18.11.2021 - 08:23 Uhr
AmbergOberpfalz

2G-Regeln in Amberg: "Wir kontrollieren sehr genau"

Strenge Verhaltensregeln sollen das Coronavirus daran hindern, sich ungebremst zu verbreiten. Die Landesregierung hat deshalb verpflichtendes 2G unter anderem für Hotel und Gastro beschlossen. Wie läuft die Umsetzung in Amberg?

Partystimmung auf engstem Raum im Blauen Haus. Das Bild stammt allerdings aus dem Jahr 2018. Eine Wiedereröffnung der innerstädtischen Teststationen soll aber wenigstens ein bisschen Normalität für die Clubs bringen.

Von Miriam Wittich, Andreas Ascherl, Andrea Mußemann

2G, 2G-Plus, 3G – die Coronaregeln werden immer undurchschaubarer und schwerer umzusetzen. Wie läuft es also ganz praktisch gesehen?

So läuft's in der Gastronomie

Kaum Probleme mit der Umsetzung der 2G-Regel meldet Christian Klostermann aus dem Winkler Bräuwirt in der Unteren Nabburger Straße. "Die Leute sind wirklich sehr diszipliniert", lobt er seine Gäste. Und tatsächlich auch meistens geimpft. Ausnahmen gibt es zwar, doch die zutzeln ihr Bier dann draußen im Biergarten, wo zwei Tische für sie aufgestellt sind. Ansonsten achten die drei Winkler-Geschäftsführer sehr genau auf die Einhaltung der Regeln. "Wir kontrollieren sehr genau", sagt Klostermann. Auf das Tagesgeschäft haben Corona und 2G seiner Einschätzung nach inzwischen fast keinen Einfluss mehr. Was dem Winkler und allen anderen Gaststätten aber jetzt wegbricht, sind die Weihnachtsfeiern. "Da haben wir nur noch Absagen", bedauert Christian Klostermann und hofft, diese Verluste irgendwie über das normale Geschäft wieder kompensieren zu können. "Derzeit haben wir nur noch eine Weihnachtsfeier – und die wird uns wahrscheinlich auch noch wegfallen."

Als strikter Verfechter strenger Kontrollen und der Einhaltung der Corona-Regeln macht sich Christian Klostermann allerdings viele Gedanken und ein bisschen auch Sorgen, was das Blaue Haus gegenüber dem Bräuwirt angeht. Hier ist am Wochenende Party angesagt, Abstandsregeln sind kaum oder nicht mehr einzuhalten. Entsprechend wollen die beiden Eigentümer, Christian Klostermann und Dominik Schuller, im Blauen Haus künftig auf 2GPlus setzen. "Um das umsetzen zu können, wollen wir gemeinsam mit den anderen Kneipen die Innenstadt-Testzentren an den Wochenenden wieder aktivieren", sagt Klostermann. Derzeit laufen die Gespräche mit den Apotheken, bis Freitag soll nach dem Willen der Altstadt-Kneipiers das Konzept stehen, um den Gästen größtmögliche Sicherheit bieten zu können. "Ich finde es übrigens gut, wenn die Polizei die Einhaltung der Regeln kontrolliert", sagte Christian Klostermann noch. "Dann werden endlich die ganzen schwarzen Schafe weggeknipst."

So läuft's im Seniorenheim

Trotz roter Krankenhaus-Ampel kommt bei Besuchen in Seniorenheimen nicht die 2G-Regel zur Anwendung. Hier gilt nur eine Voraussetzung: getestet. Egal ob ungeimpft, geimpft oder genesen – "nur Getestete dürfen noch ins Haus", erklärt Thomas Göldner, der Leiter des Clementine-von-Wallmenich-Hauses. "Sportlich" sei die Umstellung auf die neue Regelung gewesen, sagt der Heimleiter am Mittwoch. Auch wenn grundsätzlich schon länger bekannt war, dass es Veränderungen geben wird. Erst am Montag sei veröffentlicht worden, welche Zugangsbeschränkungen schon am Dienstag umgesetzt werden sollten. "Gewagt" nennt auch Wolfgang Rattai vom Caritas-Altenheim Marienheim diese Forderung der Politik. "Das innerhalb einer Nacht anzukündigen, das kann man wohl auch nur mit den Altenheimen machen, sonst lässt sich das keiner gefallen."

Die "Notwendigkeit der Maßnahmen" verstehe Rattai aber angesichts der steigenden Infektionszahlen. Auch die Angehörigen hätten noch keine heftige Kritik geäußert, sagt der Heimleiter. "Sie haben eher Fragen zum Ablauf." Am Dienstag hätten viele Besucher noch gar nicht von den neuen Beschränkungen gewusst. "Wir haben sie aber nicht wieder weggeschickt, sondern spontan alle getestet", erzählt Göldner. "Denn jeder Tag ohne Besuch ist ein schlechter Tag. Die Bewohner leiden sehr darunter." Möglich sei das im Wallmenich-Haus nur durch die Schwesternschaft im Rücken. "Da helfen uns pensionierte Schwestern und Ehrenamtliche aus. Sonst wäre die Belastung für mein Team zu groß." In einem Nebengebäude wurde am Mittwoch dann wieder ein Testzentrum für die Besucher des Seniorenheimes eingerichtet. "Das geht aber nur mit Anmeldung. Alles andere würde unsere Kapazitäten übersteigen."

Im Marienheim gibt es keine eigene Teststation, "aber wir haben zum Glück eine Apotheke in der Nähe", schildert Rattai. "Organisatorisch" sei der Aufwand dennoch gestiegen. "Wir mussten unsere Besuchszeiten wieder reduzieren." Welche Besucher geimpft oder genesen sind, das wisse man irgendwann, doch der Test müsse ja bei jedem Einlass kontrolliert werden, wirbt Rattai hier um Verständnis. Keinen Ärger, aber "Frust und Resignation" spürt Thomas Göldner bei den Besuchern im Wallmenich-Haus. "Die sind teilweise schon dreimal geimpft und jetzt müssen sie sich trotzdem testen lassen."

So läuft's im Kino

Im Cineplex in Amberg muss seit neuestem - ähnlich wie im Stadttheater - auch während des Films Maske getragen werden. Lediglich zum Essen oder Trinken darf der Mund-Nase-Schutz abgesetzt werden. Die Besucherzahlen sind dadurch wieder ein bisschen weniger geworden, sagt Cineplex-Geschäftsführer Stephan Götz. Trotzdem: Die Umsetzung von 2G klappe im Großen und Ganzen gut. Ins Kino darf nur, wer ab zwölf Jahren geimpft oder genesen ist und sich dazu ausweist. Auch wenn es den einen oder anderen Unverbesserlichen gibt, "die es nicht verstehen wollen". An der Kinokasse wird Stephan Götz im persönlichen Gespräch dann auch gerne deutlich: "Entweder wir halten uns an die Regeln oder wir sperren zu." Was das betrifft, sei die Kinobranche eben schon sehr leidgeprüft. Wenn es nach ihm ginge, würde er jeden gerne ins Kino gehen lassen, "doch man muss auch der Realität ins Auge schauen". Dass irgendwann wieder Maßnahmen ergriffen werden mussten, sei verständlich. Nicht verständlich dagegen sei die Art und Weise. So verwies er auf die jüngsten Auswertungen der Luca-App wonach die wenigsten Ansteckungen auf Kinobesuche zurückzuführen gewesen seien.

So läuft's im Hotel

Gerald Stelzer, der Chef des Hotels Fronfeste, beschreibt mit dem Finger eine Kurve nach unten, um zu zeigen, wie sich die 2G-Regel auf sein Haus auswirkt. Die Fronfeste erfreut sich nicht nur bei Radlern einer großen Beliebtheit, hier tagen unter anderem auch regelmäßig Firmen mit Gruppen zwischen fünf und 15 Teilnehmern. "Das ist alles fort", sagt Gerald Stelzer, "wir haben nur noch Stornos." Was seiner Einschätzung nach daran liegt, dass halt immer noch sehr viele Menschen nicht geimpft sind und die Unternehmen dann die Ansteckung mit Corona fürchten. Weil im Spätherbst auch kaum noch Radfahrer unterwegs sind, blieb Stelzer wieder einmal nur noch der Weg zum Arbeitsamt, um für seine Mitarbeiter Kurzarbeit anzumelden. "Es bleibt uns einfach nichts anderes mehr übrig", sagt er mit großem Bedauern.

Ein schwaches Trostpflaster ist ihm da, dass die abgesagten Tagungen im nächsten Jahr nachgeholt werden sollen. "Die Firmen haben schon nach Terminen gefragt." Allerdings kann er sein Hotel ja nicht doppelt und dreifach füllen. Der Umsatz ist weg, der Gewinn ebenfalls. Den Kopf steckt Stelzer trotzdem nicht in den Sand. Der letzte Sommer ist sehr gut gelaufen, in wirtschaftliche Schieflage gerät die Fronfeste nicht. Aber schwierig wird es trotzdem. "Wir müssen schon rechnen", sagt Gerald Stelzer. Aber vielleicht, so hofft er, legt die Regierung ja auch in diesem Winter wieder ein Hilfsprogramm zur Stützung der Hotelbetriebe auf.

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"Ich finde es übrigens gut, wenn die Polizei die Einhaltung der Regeln kontrolliert."

Christian Klostermann, Wirt im Winkler Bräuwirtshaus und im Blauen Haus

Christian Klostermann, Wirt im Winkler Bräuwirtshaus und im Blauen Haus

 

 

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