Der letzte Lang-Krautkopf ist geschnitten

Vom Esstisch aus schauen Josef und Paula Lang auf ihre Gemüsefelder. Für das fertig geschnittene Kraut direkt vom Hof standen die Abholer jedes Jahr Schlange. Das Telefon steht auch heuer nicht still, die Krauthobelmaschine im Keller schon.

Für unser Foto zieht Josef Lang noch einmal die weiße Plastikschürze an, die er jahrzehntelang umgebunden hatte, wenn er an der Hobelmaschine ungezählte Krautköpfe geschnitten hat. „Mei, wieviele Köpfe haben wir wohl geschnitten“, sagt er zu seiner Frau Paula.
von Gabi EichlProfil

Es ist ihm nicht leicht gefallen, aber Krautbauer Josef Lang hat heuer erstmals keine Pflänzchen mehr gesteckt. Und das in einer Zeit, in der wieder mehr Menschen auf die Gesundheitswirkung von frischem Sauerkraut setzen. Aber was tun, wenn man gerade 76 geworden ist und keinen Nachfolger hat? Und wenn die Ehefrau nicht mehr gesund ist und täglich Hilfe braucht? Josef und Paula Lang – Paula hängt mindestens so sehr wie ihr Mann an dem Betrieb – haben lange überlegt und alle Möglichkeiten abgewogen, am Ende stand die schwere Entscheidung: Wir hören auf.

Das Telefon klingelt pausenlos

Bis vor einem Jahr hätten beide Langs in diesen Tagen überhaupt keine Zeit gehabt für ein Gespräch mit der Zeitung. Da standen zwischen Oktober und Mitte November die Abholer Schlange bis zur Straße hinaus, die hier ihren persönlichen Wintervorrat an tagfrisch geschnittenem Kraut bezogen, um daraus selbst Sauerkraut zu machen. Vergangenen Herbst gab es zum letzten Mal auf dem Lang-Hof Kraut zum Abholen. Heuer verweist Josef Lang auf seinen Etzenrichter Kollegen Hans Beutner, der jetzt als einziger in der Region noch frisch gehobeltes Einschneidekraut, so der Fachbegriff, für die eigene Sauerkrautherstellung anbietet.

Die vielen Anrufe jeden Tag schmerzen, das Abwimmeln-Müssen tut weh, sagt Josef Lang. Er hatte eine Anzeige geschaltet, dass es heuer bei ihm kein Kraut mehr gibt, aber die wurde offenbar nicht ernst genommen. Und so klingelt seit Anfang Oktober pausenlos das Telefon, wieder und wieder müssen er und seine Frau erklären, warum es heuer kein frisches Lang-Kraut mehr gibt.

Für Josef und Paula Lang geht ein Kapitel ihres Lebens zu Ende, das zwar viele Stunden Arbeit bedeutete, das aber für beide geliebter Lebensinhalt war. Josef Lang, wiewohl ausgebildeter Landwirt, hat seinen Lebensunterhalt als Logistik-Leiter bei ATU verdient, als das Unternehmen noch Peter Unger gehörte. Mit dem damaligen Firmenchef verbindet ihn bis heute eine enge Freundschaft. Und er hat in dieser leitenden Position nicht schlecht verdient, die Krautköpfe beziehungsweise das sonstige Gemüse wie auch seine Teichwirtschaft waren immer nur ein Hobby. Wenn auch eines, das in der jeweiligen Hochsaison für 16-Stunden-Arbeitstage gut war.

Viel Politprominenz zu Gast

Lang hat seine jährlich etwa 40.000 Gemüsepflänzchen – vorwiegend verschiedene Krautsorten, aber auch ein wenig Karotten, Kohlrabi, Blumenkohl – im Frühjahr selbst gezogen. Nur für das Stecken der Pflänzchen gab es maschinelle Unterstützung. Dazu kam die 1988 gebaute Teichanlage, über die er zum einen die Gemüsefelder bewässern konnte, die er aber auch als Fischzucht betrieb. Die Fischzuchtanlage war in den achtziger Jahren immer wieder Ziel von bayerischen Ministern und Staatssekretären, die der im benachbarten Döltsch beheimatete damalige CSU-Landtagsabgeordnete Hans Lukas nach Altenparkstein brachte. An Langs Fischteichen und an der Krauthobelmaschine standen schon Gustl Lang, Simon Nüssel, Hans Maurer und andere.

Die Fischzucht bleibt vorerst

Josef und Paula Lang haben den Betrieb in all den Jahrzehnten, seit sie ihn von Josef Langs Vater übernommen hatten, immer wieder verändert, haben immer wieder Neues ausprobiert, den Betrieb an die aktuelle Marktlage angepasst. Paula Lang denkt gern noch an die Zeit zurück, als sie um die 400 Schweine gemästet hatten. Sie mochte die Schweine sehr, sagt sie, „das war eine schöne Zeit“. Irgendwann konzentrierten sich beide auf die Fischzucht und die Direktvermarktung von Gemüse, vor allem Kraut. Und das Kraut war es dann, das zum Renner wurde. Das zwar unerhört viel Arbeit bedeutete, wenn man den Anbau neben einer leitenden Position in Peter Ungers ATU betrieb, das aber den Worten Langs zufolge eine so erfüllende Nebenbeschäftigung war, dass die Arbeit um ein Vielfaches mehr Freude als Mühe gewesen sei.

Entsprechend weh tut der Blick auf die nicht mehr bestellten Gemüsefelder vom Esstisch aus. Entsprechend schmerzlich sind die Anrufe der alten Kunden, die einfach nicht aufhören wollen. Immerhin: Fische aus den Lang-Teichen gibt es weiterhin. Wenigstens das.

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Landwirtschafts-Staatssekretär Simon Nüssel war einer von vielen Politikern, die sich an der Krauthobelmaschine von Josef Lang haben fotografieren lassen.
Enkel Oliver hat das alte Schild gerade eben zersägt, für ein Bild setzen Enkel und Opa es noch einmal zusammen.
Schon immer erntete die Familie Lang auch selbst ihre Krautköpfe.
Info:

Vitamin-Bombe Sauerkraut

  • Römern und Griechen und vor diesen den Chinesen war bereits bekannt, dass das sauer haltbar gemachte Kraut sehr gesund ist.
  • Seefahrer nahmen jahrhundertelang Sauerkraut in großen Mengen auf ihre Fahrten mit, um damit die gefürchtete Krankheit Skorbut zu verhindern, die durch einen Mangel an Vitamin C ausgelöst wird.
  • Sauerkraut braucht gerade einmal zwei Zutaten: Weißkohl und Salz. Alles andere erledigen Milchsäurebakterien. Die Zubereitung zu Hause ist heute durch Gärbehälter recht einfach, früher war das eine durchaus aufwendige Prozedur, vom Stampfen des Krauts über das mehrschichtige Befüllen des Fasses bis zum Abschöpfen einer schimmlig aussehenden oberen Wasserschicht.
  • Sauerkraut versorgt gut mit den Vitaminen A und B und enthält überdies viel Vitamin C, außerdem Ballaststoffe, Mineralstoffe und Milchsäure.
  • Seine volle Kraft entfaltet Sauerkraut aber nur, wenn es roh und unbehandelt ist; Pasteurisieren und Kochen nimmt viel von der gesundheitlichen Wirkung.

 

 

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