22.04.2021 - 14:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Chronisches Reisefieber: Mit Impfpass und "Andenkreuzer"

Linda und Ludwig Brandmüller aus Edelsfeld fragt man besser nicht, wo auf der Welt sie schon überall waren, sondern eher, wo sie noch nicht waren. Bei ihren Reisen um den Globus sind zwei Dinge immer dabei.

Mit ihrem "Andenkreuzer" erregen die Brandmüllers Aufsehen überall in der Welt.
von Helga KammProfil

Sie genießen den Frühlingstag daheim in ihrem Garten, ein sympathisches Ehepaar in den Siebzigern, beide schon lang nicht mehr berufstätig. Natürlich wären sie gern wieder unterwegs mit dem "Andenkreuzer", doch Covid-19 hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie kennen sich aus mit Krankheiten, die man sich holen kann. Nur: Die Gefahr gab es für sie vor allem in fernen Ländern, und dagegen haben sie sich immer geschützt durch vielfältiges Impfen.

"In den Amazonas-Dörfern gibt es immer noch Kinderlähmung, und das seit 50 Jahren", berichtet Linda Brandmüller. "Wir haben Erwachsene gesehen, die sich mit Stöcken fortschleppen, Jugendliche, die auf dem Boden kriechen." Die Brandmüllers haben Impfpässe, die überquellen von Eintragungen. Sie sind geschützt gegen Cholera, Diphtherie, Gelbfieber, Hepatitis A und B, gegen Enzephalitis und haben alle auch in Deutschland vorgeschriebenen Schutzimpfungen gegen Masern, Keuchhusten, Tetanus, Polio und Tollwut.

Hohe Sicherheit

All diese Impfungen haben den Globetrottern ein hohes Maß an Sicherheit gegen eine schwere Erkrankung gegeben. "Bis auf eine Fünffach-Impfung, die vor mehreren Krankheiten gleichzeitig schützen kann, gab es keinerlei Nebenwirkungen", erinnert Ludwig Brandmüller, "aber das ging schnell vorbei". Was beide Weltreisende deshalb nicht verstehen können, ist, dass es angesichts der Pandemie-Entwicklung Menschen gibt, die die Impfung verweigern. "Impfen ist doch eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin und gehört zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, um sich vor einer ansteckenden Krankheit zu schützen", gibt Linda Brandmüller zu bedenken. Die Impfung gegen die Ansteckung mit Covid-19 ist daher für das Ehepaar eine Selbstverständlichkeit.

Für Linda und Ludwig gehörte die Gefahr für Gesundheit und Leben bei ihren Reisen immer dazu. Seit nunmehr 30 Jahren sind sie in der Welt unterwegs, anfangs mit Rucksack in Südostasien, später mit dem Wohnmobil vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. Dazwischen lagen Reisen durch Spanien, Portugal, Marokko, Kenia und Namibia. Den „Andenkreuzer“, einen „Rundhauber-Mercedes“ DB710, Baujahr 1965, bekam Ludwig 2007 in Portugal von einem Deutschen geschenkt. "Mäuse und Ungeziefer waren darin" schildert Linda Brandmüller den Zustand des damals seit 20 Jahren unbenutzten Gefährts, "Bäume sind von der Fahrerkabine durchs Dach gewachsen". Ein Jahr lang habe ihr Mann mit ihr als Handlangerin daran gearbeitet, um den Laster wieder fahrtüchtig zu machen. "Nochmal ließe ich mir so was nicht schenken", sagt er heute. Später, als der große Wagen rundum erneuert und komfortabel als Wohnmobil eingerichtet war, diente er viele Jahre als transportables Heim, tut das auch heute noch. "Aufsehen erregen wir überall auf der Welt mit unserem Gefährt", schmunzelt Ludwig Brandmüller, der sich selbst als Fahrer, Mechaniker und Bodyguard bezeichnet und seine Frau als Navigator.

Fünf Jahre Südamerika

Seinen Namen erhielt das Fahrzeug bei der großen Südamerika-Reise, die die Brandmüllers mehr als fünf Jahre lang durch Chile, Argentinien, Bolivien, Peru, Brasilien und bis nach Feuerland führte. Über 5000 Meter hohe Andenpässe, zigtausende von Fahrkilometern, in Zahlen lässt sich diese Route kaum beschreiben. Die Hin- und Rückreise auf See unternahmen die Globetrotter in jeweils mehreren Wochen auf einem Frachter. Sie wollten erfahren, "wie die Auswanderer früher in die Neue Welt aufgebrochen sind", beschreibt Linda die doch recht wenig komfortable Überfahrt.

Die vorausgegangenen Touren mit einem Vorgänger des Andenkreuzers oder mit dem Rucksack erscheinen dann gar nicht mehr so spektakulär: Zweieinhalb Jahre Nordamerika, eineinhalb Jahre Libyen und die Sahara-Durchquerung, die Reisen durch Pakistan, Indien und Nepal mit dem ersten Laster, der Trip durch Laos, Kambodscha, Vietnam und Thailand mit dem Rucksack, dazu Israel, Ägypten, Mexiko und und und...

Gefühl der Freiheit

"Wir brauchen immer das Gefühl der Freiheit", beschreibt Linda ihre damit verbundenen Abenteuer. Beeinträchtigungen gehörten dazu: Ein Sturz mit mehrfach gebrochenem Knöchel, eine OP nach einem Zeckenbefall, viele Stunden in Werkstätten mit dem "Andenkreuzer", oftmaliges Abschleppen, versuchter und verhinderter Einbruch im Wohnmobil. Weit mehr aber erinnern sich beide Brandmüllers an großartige Landschaften und Städte sowie unzählige positive Erfahrungen mit hilfsbereiten Einheimischen. "Uns wurden Strom und Wasser zur Verfügung gestellt, ebenso ein Stellplatz auf privatem Grund, wir wurden zum Essen eingeladen, bekamen Hilfen angeboten, einfach so", erinnert Ludwig Brandmüller sich dankbar. "Welcome to our Country" hätten Menschen im Iran ihnen zugerufen, in Indien seien ihnen Mautgebühren erlassen worden mit dem Hinweis: "Guests in our Country do not pay" („Gäste bezahlen in unserem Land nichts“), und ein vor Zeiten eingewanderter Deutscher in Argentinien habe den "Andenkreuzer" aufwendig repariert, kostenlos, wiederum einfach so. Linda und Ludwig Brandmüller haben viel gesehen, viel erlebt. Sogar ein Buch hat Linda über ihre Erfahrungen geschrieben." Mit dem Wohnmobil nach Indien und Nepal" ist im Reise Know How-Verlag erschienen als Praxis-Ratgeber für alle, die sich wie sie auf den Weg in die weite Welt machen.

Für die beiden vor Jahren aus dem Fränkischen zugezogenen Landkreisbürger ist der Weg noch nicht zu Ende, aber er ist anders geworden. Ihr Haus in Portugal ist der Pandemie wegen im Moment tabu, Fernreisen ebenso. Ludwig absolviert nach einer Knie-OP noch Reha-Maßnahmen, Linda empfindet die Zeit daheim in Haus und Garten eigentlich recht angenehm. Aber ist da nicht Unsicherheit, wie es weitergeht mit der Pandemie; wann, wie und ob es überhaupt wieder zu Reisen um die Welt kommen wird? „Wir waren jetzt zweimal in Griechenland“, schwärmt Linda Brandmüller, „eine schöne Anreise durch mehrere Länder, ohne anstrengenden Flug, ohne vorgeschriebene Impfungen, ein interessantes Land, nicht weit weg von daheim.“ Doch dass der „Andenkreuzer“ deswegen vielleicht einmal umbenannt werden muss, kommt weder für sie noch für ihren Mann infrage.

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