14.04.2021 - 18:57 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Corona im Kreis Tirschenreuth: Mehr als 90 Prozent der Infektionen bei Jugendlichen unentdeckt

Vor gut einem Jahr galt der Kreis Tirschenreuth als dramatisches Beispiel, was Corona anrichten kann. Heute ist der Kreis ein positives Beispiel. Eine Studie zeigt, wie hart es die Tirschenreuther im Frühjahr getroffen hat.

Gabriele Zimmert bei der Blutentnahme.für die Studie Ende Juni.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Im Frühjahr vor einem Jahr hatte die Corona-Pandemie den Landkreis Tirschenreuth förmlich überrollt. Mit mehr 1500 registrierten Sars-Cov-2-Infizierten pro 100.000 Einwohner bis Herbst 2020 war dieser der am stärksten betroffen Kreis in Deutschland. Eine Studie der Universitäten Regensburg und Erlangen zeigt nun, dass durch die damalige Teststrategie 80 Prozent der Infektionen unentdeckt geblieben waren: Auf eine Person, die positiv auf auf Sars-Cov-2 getestet worden war, kamen vier, die damals nicht erfasst wurden. Dramatisch hoch ist die Zahl der unerkannten Infektionen in der Altersgruppe der 14- bis 20-Jährigen: 92 Prozent. Mit zunehmendem Alter nahm laut Studie die Zahl der unerkannten Infektionen ab, schreiben die Studienautoren. In der Gruppe der über 85-Jährigen lag diese aber immer noch bei 41 Prozent.

Mehr als 4200 beteiligen sich an Untersuchung

Für die Studie "Prospektive Covid-19-Kohorte Tirschenreuth" unter der Leitung von Professor Ralf Wagner vom Universitätsklinikum Regensburg und Professor Klaus Überla vom Universitätsklinikum Erlangen waren mehr als 6600 Personen im Alter ab 14 Jahren zur Basis-Querschnittsstudie eingeladen worden. Mit rund 4200 beteiligten sich im Juni und Juli 64 Prozent der Eingeladenen an der vom bayerischen Wissenschaftsministerium geförderten Studie. Mittels Blutabnahme wurden wurden Sars-Cov-2 spezifische Antikörper bestimmt. Zudem waren unter anderem Alter, Geschlecht, Wohnsituation, Beruf und Lebensstil erfasst worden. Am Mittwoch präsentierten die Studienleiter ein erstes Zwischenfazit. Ein sogenanntes Preprint, eine Vorabversion ist auf dem Dokumentenserver medRxiv im Internet veröffentlicht worden. Die Studie läuft aber weiter und es sollen weitere Ergebnisse folgen. Im Kreis Tirschenreuth ist die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner auf 94 gesunken, nachdem diese zu Beginn der dritten Welle vor wenigen Wochen noch einmal dramatisch hoch gewesen war. In Bayern liegt die Inzidenz derzeit bei 173.

45 Prozent der Corona-Toten lebten im Altenheim

Die Auswertungen ergaben, dass sich bis Juni vergangenen Jahres 8,6 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren im Landkreis Tirschenreuth Antikörper gegen Sars-CoV-2 aufgewiesen haben und daher eine Infektion mit dem Corona-Virus überstanden haben. Laut Studienautoren sind Sars-Cov-2-spezifische Antikörper der bestmögliche Hinweis auf die Zahl der Corona-Infizierten. Demnach sind zwischen Februar und Juni 2020 2,5 Prozent der mit Corona infizierten Menschen an oder mit Covid-19-Erkrankung gestorben, heißt es in der Pressemitteilung der Universität Regensburg. Dabei zeigt sich eine extreme Altersabhängigkeit: 0,5 Prozent der Verstorbenen im Kreis Tirschenreuth waren jünger als 60 Jahre. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen starb 1 Prozent. 4 Prozent der Toten stammte aus der Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen und 10 Prozent aus der Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen und 30 Prozent bei den über 80-Jährigen. Laut Studie lebten 45 Prozent der im Landkreis an Corona verstorbenen im Pflege- oder Altenheim.

Bericht vom Start der Studie

Tirschenreuth
Hintergrund:

Corona und Rauchen

  • Die Studie im Kreis Tirschenreuth zeigt, dass medizinisches Personal ein zweifach so hohes Risiko hat an Corona zu erkranken als andere Berufsgruppen.
  • Ein überraschendes Ergebnis ist, dass Raucher gegenüber Ex- oder Nichtrauchern ein dreifach geringeres Risiko aufweisen. Weshalb das so ist, muss erst erforscht werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.