01.03.2021 - 16:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Corona-Virus sucht sich seine Schwachstellen

Der Blick auf die Karte des Robert-Koch-Instituts ist unmissverständlich. Entlang der Grenze nach Tschechien sind die Inzidenzwerte in Bayern am höchsten. Doch die Karte zeigt einen weiteren Effekt.

Der Blick auf die Karte des Robert-Koch-Instituts lässt keinen Zweifel zu. Entlang der Grenze zu Tschechien kämpfen die Landkreise mit zum Teil deutlich erhöhten Inzidenzien. Inzwischen hat diese Welle auch unseren Landkreis erwischt.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Erst war es vor allem der Landkreis Tirschenreuth, dann rückten Neustadt/Waldnaab und die Stadt Weiden in den Corona-Fokus. Doch inzwischen ist die Infektionswelle längst auch zu uns in den Landkreis geschwappt, wie der Leiter des Gesundheitsamts Amberg-Sulzbach, Dr. Roland Brey, deutlich macht. So lag der am Montag für den Landkreis gemeldete Inzidenzwert bei 191,2. "Die Tendenz ist eindeutig", macht Brey im Gespräch mit Oberpfalz-Medien deutlich. "Das hängt vor allem auch mit der britischen Mutante zusammen."

Während ganz Deutschland über Lockerungen redet, Friseure und Baumärkte sowie Baumschulen wieder öffnen dürfen, schleicht sich mit der zuerst auf den britischen Inseln aufgetretenen Covid-Variante ein neuer Feind in unsere Region. Ein schlechter Zeitpunkt, meint nicht nur Roland Brey. Denn in der Bevölkerung herrschen deutliche Ermüdungserscheinungen, was die Corona-Beschränkungen angeht. Was laut Brey dazu führt, dass diese Regeln nicht immer uneingeschränkt beachtet werden. "Die Kontaktpersonen pro Infiziertem werden wieder mehr", schildert er die eindeutigen Beobachtungen, die die Mitarbeiter des Gesundheitsamts machen mussten.

Anzahl der Kontakte reduzieren

"Wir müssen aber trotz dieser Erschöpfung die Anzahl unserer Kontakte reduzieren", mahnt Brey. "Die britische Mutante macht alles noch einmal schwieriger." Zumal die Anzahl der doppelt Geimpften einfach noch zu niedrig sei. Aus diesem Grund könne die wesentlich ansteckendere britische Corona-Variante auch wieder in Altenheime oder in das Amberger Klinikum eindringen. Natürlich weiß auch Dr. Brey, dass im Augenblick einfach noch nicht ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Auf der anderen Seite versteht der Arzt nicht, warum sich Menschen nicht mit dem Produkt von AstraZeneca impfen lassen wollen.

"Das mit AstraZeneca ist ein Trauerspiel", sagt Brey und schlägt vor, bei mangelnder Nachfrage kurzerhand die Impfreihenfolge zu ändern. Denn tatsächlich sei die Wirksamkeit dieses Impfstoff sehr hoch. "Zwar kann man sich immer noch infizieren, doch die Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus zu müssen, sinkt um 95 Prozent." Brey versteht auch nicht das Argument, der AstraZeneca-Impfstoff habe enorme Nebenwirkungen. Erstens habe das der von Biontech-Pfizer auch. "Und es stellt sich die Frage, was schlimmer ist: An Covid-19 zu erkranken oder leichte Grippe-Symptome von der Impfung zu haben."

Die Pandemie reist mit

Klar ist laut Brey auch: Angesteckt wird sich da, wo Menschen zusammenkommen. Und das ist wegen der geltenden Bestimmungen derzeit zum großen Teil am Arbeitsplatz. Das Virus sucht sich die Schwachstellen. Es lauert in den Umkleiden, in den Gemeinschaftsräumen oder im Verwaltungsbüro, in dem sich zu viele Menschen aufhalten. Oder es reist im Gepäck der trotz der Pandemie immer noch überraschend mobilen Bürger mit. Und leider, so bedauert Roland Brey, würden die Corona-Vorschriften einfach viel zu oft von den Menschen unterlaufen.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Irgendwie fällt es mir schwer, zu glauben, dass so viele Menschen den Impfstoff von Astrazeneca so vehement ablehnen.
Ich habe durchaus schon Hobby-Pharmazeut*innen erlebt, die meinen, Impfstoffe in Auto-Quartett-Manier anhand ein paar Zahlen vergleichend beurteilen zu können, aber sogar die würden auch diesen Impfstoff nehmen, wenn sie es sich nicht aussuchen können.
Auch ich wäre jeder Zeit bereit, wenn alle vor mir priorisierten Menschen dies wirklich ablehnen. Sagt mir einfach Bescheid und ich bin sofort mit hochgekrämpeltem Ärmel da.

Aber mir kommt es so vor, als wäre dies nur eine weitere Ausrede, um die stümperhafte Impfstoffzuteilung zu vertuschen. Wenn wirklich jemand nicht will, kann man die nächste Person anrufen. Bei Bürgermeister*innen, Heimleiter*innen und Angehörigen hat man es ja auch geschafft, schnell noch jemanden zu finden, bevor die Impfdosen weggeschmissen werden müssen. Und jetzt sollen mehr als eine Million Dosen rumliegen weil sie keiner will? Ich kenne fast niemanden, die*der sie nicht will.

02.03.2021
Wolfgang Maier

Wo ist der Astra Impfstoff den viele verschmäht? Ich nehme in. Wo kann ich mich damit impfen lassen, am besten heute noch !!!
Wenn um Urlaub geht ist auch keine Impfung zuviel.

02.03.2021
Florian Bindl

Hallo Herr Maier, 
wir werden zum Thema Astrazeneca-Impfstof und dessen Verfügbarkeit in der Region noch heute einen ausführlichen Bericht veröffentlichen. Hoffentlich können wir Ihnen damit weiterhelfen. 
Beste Grüße
Team-Onetz 

02.03.2021