26.11.2021 - 12:27 Uhr
AmbergOberpfalz

In Amberger Bäumen leben 67 Käferarten von der Roten Liste

Bedrohte Käferarten fühlen sich in Amberger Bäumen scheinbar recht wohl. Das liegt hauptsächlich an den Baumdenkmälern. 67 Käferarten der Roten Liste haben sich da einquartiert. Eine Art wurde in ganz Bayern sogar nur in Amberg entdeckt.

Der Lindenprachtkäfer konnte in den Bäumen an der Lindenallee nachgewiesen werden und hat in Amberg seinen Verbreitungsschwerpunkt von ganz Bayern.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Jürgen Schmidl betreibt seit mehreren Jahren in der Oberpfalz faunistisch-ökologische Studien. Das Büro "bufos" des Diplom-Biologen aus Nürnberg wurde von der Stadt Amberg beauftragt, die holzfressende Käfer- und Insektenfauna zu untersuchen. Die Ergebnisse stellte der Forscher im Umweltausschuss vor. Unter der Leitung von Bürgermeister Franz Badura ließen sich die Mitglieder in die Welt ausgewählter Naturdenkmäler und geschützten Landschaftsbestandteilen entführen und staunten, was unter städtischen Rinden kreucht und fleucht. Im Fokus standen die Käfer, die sich in Höhlen lebendiger Bäume, sogenannten Mulmhöhlen, einnisten. Schmidl, der schon 2007 eine ähnliche Untersuchung leitete, zeigte sich begeistert ob der Artenvielfalt in der Stadt Amberg. "Ich bin schon länger in der Gegend unterwegs, aber auch in anderen Gegenden Bayerns. Es ist unglaublich, was wir bisher hier an Biodiversität rausgeholt haben, was noch da ist. In den Baumbeständen steckt Erstaunliches." Auch wenn große alte Laubbäume in der Minderzahl seien, habe er in Amberg über 200 Käferarten festgestellt, die nur im Holz leben. "Altbäume sind eben die Hotspots für Biodiversität."

Etwa ein Viertel der circa 1378 aller in Mitteleuropa nachgewiesenen Käferarten (nach Schmidl & Busseln, 2004) seien im Holz zu Hause. Die ursprüngliche natürliche Vegetation auf dem Gebiet, wo Amberg erbaut wurde, bestünde aus Buchen, rund um die Vils hätten sich Weichhölzer mit Weiden und Ulmen befunden. Die heutigen Hoffnungsträger - aus der Sicht der Biologen - seien aber Alleen und freistehende Bäume. "Denn dort kann man die Biodiversität erhalten."

Aus naturschutzfachlicher Sicht besonders relevant seien Arten wie Eremit, Eichenheldbock, Hirschkäfer, Veilchenblauer, Wurzelhalsschnellkäfer oder Großer Wespenbock. In zwei Jahren sei das Vorkommen von 209 Arten festgestellt worden. "Und wir haben 67 Arten der Roten Liste, die sich hier in Amberg rumtreiben", so Schmidl. Darunter seien auch vier Urwaldreliktarten: Rüsselkäfer, Schnellkäfer, Pilzkäfer und Rindenkäfer. Ganz neu in ganz Bayern, jetzt in Amberg, sei die Käferart "Thiasophila" entdeckt worden. Sie lebe in einem morschen Ahorn bei der Werner-von-Siemens-Straße. "Das macht den Baum zu einem Juwel."

Insgesamt seien in der Linde 54, in der Eiche 29, im Ahorn 32, in der Kastanie 21 und in der Buche 23 Arten entdeckt worden. Auch Käfer, die durch das Bespritzen von Neem (bei Befall mit dem Eichenprozessionsspinner) betroffen sind, kamen in die Statistik: "Man sieht ohne Neem 28, mit Neem 17 Arten drin." Daraus werden künftig Handlungsempfehlungen abgeleitet. Besonders wohl fühlt sich eine Art: "Den Lindenprachtkäfer könnte man schon fast ins Stadtwappen aufnehmen, so verbreitet ist der. Er hat hier einen seiner Verbreitungsschwerpunkte in Bayern", sagte Schmidl den Mitgliedern des Umweltausschusses. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen dabei helfen, die Pflege und den Erhalt der Altbäume unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheitspflicht als Biotopbäume zu optimieren. Richard Lehmeier, seit 25 Jahren Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, erklärte den Stadträten das Spannungsverhältnis zwischen Verkehrssicherung, Ästhetik und Biodiversität. "Wir sind hier gefragt, als Ratgeber der Kommunen." Und man müsse auch berücksichtigen, dass nicht alle dieser Bäume im Besitz der Stadt seien.

Klaus Mrasek (ÖDP) sah in den Ergebnissen der Studie den Auftrag "hier echte Verantwortung zu übernehmen und die Artenvielfalt zu erhalten". Auch wenn Pflegemaßnahmen an Bäumen manchmal nicht den "mit Winkelmaß zurechtgezirkelten Vorstellungen" von Bürgern entsprechen würden.

Wenn Käfer nicht in der Natur bleiben

Dürnsricht Gemeinde Fensterbach

2011 wurde der Annaberg in Sulzbach-Rosenberg untersucht

"Den Lindenprachtkäfer könnte man schon fast ins Amberger Stadtwappen mit aufnehmen, so verbreitet ist der hier."

 

 

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