08.12.2021 - 18:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Kleine Erfolge bei Therapie von Corona-Patienten in Amberg

Das Klinikum St. Marien in Amberg wendet zwei neue Therapiemöglichkeiten bei Covid-19-Patienten an. Laut Krankenhaus sind dabei kleine Erfolge zu verzeichnen.

Dr. Nadine Hofmann von der Klinik für Innere Medizin I bereitet die Infusion für die Antikörper-Therapie vor.
von Externer BeitragProfil

"Im Gegensatz zu den ersten drei Corona-Wellen haben wir jetzt zwei Therapiemöglichkeiten, die wir ganz gezielt bei Patienten mit einer Corona-Infektion einsetzen können und die im klinischen Alltag auch nachgewiesen wirksam sind“, erklärt Dr. Hans Wahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV am Klinikum St. Marien Amberg. „Das zeigt sich auch bei Patienten in unserem Klinikum.“ Die Rede ist zum einen von der Antikörpertherapie und zum anderen von einer Therapie mittels eines Medikaments, das bereits aus der Rheuma-Therapie bekannt ist und dessen Einsatz bei einer Corona-Infektion vom RKI empfohlen wird.

„Der Laie muss sich das so vorstellen: Bei einer Antikörpertherapie bekommt der erkrankte Patient neutralisierende Antikörper, die sich in unserem Fall gegen das Spike-Protein des Coronavirus richten. Das Spike-Protein ist das Oberflächenprotein des Virus, mit dem dieses an die Zellen unseres Körpers andockt und so in unsere Zellen gelangen kann“, erklärt Dr. Wahn.

Gute Verträglichkeit bei Patienten

Bis Montag sei die Therapie bereits bei 26 Covid-19-Patienten im Amberger Klinikum angewandt worden. Sie hätten die Antikörper mittels einer einmaligen Infusion bekommen. Dr. Hans Wahn: "Dabei stellen wir eine sehr gute Verträglichkeit fest.“ Das liegt laut der Pressemitteilung aus dem Klinikum besonders daran, dass es sich dabei um humane Antikörper handelt. Sprich die Antikörper sind zwar gentechnisch hergestellt, in ihrer Zusammensetzung aber mit den Antikörpern identisch, die der Mensch nach einer Infektion oder Impfung selbst bilden würde. Die Idee dahinter ist eine passive Immunisierung und nicht neu. „Ein klassisches Beispiel für eine solche Immunisierung ist Tetanus. Haben sie eine verschmutzte Wunde, bei der die Gefahr besteht, an Wundstarrkrampf zu erkranken, und ihr Impfschutz ist abgelaufen, dann bekommen sie das sogenannte Tetanus-Immunglobulin. Ein Immunserum, in dem Antikörper enthalten sind, die das die Krankheit auslösende Toxin neutralisieren“, so Hans Wahn.

Doch für wen ist die Antikörpertherapie geeignet? „Am wichtigsten ist es, die Antikörper so früh wie möglich zu geben, am besten schon vor Symptombeginn. Dieser sollte allerdings nicht länger als sieben Tage zurückliegen.“ Besonders Patienten mit leichten Symptomen oder bei denen eine Infektion noch asymptomatisch verläuft, würden von der Therapie profitieren. „Wir haben Patienten, die aufgrund einer anderen Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert werden und bei denen durch die Reihentestung eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt wurde. Ob eine Antikörpertherapie dann zum Einsatz kommt, hängt zusätzlich vom Immunstatus der Patienten ab“, betont Dr. Wahn. Gerade bei älteren Patienten sowie Menschen mit einer Vorerkrankung wie Rheuma oder Krebs sei das Immunsystem geschwächt. „Hier und bei Ungeimpften ist das Risiko, dass die Corona-Infektion einen schweren Verlauf nimmt, höher. Und um das zu vermeiden, setzen wir bei diesen Patienten gezielt die Antikörpertherapie ein. Bei geimpften Patienten bestimmen wir zuvor den Antikörperspiegel des besagten Spike-Proteins, auch das können wir inzwischen bei uns im Klinikum.“ Patienten die wegen Covid-19-Symptomen im Krankenhaus behandelt werden müssen, bekommen die Antikörper-Therapie der Pressemitteilung zufolge unabhängig von ihrem Risikoprofil in Abhängigkeit von Symptombeginn und Antikörperstatus.

Zusammengefasst kann eine Antikörpertherapie dabei helfen, die Ausbreitung des Coronavirus im Körper zu verhindern oder einzudämmen, erklärt der Chefarzt. „Trotz der noch überschaubaren Anzahl behandelter Patienten haben wir jetzt schon das Gefühl, dass die Therapie wirklich etwas bringt, wir die Patienten früher entlassen können und weniger schwere Verläufe haben.“ In entsprechenden Studien sei dies bereits belegt, das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Behandlung. Im Amberger Klinikum wurde sie bereits drei Tage nach Zulassung etabliert, erläutert Pressesprecherin Sandra Dietl auf Nachfrage.

Medizin aus Rheuma-Therapie

Doch es gebe auch Patienten, die für eine Antikörpertherapie nicht mehr infrage kommen. Sie sind schon zu krank oder die Symptome dauern schon zu lange an. Hier komme die zweite neue Therapiemöglichkeit zum Einsatz – ein Medikament, das bereits aus der Rheuma-Therapie bekannt ist: Tocilicumab. „Dieses Medikament wirkt gegen den Entzündungsbotenstoff Interleukin-6. Unser Körper reagiert auf das Coronavirus mit einer überschießenden Immunreaktion, die unter anderem durch dieses Zytokin vermittelt wird. Das Immunsystem gerät aus dem Gleichgewicht und die überschießende Reaktion wird zur eigentlichen Gefahr für den Patienten“, schildert Dr. Wahn. „Wird Interleukin-6 blockiert, besteht die Möglichkeit, die Entzündung zu reduzieren und dem Immunsystem damit zu helfen, die Infektion ohne Kollateralschäden zu bekämpfen.“

Geeignet sei die Therapie für Patienten, die schon relativ schwer erkrankt sind und bei denen das Risiko einer Verlegung auf die Intensivstation oder sogar einer Beatmung besteht. Hans Wahn: „Bei uns haben aktuell bereits acht Patienten diese Therapie bekommen. Natürlich muss man realistisch sein, das sind kleine Zahlen. Wir stehen hier noch am Anfang. Dennoch sehen wir Erfolge.“ Kleine Erfolge, die das Impfen keinesfalls ersetzen können, betont der Mediziner, die für die betroffenen Patienten aber durchaus eine große Bedeutung haben.

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„Trotz der noch überschaubaren Anzahl behandelter Patienten haben wir jetzt schon das Gefühl, dass die Therapie wirklich etwas bringt, wir die Patienten früher entlassen können und weniger schwere Verläufe haben.“

Dr. Hans Wahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV am Klinikum St. Marien Amberg

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