19.01.2021 - 18:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona-Pandemie bremst auch die Feuerwehren

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Corona bremst auch die Feuerwehr aus. Zumindest dort, wo's nicht brenzlig ist. In Amberg ruht die Ausbildung. Im Landkreis Amberg-Sulzbach werden in diesem Bereich gerade neue digitale Wege eingeschlagen.

Die Feuerwehr im Einsatz, hier beim Großbrand einer Schreinerei in Amberg Ende November: Auch für sie gelten momentan Corona-Vorschriften wie beispielsweise die Maskenpflicht.
von Heike Unger Kontakt Profil

Natürlich rückt die Feuerwehr auch in Coronazeiten aus. Aber den sonst üblichen Ausbildungs- und Übungsbetrieb hat die Pandemie in den vergangenen Monaten ziemlich lahmgelegt. Lockdown und Corona-Vorschriften machen sich auch hier bemerkbar, wie Ambergs Stadtbrandrat Bernhard Strobl, Kreisbrandrat Fredi Weiß und Armin Buchwald, der Kommandant der Sulzbach-Rosenberger Feuerwehr, im Gespräch mit der Redaktion berichten.

In einigen Bereichen versuchen die Wehren, zumindest in Sachen Theorie über Videoaufzeichnungen und Online-Konferenzen ein bisschen am Ball zu bleiben. Alle drei Gesprächspartner berichten, dass Lockdown-Folgen wie vermehrtes Homeoffice und Ausgangssperre sich in den Einsatzzahlen wenig bemerkbar machen: Viele Wehren rücken fast überall genauso oft aus wie vor der Pandemie.

Corona hat auch einen Vorteil

Corona beschert der Feuerwehr neben vielen Einschränkungen allerdings auch einen Vorteil, von dem alle drei Führungskräfte berichten: Sie haben keine Personalsorgen. Armin Buchwald spricht gar von einem „glücklichen Aspekt“ der Pandemie: „Tagsüber sind jetzt mehr Leute greifbar, weil sie im Homeoffice arbeiten.“ Allerdings leide die Kameradschaft.

Die Kümmersbrucker haben einen originellen Weg gefunden, auch online für Gemeinschaftsgefühl zu sorgen. Zu ihrem Kameradschaftsabend per Videokonferenz mit über 40 Teilnehmern gab es eine Überraschung: Heimlich hatten Vorsitzender Christopher Richter und sein Team jedem, der sich zur virtuellen Versammlung angemeldet hatte, eine echte Brotzeit vor die Haustür gestellt – ein paar Pfälzer und eine Flasche „Kümmersbrucker Feuerwehr-Bier“, mit dem sich dann in der Video-Schaltung alle tatsächlich zuprosten konnten.

„Man kann schon was machen“

Ein Erlebnis in der Pandemie, das sicher nicht nur Kreisbrandrat Fredi Weiß begeistert hat. „Das ist schon unter die Haut gegangen“, lobt er diese Idee heute noch: „Das zeigt, man kann schon was machen, trotz Corona.“ Eher wenig geht dagegen jenseits der Einsätze. „Bei uns ruht der Übungsbetrieb“, berichtet Ambergs Stadtbrandrat Bernhard Strobl: Gemeint sind damit Zugdienste, Übungen, Fortbildungen. Wegen Corona sei derzeit „nur das dringend Notwendige“ möglich.

Neues Löschfahrzeug für die Amberger Feuerwehr

Amberg

Dazu gehört die Einweisung in einen Neuzugang im Fuhrpark der Amberger – ein neues Löschfahrzeug (LF 10). Die Aktiven müssen sich hier mit allem vertraut machen. „Das geht nicht per Video“, betont Strobl. Deshalb läuft die Einweisung jetzt aufwendig, aber coronagerecht in kleinsten Gruppen in der Feuerwache. Natürlich mit Abstand und Maskenpflicht. Die üblichen Fortbildungen sind gestrichen. Im Winter wäre hier normalerweise ohnehin mehr Theorie angesagt. Doch auch da läuft laut Strobl in Amberg wegen Corona gerade nichts.

Entsprechend groß sei bei allen der Wunsch, bald wieder ein Stück Normalität zurückzubekommen. „Wir warten all sehnlichst drauf, dass wieder was geht“, so beschreibt Strobl, dass den Feuerwehrleuten natürlich auch das Miteinander jenseits der Einsätze fehlt. Wie weit das geht, zeigt Strobls Hinweis, dass die Truppe nicht einmal bei der Beerdigung zweier älterer ehemaliger Kameraden dabei sein konnte: „Für die Feuerwehr bleibt die Kameradschaft in der Pandemie schon auf der Strecke.“ Das Wachfest im Mai vergangenen Jahres auch. Und auch heuer wird es wohl nichts mit diesem sonst ersten großen Fest im Amberger Jahreskalender. „Meine ehrliche Meinung: Ich glaube nicht, dass wir vor Herbst irgendwelche Feste feiern werden“, lautet Strobls Einschätzung, auch mit Blick auf einen längeren Lockdown.

Der Nachwuchs bleibt an Bord

Im Nachwuchs-Bereich haben immerhin einige Gruppen versucht, über digitale Wege Kontakt zu halten. „Keiner hat das Schiff verlassen“, freut sich der Stadtbrandrat, dass die Jungen trotz Corona-Zwangspause am Ball bleiben. Armin Buchwald kann das bestätigen und ist zuversichtlich, dass das so bleibt. „Ich glaube nicht, dass das eine verschworene Gemeinschaft durcheinanderbringen kann“, lobt er den Zusammenhalt.

Die Einsätze sind trotz des Lockdowns nicht viel weniger geworden, wie Bernhard Strobl berichtet. Lediglich die Sicherheitswachen bei Veranstaltungen im Stadttheater und im ACC sind weggefallen, abgesehen davon bewegen sich die Einsatzzahlen etwa im üblichen Schnitt. Froh ist Ambergs Stadtbrandrat darüber, dass die Pandemie in den Reihen bislang kaum eine Rolle gespielt hat. „Größere Ausbrüche hatten wir bislang nicht.“

Die Corona-Ampel

Kreisbrandrat Fredi Weiß und der Sulzbacher FFW-Kommandant Armin Buchwald können das bestätigen: Die Wehren seien trotz Pandemie einsatzfähig. Für sie gelten wegen Corona besondere Vorgaben, je nachdem wie groß die Inzidenzwerte (Coronafälle der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner) gerade sind. Was die Verantwortlichen aktuell beachten müssen, signalisiert ihnen die „Corona-Ampel“ auf der Internetseite des Kreisfeuerwehrverbandes (www.kfv-as.de). Die steht derzeit auf Rot, weil die Infektionszahlen im Landkreis nach wie vor hoch sind.

Der Jahresanfang ist bei vielen Vereinen die Zeit der Hauptversammlungen und Neuwahlen: Auch bei der FFW ist das so. Während die Aktiven systemrelevant sind und deshalb manches Sonderrecht haben, gelten die Feuerwehr-Vereine als ganz normale Vereine. Und die dürfen momentan keine Versammlungen halten. Da die aber nötig sind, wenn beispielsweise Neuwahlen fällig sind, könnten die Amtsinhaber einfach weiterarbeiten, wenn sie damit einverstanden sind, erklärt Weiß. Eine Möglichkeit, von der schon einige Wehren Gebrauch gemacht hätten. Neu gewählt wird dann, „wenn es coronabedingt wieder möglich ist“.

Fortbildung per Internet

In der Aus- und Fortbildung beschreitete der Kreisfeuerwehrverband jetzt neue, digitale Wege. In einer Videokonferenz haben die Führungskräfte ein Konzept aufgestellt, um per Videos und Schulungen zumindest theoretisches Wissen zu vermitteln. Bis Ende März sollen sich die Feuerwehren in einer „Vortragsreihe“ des Kreisverbands nun jeden Montag um 19 Uhr virtuell fortbilden können. Das Spektrum reicht von der Vorstellung der neuen, landkreiseigenen Drohnen-Einsatzgruppe bis hin zur Schulung in Sachen Gefahrgut. „Wir wissen noch nicht genau, wie groß der Bedarf ist“, sagt Weiß, „aber wenn das einschlägt, kommt vielleicht noch eine zweite Reihe dazu“.

Auch Fredi Weiß bedauert, dass manches wegen Corona derzeit einfach nicht möglich ist, weil die Ansteckungsgefahr zu groß ist. Er nennt die Segnung des neuen Gebenbacher Feuerwehrautos als Beispiel: So etwas werde normalerweise groß gefeiert, was in diesem Fall nicht möglich war. Auch viele andere Feste werden noch ausfallen. Weiß denkt da an einige Feuerwehr-Jubiläen. „Ich denke, auch da wird es neue Formen geben. Man wird im Mai kein großes Festzelt aufstellen können. “

Große Impfbereitschaft

Erfreut ist Weiß darüber, dass sich viele Feuerwehrleute gegen Corona impfen lassen wollen. „Ich war ehrlich gesagt erschüttert, dass die Bereitschaft in der Altenpflege so gering ist.“ Bei den Feuerwehrleuten sei dies anders, weiß er aus entsprechenden Rückmeldungen. Weiß wundert dies allerdings nicht, hier gehe es schließlich um die eigene Gesundheit. „Viele von uns haben ja auch Patienten-Kontakt, ähnlich wie der Rettungsdienst.“

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