19.10.2021 - 14:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Keine Datenerfassung, keine Gratis-Tests: So reagiert die Gastronomie

In Gaststätten gilt die 3G-Regel, Corona-Tests sind nicht mehr gratis. Für Ungeimpfte kann ein Besuch teuer werden. Manchen Cafés und Restaurants in Amberg und Amberg-Sulzbach bereitet das Probleme. Viele Gastronomen atmen aber auch auf.

Daniel Aschenbrenner atmet auf: Dass die Kontaktdatenerfassung wegfällt, ist für ihn eine große Erleichterung. Auf dem Tisch: Die Kontaktdaten von diesem Jahr.
von Redaktion ONETZProfil

Von Tobias Gräf und Thomas Kosarew

Geimpft, genesen oder getestet muss sein, wer in Bayern einen Gaststättenbetrieb besuchen will. Für viele Geimpfte ist das kein Problem, sie zeigen ihren Impfausweis oder die CovPass-App mit den grünen Häkchen vor und schon steht dem Vergnügen nichts mehr im Wege. Anders gestaltet sich das bei Bürgern, die noch nicht gegen Corona geimpft sind – aus welchen Gründen auch immer. Sie kommen nur mit Testnachweis in die Lokale.

Doch ein Test kostet im Einzelverkauf rund 20 Euro. Seit der Freistaat hierfür die Kosten nicht mehr übernimmt, kann ein Besuch in einem Restaurant oder Café also schnell unverhältnismäßig teuer werden. Oberpfalz-Medien hat bei Gastronomen in Amberg und dem Landkreis Amberg-Sulzbach nachgefragt: Haben sie deshalb weniger Kunden? Wer leidet unter der neuen Regelung? Welche Lokale testen selber? Und wie gut oder schlecht ist es, dass parallel dazu die Kontaktdaten nicht mehr erfasst werden müssen?

Landhotel Aschenbrenner Paulsdorf

Daniel Aschenbrenner, der Inhaber des gleichnamigen Paulsdorfer Landhotels und Gasthauses, ist froh und wirkt zufrieden: "Es läuft schon wieder alles. Sonntags sind wir sehr voll. Wir können uns da überhaupt nicht beklagen." Vor allem Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und nachgeholte Kommunionen sorgen für volle Reservierungsbücher. Schon am Telefon teilen laut Aschenbrenner viele Gäste mit, dass sie und ihre Begleiter geimpft sind. Als der Landkreis Amberg-Sulzbach bei der Inzidenz über einen Wert von 35 rutschte, sei die Umstellung wegen der verpflichtenden Einführung der 3G-Regel zunächst durchaus groß gewesen. Doch alles habe sich mittlerweile eingespielt, sagt der 43-Jährige: "Da hat's keine Probleme gegeben." Auch nicht im Hotel, wo seit der Wiedereröffnung ohnehin 3G gilt.

Doch dann kam der Wegfall der kostenlosen Tests zum 11. Oktober. Die Auswirkungen bekam auch Aschenbrenner zu spüren: "Am ersten Sonntag hatten wir 15 Leute ohne Nachweis da, bei einer Versammlung waren es sogar 20." Doch auch das sei kein großes Problem gewesen. Der 43-Jährige hat Schnelltests im Haus und bietet diese unter Aufsicht für drei Euro an. Vielen Leuten sei es das wert, sagt der Gastronom und spricht davon, dass durch die Einhaltung der 3G-Regeln "ein normaler Betrieb möglich" sei. Einzige Ausnahme: An der Theke und Bar verzichtet er auf eine Bestuhlung, weil ansonsten die 3G-plus-Vorschrift greifen würde und er von den Gästen die teureren PCR-Tests verlangen müsste. Das wolle er aber niemandem finanziell zumuten. Wegschicken musste er eigenen Aussagen zufolge bisher nur ein Pärchen, das weder geimpft noch genesen war und sich auch nicht testen lassen wollte. Für sie blieb die Küche kalt. Nicht aus Prinzip, wie er sagt, sondern weil an diesem Tag im Biergarten, wo die Gäste hätten bleiben dürfen, "noch nichts hergerichtet" und "innen alles voll" gewesen sei.

Weitaus wirkungsvoller als der Wegfall der kostenlosen Tests wirkt sich bei Daniel Aschenbrenner die nicht mehr vorgeschriebene Kontaktdatenerfassung aus: "Das ist schon eine Erleichterung. Das kommt uns schon enorm entgegen." Als Beweis zeigt der 43-Jährige einen ganzen Stapel von Zetteln mit Gästedaten. Arbeit, die sich er und sein 55-köpfiges Team, das mit einer Ausnahme (Vorerkrankung) geimpft ist, nun komplett sparen können.

Café B1 Hierstetter

Das Café B1 in der Sulzbacher Altstadt stört der Wechsel zu kostenpflichtigen Corona-Tests seit dem 11. Oktober kaum. In den Kundenströmen mache sich dies nicht bemerkbar, berichtet Junior-Chefin Julia Hierstetter. "Die Masse unserer Gäste ist geimpft. Die, die mit Test kommen, kann man an einer Hand abzählen." Dennoch sei das Café auch auf ungeimpfte Kunden vorbereitet: "Wir haben immer eine Ladung Schnelltests auf Lager, die stellen wir Kunden auch kostenlos zur Verfügung." Einen solchen Fall habe es jedoch bislang nicht gegeben, sagt die 24-Jährige.

Und dennoch hat Hierstetter weniger Kunden als zuvor. Das aber führt sie auf die Außentemperaturen zurück. "Seitdem es draußen kälter geworden ist, verlagert sich alles nach innen. Und da sind die Kunden weniger geworden als zuvor." Die Junior-Chefin vermutet, dass dies etwas mit dem Sicherheitsempfinden mancher Gäste zu tun habe. "Jugendliche interessiert das mit dem Innenraum überhaupt nicht. Aber wir haben viele Ältere, und die sind nach einem Jahr Pandemie immer noch vorsichtig. Manche müssen sich erst wieder an den Innenraum gewöhnen."

Café Zentral

Michael Belmer ist Mitglied der Geschäftsführung des Café Zentral am Marktplatz in Amberg, wo noch immer viele Gäste die Luca-App zur Erfassung der Kontaktdaten nutzen, obwohl sie das nun gar nicht mehr müssen. Für das Personal sei das gut, denn es ließe sich nun Zeit sparen: "Analog und händisch, wie in den Wochen und Monaten zuvor, als sich die Aktenordner mit den Zetteln gestapelt haben, wird bei uns nicht mehr erfasst." Die Kontaktdaten habe das Zentral-Team immer gesammelt, aber „noch nie“ habe jemand danach gefragt, auch nicht vonseiten der Behörden. Belmer will das nicht fehlinterpretiert wissen und geht davon aus, dass es schlicht und ergreifend keinen Fall eines Infizierten gab, der zuvor im Zentral war, und woraufhin das Gesundheits- oder Ordnungsamt hätte tätig werden müssen.

Auch die Einführung der 3G-Regel sei kein großes Problem, "denn 90 bis 95 Prozent der Gäste sind ohnehin komplett geimpft". Der Rest komme von sich aus mit einem Schnelltest aus der Apotheke: „Das ist es den Leuten offensichtlich wert.“ Wem das zu teuer ist, kann sich aber auch direkt im Zentral einem Schnelltest unter Aufsicht unterziehen. Die Nachfrage sei aber nicht groß, obwohl das Zentral diese Tests kostenlos anbietet. In der ersten Woche seien die Gäste, die dieses Angebot nutzten, an einer Hand abzuzählen gewesen. Zwar hofft Belmer, dass nun nach dem Wegfall der Kontaktdatenerfassungspflicht Schritt für Schritt immer mehr Normalität einkehrt, aber mit der aktuellen Situation könne er gut leben: "Das funktioniert jetzt alles sehr gut." Die Gäste seien zudem auch sehr diszipliniert. Die meisten seien schon darauf vorbereitet, einen Nachweis vorlegen zu müssen. Und falls das einmal nicht der Fall ist, gebe es wenig Diskussionen.

Café-Bar Stadtgespräch

Anders ist die Lage im Stadtgespräch, der Café-Bar am Sulzbacher Luitpoldplatz. Inhaber Alexander Schulze ist unzufrieden. "Seitdem die 3G-Regel gilt und Tests Geld kosten, habe ich eindeutig weniger Kunden, das kann ich klar feststellen." Zwar seien bereits viele geimpft, aber: "Wenn im Freundeskreis einer nicht geimpft ist, nehmen die anderen Rücksicht und veranstalten ein Treffen zu Hause anstatt bei uns." Wer für einen Schnelltest privat 20 Euro zahlen müsse und nur einen Cappuccino für drei Euro bestellt, der werde für seinen Besuch im Lokal 23 Euro los. "Dafür kann ich mir für Zuhause viele gute Bohnen kaufen. Da habe ich schon Verständnis für meine Kunden. Nur wir als Gastronomen stehen dann blöd da, denn Corona-Hilfen bekommen wir auch keine mehr."

Um ungeimpften Kunden dennoch ein Angebot machen zu können, setzt der 29-Jährige auf seine Außenbestuhlung. Denn unter freiem Himmel gilt die 3G-Regel nicht. "Ich habe bereits die Zusage der Stadt, in der Weihnachtszeit draußen ein Zelt aufstellen zu können." Heizpilze und Decken zum Wärmen werde es wohl auch geben. Der Verkauf von Glühwein, Cocktails oder Kaffee an Kunden ohne Test sei dann jederzeit möglich. Doch gerade mit Hinblick auf die Heizpilze gibt Schulze zu bedenken: "Das ist immer auch eine Kostenfrage. Strom und Gas werden immer teurer, ob es sich letztlich rentiert, ist unklar."

Zur Post in Königstein

Im Königsteiner Hotel Zur Post geht Junior-Chef Peter Pesold gelassen mit der Einführung kostenpflichtiger Corona-Tests um – weil sie auf sein Haus am Marktplatz fast keine Auswirkungen hat. "Wir haben nur sehr, sehr wenige Gäste, die nicht geimpft sind. Wenn doch, rufen sie vorher an." Um Ungeimpfte nicht abweisen zu müssen, hat Pesold Schnelltests auf Vorrat. "Dafür verlangen wir aber fünf Euro und der Test muss dann in einem separaten Raum unter Aufsicht gemacht werden", erklärt der Hotelier.

Zudem gebe es noch den Außensitzbereich, der von der 3G-Regel nicht erfasst wird. "Wir haben in diesem Jahr Heizpilze und Decken für die Gäste angeschafft. Bei uns kann jeder, der möchte, draußen sitzen, die Heizpilze sind fast immer an." Jedoch nur noch bis Ende Oktober. "Dann lassen wir das auslaufen, weil es irgendwann einfach zu kalt wird."

Hier können sich Ungeimpfte testen lassen. Soviel kosten Corona-Tests - unser Überblick.

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Info:

Corona-Regeln in Gaststätten

  • Im Außenbereich entfällt die 3G-Regel. Auch Ungeimpfte können dort ohne Testnachweis einkehren.
  • In Regionen mit einer Inzidenz über 35 - dazu zählen Amberg und der Landkreis - ist in Gaststätten-Innenräumen die 3G-Regel verpflichtend. Es gilt eine Maskenpflicht, außer am Sitzplatz. Erlaubt sind medizinische oder FFP2-Masken.
  • Die Erfassung von Kontaktdaten ist seit dem 15. Oktober in Restaurants, Bars und Kneipen ausgelaufen.
  • Seit dem 11. Oktober werden die Kosten für Corona-Tests nicht mehr vom Freistaat übernommen. Die Preise für Schnelltests liegen meistens zwischen 15 und 20 Euro. Wer nicht geimpft ist und ein Restaurant besuchen will, muss einen PCR-Test (höchstens 48 Stunden alt) oder einen Schnelltest (höchstens 24 Stunden alt) vorlegen.

"Wir haben immer eine Ladung Schnelltests auf Lager, die stellen wir Kunden auch kostenlos zur Verfügung."

Julia Hierstetter, Junior-Chefin im Café B1 in Sulzbach-Rosenberg

Julia Hierstetter, Junior-Chefin im Café B1 in Sulzbach-Rosenberg

Digitalen Impfnachweis vorzeigen und los geht's: Ins Café B1 in Sulzbach-Rosenberg kommen fast nur geimpfte Gäste. Doch auch Ungeimpfte sind willkommen - sie müssen aber vorher einen Corona-Test machen, der im Café ausgeteilt wird.
Viele Kunden im Café B1 in der Sulzbacher Altstadt sind etwas älter - und wegen der langen Pandemiephase noch verunsichert, etliche meiden deshalb den Innenraum.

 

 

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