22.01.2021 - 15:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Alte Tradition auch in der Oberpfalz: Amberger gehen Eisbaden

Was in Russland – genau genommen im gesamten orthodoxen Kulturraum – schon lange Tradition ist, dafür können sich auch immer mehr Menschen hier zu Lande erwärmen: Das Eisbaden.

von Autor MZIProfil

Ursprünglich wurde das Eisbaden als religiöser Ritus eingeführt, um der Taufe Jesu im Jordan zu gedenken. Epiphanias. Es wird aufgrund des verschobenen Kirchenkalenders der Ostkirche am 19. Januar begangen. Vor allem in Russland ein Fest mit weit höherem Stellenwert als in der Westkirche. Der orthodoxe Priester hält ein Kreuz in ein natürliches Gewässer und segnet es damit. Man nennt es die Große Wasserweihe. Daraufhin werden Kinder getauft und man füllt sich das geweihte Wasser in Kanister ab. Anschließend steigen die Gläubigen, manchmal auch nur diejenigen, die sich abhärten wollen, in das Wasser. Auch bei minus 30 Grad. Dreimal untertauchen und sich nach jedem Auftauchen bekreuzigen gehört zum Ritus. Dann sind einem auch die Sünden vergeben. Danach geht es schnell unter die Uschanka (Fellmütze) und in die Walenki (Filzstiefel).

Eisbaden als Abhärtung

In der gesamten russischen Hemisphäre, ja sogar im römisch-katholischen Polen findet das Eisbaden immer mehr Zulauf. Ruslan Schönfeld, Trainer des Boxclubs Amberg, hat während seiner Studienzeit in Russland das Eisbaden nur einmal praktiziert. „Unsere Dozentin hat uns dazu ermuntert. Aus Gründen der Abhärtung.“ Jetzt in Deutschland ermuntert er seine Familie, Vereinsmitglieder und Freunde zu dieser Immunstärkung. „Bei uns im Verein ist auch das ganze Jahr über keiner erkältet“, konstatiert Schönfeld. „Und irgendwie ist es auch eine Mutprobe“, sagt der an verschiedenen Schulen tätige Sportlehrer. So organisierte man heuer – unter Einhaltung der Corona-Auflagen – ein Eisbaden an den Schwandorfer Weihern bei minus 2 Grad Lufttemperatur.

Ruslan Schönfeld im Interview Kein Wort zum Sport

Amberg

Ganze Familien stiegen nach und nach und mit reichlich räumlichem und zeitlichem Abstand in das eiskalte Wasser. Nicht nur viele Russlanddeutsche unterzogen sich diesem Ritual. Auch acht einheimische Vereinsmitglieder ließen sich gerne dazu bewegen. Lorena Schmid traute sich das erstmalig zu. Zusammen mit Kumpel Alex Muchatschev starteten die beiden für sich das Unterfangen. „Am Anfang kostet es einen Überwindung. Nachdem man aber die Schmerzgrenze überwunden hat, war es gar nicht so schlimm. Nach einer gewissen Zeit hat es sich ganz angenehm angefühlt", erzählt Schmid. "Nur das Rausgehen aus dem Wasser war schlimm. Nach dem Baden hat man sich richtig gut gefühlt. Wie ein neuer Mensch." Nach dem Abtrocknen und Anziehen sei es auch gar nicht mehr so kalt gewesen.

Andreas Neiswirth erlebte es als beeindruckendes Erlebnis. „Es ist nicht so schlimm wie es aussieht“, sagte der Wiederholungstäter. "Nur alleine sollte man das nicht machen. Und auch nicht, wenn man gesundheitliche Probleme hat."

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