichtig für die weitere Konzeption von Impfstoffen und eine Anpassung von Impfstrategien“, sagt Wagner im Gespräch mit unserer Zeitung. Dafür würden sich die Forscher bei den Betroffenen die Quantität und Qualität der verschiedenen „Arme“ des Immunsystems, etwa Antikörper oder Killerzellen, ansehen. Außerdem würden die Viren, die die Impfdurchbrüche hervorrufen, genauer charakterisiert und über einen Fragebogen mögliche Vorerkrankungen, demographische Faktoren, Lifestyle-Faktoren abgefragt.

Zu verstehen, was diese Impfdurchbrüche verursacht, ist superwichtig für die weitere Konzeption von Impfstoffen und eine Anpassung von Impfstrategien.

Professor Ralf Wagner, Institut für klinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg

Professor Ralf Wagner, Institut für klinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg

Das bayerische Wissenschaftsministerium setzt große Hoffnungen in die Studie. „Mit ‚CoVaKo‘ können wir weitere wertvolle, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für eine sichere Impfung gegen das Corona-Virus erhalten“, erklärte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). „Mit dieser Studie liefern unsere Wissenschaftler wichtige Daten, die uns kluges und verantwortungsvolles Handeln zum bestmöglichen Schutz unserer Gesundheit ermöglichen.“ Alle Impfwilligen könnten die Studie unterstützen, indem sie bei der Impfung ihr Einverständnis zur unverbindlichen Kontaktaufnahme durch die Wissenschaftler für gezielte Forschungsvorhaben geben.

Frauenhofer entwickelt neues Konzept

Derweil wird in Regensburg an einem weiteren Projekt geforscht, das in der Corona-Pandemie helfen könnte. Forschende der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien (EMFT) und der Universität arbeiten an einem neuen Assay-Konzept, das die Wirksamkeitsprüfung von Impfstoffkandidaten schneller und aussagekräftiger machen könnte.

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass die Entwicklung eines Impfstoffs einen Wettlauf gegen die Zeit bedeuten kann, heißt es in einer Pressemitteilung der Uni Regensburg – denn die Prüfung des Vakzins auf Effektivität und Nebenwirkungsfreiheit sei eine langwierige Angelegenheit. Mit sogenannten Neutralisationstests lasse sich im Labor prüfen, ob ein Impfstoff im Körper des Menschen eine Immunantwort auslöst. Ein Forschungsteam um Professor Joachim Wegener, Leiter der Gruppe Zellbasierte Sensorik an der Fraunhofer-EMFT, sowie um Mikrobiologe Professor Ralf Wagner arbeitet derzeit an einem neuen Ansatz, der die aufwändigen Neutralisationstests nicht nur beschleunigen, sondern auch optimieren könnte.

Automatische Messverfahren

„Die bislang eingesetzten Assays basieren auf einer Messung zu einem einzigen Zeitpunkt“, erklärt Wegener. „Der Einsatz dieses vollständig automatisierten und computer-kontrollierten, mikroelektronischen Messverfahrens erlaubt es, eine sehr große Probenzahl parallel und zeitgleich zu untersuchen.“ Das Konzept werde derzeit am Beispiel des Coronavirus entwickelt, könne aber auch auf andere Viren oder auch auf mutierte Coronaviren übertragen werden, sagt Wegener. Es brauche aber noch Zeit, um den Assay bis in die Anwendung zu führen. Abhängig vom weiteren Verlauf der aktuellen Pandemie sei ein möglicher Einsatz zur Prüfung von Impfstoffen gegen Covid-19 zum Ende des Jahres angestrebt.

Impfskepsis bei Pflegekräften

Amberg
Professor Joachim Wegener, Leiter der Gruppe Zellbasierte Sensorik an der Fraunhofer-EMFT.
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