13.10.2020 - 14:06 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Luisenburg 2021: Erst ins Kloster, dann zu den Trollen

Sean Connery, der Schauspieler Hans von Borsody und der Musicalstar Livio Cecini haben eines gemeinsam: Sie verkörpern William von Baskerville in Umberto Ecos „Der Name der Rose“. Und zwei von ihnen sogar bei den Luisenburg-Festspielen

Freuen sich auf die gemeinsame Zusammenarbeit: Birgit Simmler, Künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele, und das norwegische Musical-Autorenduo Øystein Wiik (l.) und Gisle Kverndokk.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Der Schweizer Musicalstar Livio Cecini übernimmt 2021 die Rolle des William von Baskerville in "Der Name der Rose" - dann allerdings in der Franziskaner-Kutte.

Es ist Weltliteratur, die im kommenden Jahr auf die Bühne der Luisenburg-Festspiele gebracht werden soll. Eigentlich wäre die Musical-Adaption des Bestellers „Der Name der Rose“ schon für diesen Sommer geplant gewesen, aber die Corona-Pandemie machte bekanntlich einen dicken Strich durch die Rechnung. Der Roman ist in diesem Jahr schon genau 40 Jahre alt geworden, die Verfilmung mit „Ur-James-Bond“ Sean Connery stammt aus dem Jahr 1986. Bereits vor genau 20 Jahren hatte eine Bühnen-Adaption des Romans als Welturaufführung den Weg auf die Luisenburg-Bühne gefunden, die Hauptrolle in dem Drama hatte der mittlerweile verstorbene Hans von Borsody übernommen. Und nun folgt der Schweizer Livio Cecini in der Musicalversion des norwegischen Duos Øystein Wiik (Libretto) und Gisle Kverndokk (Musik). Bei Ausschnitten aus dem Werk - die Duette „Unsre Welt ist wie ein Buch“ mit seinem Novizen Adso von Melk (Gunnar Frietsch) oder „Macht“ mit dem Abt des Klosters (Rob Pitcher) – präsentiert sich Cecini in Wunsiedel stimmlich bereits bestens vorbereitet. Und den Anzug wird er bis zum Sommer 2021 sicherlich auch in eine Franziskaner-Kutte eintauschen

„Ich freue mich sehr, dass eines der derzeit besten, gefragtesten und auch preisgekrönten Schreibteams des Musicals uns eine speziell für die Felsenbühne angepasste Version ihrer Rose geschrieben haben“, sagt Birgit Simmler, Künstlerische Leiterin der Festspiele und Regisseurin des Musicals. Die Uraufführung des Musicals ging 2019 bei den Domfestspielen Erfurt über die Bühne, damals mit deutlichen Unterschieden zu der nun vorgesehenen „Luisenburg-Fassung“: Drei Stunden Dauer in Erfurt statt nun zwei Stunden, in Erfurt 40-Mann-Orchester und auf der Luisenburg Zehn-Mann-Band, vor dem Dom 40 Statisten und auf der Luisenburg nun zwölf Statisten.

„Das eigene Stück zu kürzen ist fast unmöglich“, erzählt Komponist Gisle Kverndokk. Dazu brauche es „neue Augen und neue Ohren“, betont er. Vertrauensvoll habe man diese Aufgabe an Birgit Simmler und den Musikalischen Leiter Thore Vogt übertragen. „Die Essenz ist geblieben“, sagt Autor Øystein Wiik. Der Hauptansatz sei gewesen, dass Erzählteile des Stückes in gesprochene Dialoge umgewandelt worden seien. Die Hauptlieder des Werkes seien allesamt geblieben. „Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden“, so Wiik, der früher selber als Sänger tätig war. Dass ihr Musical im Vergleich zur Erfurter Uraufführung nun eine „Reduzierung“ erfahre, sehen Autor und Komponist keineswegs negativ. „Die Felsenbühne hat viel mehr Intimität als die Stufen vor dem Dom. Deshalb kommt man hier auch viel näher an den Stoff ran“, so Kverndokk. Ob es denn nicht insgesamt eine echte Herkulesaufgabe gewesen sei, aus dem Weltroman ein Musical zu machen? „Ich denke, man kann alles als Musiktheater umsetzen. Aber klar: Wer das Buch liest, ist erst einmal verwirrt und überlegt, wo man ansetzen kann und wie man das alles gliedert“, erklärt Wiik. Er und sein Kollege haben schon über 20 Jahre gemeinsame Erfahrungen im Adaptieren bekannter Werke und großer Stoffe zu Musicals – „Sofies Welt“, „Vincent van Gogh“, „Martin L. – Das Luther Musical“ und „In 80 Tagen um die Welt“ sind nur einige Beispiele.

Die Luisenburg-Bühne haben sie erstmals vor zwei Jahren kennengelernt, im vergangenen Jahr haben sie sich dann Simmlers Musical „Zucker“ angeschaut. Und das Musical „Der Name der Rose“ soll kein Einzelfall bleiben für die Zusammenarbeit zwischen den Festspielen und dem Duo. Die beiden Autoren haben nämlich auf Wunsch von Birgit Simmler eine konkrete Idee für ein neues Familienmusical entwickelt. „Eigentlich sind wir sogar schon erst einmal fertig damit – wir hatten viel Zeit wegen Corona“, so Wiik. Aber das müsse jetzt natürlich erst einmal mit den Verantwortlichen vor Ort alles angepasst und diskutiert werden. „Es wird unter anderem um die geheimnisvollen Wesen der Trolle gehen“, verrät Wiik schon einmal. Diese Fabelwesen der nordischen Mythologie würden sich auch im Fichtelgebirge sehr gut machen. „Ein Troll kann man aber nicht nur körperlich sein, sondern auch von der Einstellung und der Haltung her“, ergänzt Kverndokk. Wann es das Musical auf der Luisenburg-Bühne zu sehen gibt, steht freilich noch nicht fest. „Aber die Spielzeit 2023 könnte realistisch sein“, sagt künstlerische Leiterin Birgit Simmler.

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