21.10.2021 - 16:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Bürger machen Vorschläge für das Bürgerspital-Areal

Wie soll das Bürgerspital-Areal künftig genutzt werden? Die IG Menschengerechte Stadt hatte zum Bürgerforum eingeladen. Rund 60 Bürger kamen ins Ring-Theater, um Ideen zu hören oder vorzutragen.

Wie soll das Bürgerspital-Gelände künftig genutzt werden? Beim Bürgerforum im Ring-Theater hatten die Besucher Gelegenheit, durch Klebepunkte ihre bevorzugte Nutzung anzuzeigen. Zur Auswahl standen die Kategorien: sozialverträglicher Wohnungsbau, Klimaschutz, zeitgenössische und altstadtgerechte Architektur, Durchgängigkeit des Areals und überregionale Anziehung durch Kunst und Kultur.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Unternehmer, Gastronom, Stadtrat, Student, Pädagoge, Künstler: Es war eine bunte Mischung, die da am Mittwochabend zum Bürgerforum der IG Menschengerechte Stadt ins Ring-Theater gekommen war. Über allem stand die Frage, wie es denn nun auf dem Bürgerspital-Areal künftig weitergehen soll. Knapp, aber mehrheitlich, hatten die Amberger bekanntlich per Bürgerentscheid entschieden, dass Investor Ten Brinke das Gelände nicht bebauen soll. Stattdessen, so der Wortlaut im Bürgerentscheid, soll "ein neues Verfahren [...] mit Beteiligungsprozess für die Bürgerinnen und Bürger unter Einbeziehung von Denkmal- und Klimaschutz ausgewiesenen Stadtplanerinnen und -planern" angestoßen werden. Im Bewusstsein, dass im Bürgerforum keine Entscheidungen getroffen werden können, war es den Mitgliedern der IG Menschengerechte Stadt trotzdem wichtig, Vorschläge für die künftige Nutzung zu sammeln: "Wir wollen mit diesem Abend unsere Aktivitäten abrunden und Impulse geben für das Kommende", sagte Vorsitzender Achim Hüttner. Die Ideen sollen der Stadt vorgelegt werden. Darunter werden womöglich auch fünf Plakate sein, die die künftige potenzielle Nutzung kategorisieren.

Mit Klebepunkten durften die Besucher ihre Favoriten markieren. Die meisten wünschten sich, dass auf dem Gelände durch Kunst und Kultur ein attraktiver Anziehungspunkt in der Innenstadt entsteht. Andere Themenfelder waren: sozialverträglicher Wohnungsbau, zeitgenössische und altstadtgerechte Architektur sowie Klimaschutz. IG-Mitglied Wolfgang Schimmel blickte in seinem Vortrag zurück auf die bisherigen Planungen von Architektinnen, darunter eine 2002 an der FH Hildesheim entstandene Diplomarbeit von Heike Englhard aus Ammerthal, das 2011 forcierte betreute Wohnen aus dem Architekturbüro Wittfoht, die gegliederte Bebauung von Anja Trometer aus dem Jahr 2015, das futuristische Luftmuseum mit Edelstahlfassade (2016), der Neubau von Anna Schießl (2017) oder die Idee von Johanna Schötz, auf dem Areal ein Keltenmuseum zu errichten (2021). Aus letzterem wird eine Bachelorarbeit.

In ihrer Masterarbeit beschäftigt sich Anna-Lena Rosenbaum mit dem Grundstück. Die Studentin meldete sich beim Bürgerforum am Mittwoch zu Wort: "Es ist wichtig, auf die Umgebung zu schauen und ein schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln. Was aber hier vor allem im Vordergrund stehen sollte: dass den Bürgern etwas zurückgegeben wird." Sie plädierte für eine Mischnutzung, die vieles vereine. "Auch hier im Ring-Theater sind viele Nutzungen möglich, die auch auf das Gelände bezogen sein könnten." Mit feinen Bleistiftstrichen hat Anne Kichmann einen Plan vom Gelände gezeichnet und sich viele Gedanken dazu gemacht. In den Vorstellungen der Pflegepädagogin soll das Gelände eine Begegnungsstätte vor allem für Junge sein. "Man könnte sie hier durch Sportevents zusammenbringen", so Kichmann. Sie hatte sich aber auch einen Rapunzelturm ausgedacht, an dem man hochklettern könnte, eine Fahrradflick-Werkstatt, einen Bereich für betreutes Wohnen oder eine Markthalle. Für Tom Scheimer ist das Gelände ideal, um mehrere Generationen zu vereinen, "vielleicht in modularer Bauweise, hier gibt es in Dortmund Beispiele". IG-Mitglied Bertold Bernreuter plädierte dafür, auch die Spitalkirche in die Planungen miteinzubeziehen. "Bisher war sie nur ein Störkörper." Casino-Wirt Hans Graf wünschte sich für das Areal eine weitere Attraktion, zum Beispiel einen Kulturpark. Wie so etwas funktioniere, sehe man am Beispiel Neumarkt mit dem Kulturhaus Reitstadel. Oder auch in der österreichischen Stadt Graz: "Deswegen bin ich dorthin gefahren, weil es dort so ein attraktives Museum gibt, das Kunsthaus Graz, das seit der Entstehung architektonische Wahrzeichen der Stadt ist." Einen Ratschlag hielt IG-Mitglied Alfons Swaczyna bereit: "Dies ist ein Bürgergrundstück." Deswegen solle es seiner Meinung nach nicht an einen Investor gehen, "sondern man vergibt es in Erbpacht und entzieht es damit Bodenspekulationen".

Bürgerentscheid: Die Stunde der Stichfrage

Amberg

Warum nicht einen Rapunzelturm, an dem man in ein Café hochklettern kann?

Pflegepädagogin Anne Kichmann

Pflegepädagogin Anne Kichmann

Was hier im Vordergrund stehen sollte: dass den Bürgern etwas zurückgegeben wird.

Studentin Anna-Lena Rosenbaum

Studentin Anna-Lena Rosenbaum

Info:

Vorschläge aus dem Publikum

  • Park mit urbanem Garten, Biotop
  • Tiny-Häuser oder modulare Bebauung für Wohnungen/ Büros
  • Markthalle mit regionalen Spezialitäten
  • Kulturpark
  • Kelten-, Prechtl- oder Luftmuseum
  • Biomarkt, aus dem abends ein großes Restaurant wird
  • Fahrradgarage und Tiefgarage
  • Mehrgenerationenhaus
  • betreutes Wohnen
  • Ausgrabungen mit durchsichtiger Abdeckung sichtbar machen

2013 schreibt Heike Englhard diesen Leserbrief

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