22.10.2021 - 11:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Ehemaliges Bundeswehrkrankenhaus: 30-Millionen-Euro-Bau füllt letzte freie Flächen

Ältere Amberger reden oft noch vom "Lazarett", jüngere wissen dagegen bald nicht mehr, dass es bis 2007 ein Bundeswehrkrankenhaus gab. Jetzt wird es Zeit für einen neuen Namen: Auf der "Köferinger Höhe" entsteht ein 30-Millionen-Euro-Bau.

Auf dieser noch freien Fläche hinter dem ehemaligen Bettenhaus entsteht der 30 Millionen Euro teure Neubau der Bayern Care GmbH aus Erlangen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Nachfolgenutzung des zum 31. März 2007 geschlossenen Bundeswehrkrankenhauses an der Köferinger Straße schien zehn Jahre lang aus dem Fokus und teilweise sogar in Vergessenheit geraten zu sein. Im April 2017 stellte der damalige Eigentümerin, die Forchheimer Denkmalneu GmbH, ihre Pläne erstmals bei einem Termin des Gailoher CSU-Ortsverbandes öffentlich vor. Dazwischen lag die 2014 vollzogene Insolvenz der Münchener Golden Gate GmbH, die fünf Jahre zuvor das rund 80.000 Quadratmeter große Areal für 4,6 Millionen Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben hatte.

Noch im Dezember 2017 übernahm die SFG-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Baden-Baden das Gelände von der Denkmalneu GmbH und entwickelte es weiter. So wurde die Sanierung des alten Bettenhauses fortgesetzt, nachdem zuvor bereits das ehemalige Schwesternwohnheim in Wohnungen umgewandelt worden war. Auf Teilen des einstigen Patientengartens entstand ein weiterer Neubau mit 40 Wohneinheiten und Tiefgarage.

Neues Parkhaus fertig

Am Kreisverkehr beim ebenfalls neuen Netto-Markt an der Stauffenbergstraße errichtete der Amberger Architekt Maxim Ziegler ein nicht zu übersehendes nichtöffentliches Quartierparkhaus für Bedienstete, Eigentümer und Mieter, in dem 214 Autos Platz finden und das mittlerweile fertig ist. Der Hintergrund: Das neue Parkhaus dient dazu, den Stellplatznachweis zu erfüllen, nachdem auch das Landesamt für Pflege an die Köferinger Straße umgezogen ist.

Arbeiten beginnen noch heuer

Apropos Pflege: Die Bayern Care GmbH aus Erlangen hat sich auf dem ehemaligen BWK-Gelände die letzten beiden freien Grundstücke gesichert, um dort künftig betreute Wohnformen anzubieten. Die Bestätigung des Vorhabens kam in dieser Woche per-E-Mail: "Bayern Care startet mit einer neuen Senioreneinrichtung im oberpfälzischen Amberg." Geplant ist demnach eine Kombination aus 72 Pflegeapartments für bis zu 81 Bewohner und 40 Seniorenwohnungen. Wie es heißt, liege die Baugenehmigung mittlerweile vor. Ende des Jahres möchte die GmbH eigenen Aussagen zufolge mit dem Bau starten. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2023 geplant. Das Unternehmen lässt sich das Vorhaben viel kosten. Wie eine Sprecherin aus Erlangen auf Nachfrage wissen ließ, beläuft sich das Investitionsvolumen auf rund 30 Millionen Euro.

Investor aus Erlangen

Mit der "Köferinger Höhe", so der neue, noch nicht in den Sprachgebrauch der Amberger übergegangene Name das Projekts, realisiert die Bayern Care GmbH laut Pressemitteilung "eine großzügige Senioreneinrichtung", die auf vier Etagen Pflegeapartments und in fünf Stockwerken Seniorenwohnungen in einem Gebäudekomplex kombiniert. Beide Bereiche werden demnach in verschiedenen Teilen realisiert und durch separate Eingänge erschlossen.

Der zuständige Bayern-Care-Geschäftsführer Christopher Kunze gab nun den verbalen Startschuss: "Wir freuen uns, dass wir fast zeitgleich zu der Baugenehmigung auch den Generalunternehmervertrag schließen konnten." Mit der Osnabrücker Firma Köster habe Bayern Care "einen der führenden Anbieter im Hoch- und Tiefbau und einen sehr erfahrenen Generalunternehmer im Bereich von Seniorenimmobilien als neuen Kooperationspartner gewonnen".

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Schlussstrich nach 20 Jahren

Der Aufbruch in das neue Jahrtausend begann mit einem Abbruch. Als 1996 die Tankstelle des Bundeswehrkrankenhauses dem Erdboden gleichgemacht wurde, erfolgte der optische Startschuss für die aufwendige Sanierung und Erweiterung. Für die bis ins Jahr 2006 reichenden Vorhaben veranschlagte das Verteidigungsministerium damals nicht weniger als 57 (!) Millionen Euro.

Betriebswirtschaftlich war das aus fachlicher Sicht stets einen hervorragenden Ruf genießende Krankenhaus für den Bund aber eine Fehlinvestition und ein Draufzahlgeschäft. Einer von vielen Beweisen: An dem Tag im April 2004, an dem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck die Schließung ankündigte, befanden sich Arbeiter im Haus. Sie installierten eine teure Datenverarbeitungs-Hardware, die in den Wochen und Monaten danach nicht mehr genutzt wurde. Das Bundeswehrkrankenhaus und seine Sanierung ist damit in die Geschichtsbücher eingegangen. Als die größte Verschwendung von Steuergeldern in Amberg.

Was folgte, war und ist ein Geduldsspiel. Bis 2023 müssen die Amberger warten, ehe sie gedanklich einen Schlussstrich unter das BWK-Kapitel ziehen können. Dann, fast 20 Jahre nach der Ankündigung der Schließung, soll die Konversion, also die Umwandlung der militärischen Liegenschaft, abgeschlossen sein. Wer das damals so vorhergesagt hätte, hätte sich sehr glücklich schätzen können, wenn er nur als Pessimist bezeichnet und nicht mit noch schlimmeren Worten beschimpft worden wäre.

Thomas Kosarew

So soll es auf der „Köferinger Höhe“ einmal aussehen: Neben 40 seniorengerechten Wohnungen entsteht auch dieser Gebäudekomplex mit 72 Pflegeappartements.
Das neue Parkhaus an der Ecke Stauffenberg-/Köferinger Straße ist fertig. 214 Autos haben darin Platz.

 

 

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