27.05.2021 - 18:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Was wird aus K&L Ruppert in Amberg?

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Seit 1977 gibt es K&L Ruppert in Amberg. Nun hängen dort Plakate: "Total Ausverkauf – wir schließen". Indirekt stimme das so, bestätigt Rüdiger Herrmann von K&L. Doch der Laden bleibe bestehen. Der Verkaufsleiter erklärt, was sich ändert.

K&L Ruppert lockt derzeit mit einem Ausverkauf viele Kunden in seine Filiale in der Amberger Altstadt. Aber macht das Geschäft wirklich für immer dicht?
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Schon seit 44 Jahren wird in der Amberger Georgenstraße bei K&L Ruppert eingekauft. Schilder und Plakate verkünden, dass damit nun bald Schluss ist: "Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe". Inhaltlich sei das so erst einmal richtig, erklärt Rüdiger Herrmann, Direktor Marketing und Sales bei K&L. Allerdings werde nur das bisherige Format von K&L eingestellt, die Läden blieben erhalten.

Von Corona schwer getroffen

"Was bei K&L an der Stange hing, war zu 80 bis 90 Prozent selbst entwickelt und wurde in Italien, der Türkei und Fernost extra für uns produziert", führt Herrmann aus. "Dieses Konzept wird es so nicht mehr geben." Das Unternehmen, das seit eineinhalb Jahren zur Augsburger Schmid-Gruppe gehört, habe "dramatisch unter Corona gelitten". Herrmann: "Wir haben uns nicht vorstellen können, dass die Geschäfte über so einen langen Zeitraum komplett zu sind." Andere Modeläden könnten auch mal für das nächste halbe Jahr keine neue Ware bestellen oder sie stornieren, schildert der K&L-Verkaufsleiter. "Aber das geht natürlich nicht, wenn man ausschließlich für sich selbst die Ware hat produzieren lassen. Dann ist die auf dem Schiff unterwegs und der Lieferant muss bezahlt werden."

Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, dieses Modell aufzugeben. "Aber wir haben uns dazu durchgerungen", sagt Herrmann. Die Zugehörigkeit zur Schmid-Gruppe erleichtere den Prozess. "Wir können uns aus dem Baukasten von Schmid Inhalte raussuchen, die in das frühere inhaltliche Konzept von K&L passen, aber eben nicht diese Anfälligkeit haben."

Verhandlung mit neuen Marken

Konkret bedeutet das, dass derzeit mit Marken verhandelt wird, die künftig in den bisherigen Filialen von K&L Ruppert verkauft werden. So auch in Amberg. Der Standort wird erhalten bleiben, aber eben mit neuem Konzept. "In dem auch Schuhe eine größere Rolle spielen werden", verrät der K&L-Sprecher. "Im Moment gibt es noch die eigenen Kollektionen von K&L, aber ab Herbst nicht mehr." Bis dahin soll alles raus. "Auch die Frühjahrskollektion ist deshalb jetzt schon reduziert zu haben", sagt Herrmann.

Die Zielgruppe von K&L bleibe im Wesentlichen gleich, die Umstrukturierung gehe aber auch mit einer gewissen Verjüngung einher. Das hat einen einfachen Grund, erläutert Herrmann: "Für die Marken, die wir bisher selbst von K&L gemacht haben, gibt es teilweise kein Pendant auf dem Markt, das man so beschaffen könnte." Es sei schwer, alle Bereiche, die K&L vorher mit Eigenmarken bediente, auch in Zukunft abzudecken. "Das ist im Moment kein leichtes Geschäft, aber da sind wir ganz massiv dran", verspricht Herrmann. Hinzu komme, dass auch die Marken selbst genau prüfen, an welche der 41 K&L-Standorte sie wollen. So habe zum Beispiel "Mango" für drei Filialen zugesagt, weitere werden noch geprüft.

Mitarbeiter können bleiben

Feststehe aber: Die K&L-Mitarbeiter werden bleiben, versichert Rüdiger Herrmann. "Es wird sogar eher so sein, dass noch ein paar Köpfe eingestellt werden." Gerade freut sich der Marketing-Direktor auch über die niedrige Inzidenz in Amberg. "Die Menschen waren von der Testpflicht ziemlich genervt. Seit die weggefallen ist, kommen viel mehr Leute zum Einkaufen", erklärt er. "Und erst wenn die Ware weg ist, kann das neue Konzept umgesetzt werden." Deshalb sei der Zeitpunkt variabel. "Ziel ist es, so im September oder Oktober neu zu starten. Bis dahin machen wir einen knackigen Räumungsverkauf mit vielen Prozenten."

Große Umbau-Arbeiten würden in der Amberger Filiale nicht anfallen. "Wenn, dann sind das nur Kleinigkeiten, die Neuerungen betreffen vor allem das Sortiment." Deshalb müsse das Geschäft auch – wenn überhaupt – nur für wenige Tage geschlossen werden. "Im August kommen wir schon immer in eine sehr ruhige Phase, diese Zeit werden wir dann auch nutzen, um bestimmte Änderungen umzusetzen." Unklar sei übrigens noch, wie die umstrukturierten Läden heißen werden. "Vielleicht K&L oder K&L Schmid oder nur Schmid."

2019 müssen mehrere K&L Filialen schließen

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Auch in Weiden geht es nach der Umstrukturierung für K&L Ruppert weiter

Weiden in der Oberpfalz

Neue Leerstände in der Amberger Altstadt

Amberg
Hintergrund:

Das Unternehmen K&L Ruppert

  • K&L Ruppert startete 1962 in Weilheim in Oberbayern mit einem kleinen, etwa 50 Quadratmeter großen Laden.
  • 55 Jahre war das Unternehmen in Familienbesitz.
  • Die Eigentümerfamilie um Gründer Karl Ruppert zog sich 2017 aus der Firma zurück.
  • 2019 war die Mode-Kette insolvent. 14 der 54 Filialen schlossen.
  • Die Augsburger Schmid-Gruppe übernahm K&L.
  • Heute gibt es deutschlandweit 41 Filialen.
  • In Amberg ist K&L Ruppert seit Februar 1977.
  • 18 der insgesamt rund 900 K&L-Mitarbeiter arbeiten aktuell hier.
  • In der Georgenstraße stehen auf drei Etagen rund 1400 Quadratmeter
    Verkaufsfläche zur Verfügung.
Die K&L Ruppert-Filiale in der Amberger Fußgängerzone.
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