07.10.2021 - 10:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Kümmersbruck bis Auerbach: Immer mehr Impfungen an Schulen

Das Amberger Impfzentrum ist seit 1. Oktober geschlossen, das in Sulzbach-Rosenberg nur noch freitags von 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr geöffnet. Wer nun vermuten würde, in der Region wird kaum noch geimpft, der irrt sich gewaltig.

Nur ein kurzer Piks, dann war es auch schon vorbei: Der zwölf Jahre alte Memate Darweesh (mit dem Rücken zur Kamera) ließ sich am Mittwoch in der Dreifaltigkeitsmittelschule während der Unterrichtszeit impfen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Zum Freitag, 1. Oktober, hat der Freistaat Bayern seine Impfstrategie neu ausgerichtet. Das hatte auch Folgen für Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach. Die beiden bis dato einzigen regionalen Impfzentren wurden im LCC in Sulzbach-Rosenberg (Obere Gartenstraße 3) zusammengelegt. Seitdem sollen die Impfungen hauptsächlich über die Haus- und Betriebsärzte sowie die vier mobilen Impfteams des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) erfolgen. Diese sind derzeit hauptsächlich für Auffrischungen in Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen unterwegs sowie für Erst- und Zweitimpfungen in den Schulen.

Wie in der Dreifaltigkeits-Mittelschule Amberg, wo sich laut Rektor Udo Leitz am Mittwoch 29 Kinder impfen ließen. Einer von ihnen ist der zwölf Jahre alte Memate Darweesh, der in Begleitung seines Vaters Mehsen gekommen war und sich sichtlich freute, als er endlich an der Reihe war. Der Sechstklässler ist laut Rektor Leitz einer von 240 Dreifaltigkeitsmittelschülern, von denen 170 zwölf Jahre oder älter sind und von daher für den Pikser infrage kamen, was bei den Jüngeren aufgrund der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission nicht der Fall ist. Dass es "nur" 29 Jugendliche waren, die sich für den Termin in der Schule gemeldet hatten, liege aber nicht daran, dass der Rest es nicht wollte, sagt der Rektor: "Die anderen Schüler sind teilweise schon geimpft. Aber natürlich nicht alle."

"Sinnvoll und notwendig"

BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller geht davon aus, dass am vergangenen Mittwoch in einem offenen Impfzentrum womöglich auch 29 Personen erschienen wären, aber: "Wahrscheinlich nicht die gleichen 29. Wir erreichen durch diese niederschwelligen Angebote Leute, die wir ansonsten gar nicht erreichen würden. Deswegen halte ich diese Angebote auch für sinnvoll und notwendig." Alle vier mobilen Impfteams seien deswegen täglich unterwegs und jeden Tag an einem anderen Ort.

Einzige Ausnahme: Jeden Freitag ist das BRK von 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr im Sulzbach-Rosenberger LCC vertreten. Zusätzlich dazu seit Mittwoch, 6. Oktober, bis einschließlich Sonntag, 10. Oktober, jeweils von 17 bis 21 Uhr im Amberger Cineplex-Kino, wo Impfwillige ohne Termin vorbeikommen können. Für Sebastian Schaller ist das von enormer Bedeutung: "Wir versuchen, für die Amberger Möglichkeiten zu schaffen, dass sie nicht extra nach Sulzbach-Rosenberg fahren müssen." Denn das halte oder schrecke den einen oder anderen Impfwilligen womöglich ab. Ungeachtet dessen sind die vier Teams im Dauereinsatz. Der Eindruck, dass nach der Schließung des Amberger Impfzentrums weniger oder gar nicht mehr geimpft werde, ist laut Sebastian Schaller folglich nicht nur falsch, sondern "richtig falsch".

Firmen nicht auf Prioritätenliste

Die Frage sei nun aber dennoch: "Wann geht man wohin, um möglichst viele zu erreichen?" Firmen stünden da derzeit nicht ganz oben auf der Prioritätenliste: "Da ist erstmal der Betriebsarzt zuständig." In den meisten Betrieben würde sich eine groß angelegte Impfaktion vermutlich auch nicht rentieren: "Wer sich impfen lassen möchte, ist mittlerweile schon geimpft. Wir würden natürlich alles möglich machen. Aber die Zeit, in der man in Firmen im großen Stil impfen könnte, ist eher vorbei." Deswegen liege das Augenmerk nun auch auf Schulen.

Doch damit möchte sich der BRK-Kreisgeschäftsführer nicht zufriedengeben. Er befindet sich derzeit in Gesprächen mit der Stadt Amberg, um für eines der vier mobilen Impfteams einen dauerhaften Standort zu bekommen - wie beispielsweise zuletzt vor dem Kaufland am Bergsteig. Schaller würde damit bereits in der zweiten Oktoberhälfte beginnen wollen. Noch sei es aber zu früh, um verlässliche Aussagen über einen Starttag und einen Ort zu machen, denn erst müsse abgewartet werden, ab wann eines der vier Impfteams dauerhaft für einen bestimmten Standort im Stadtgebiet von Amberg abgestellt werden kann.

Der Vollständigkeit halber: Aktuell liegt die Impfquote in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach bei 65,74 Prozent. Das ist ein leichter Anstieg. Vor einer Woche lag dieser statistische Wert bei 65,15 Prozent. Dabei handelt es sich jeweils um Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Amberger Impfzentrum geschlossen

Amberg
Hintergrund:

Die bisherigen und geplanten Schülerimpfungen

  • Schnelle Auerbacher: Die Realschule Auerbach machte den Anfang. Dort wurden bereits am 6. September 13 Kinder zum ersten und am 4. Oktober zum zweiten Mal geimpft.
  • Bisherige Erstimpfungen: Mittelschule Kümmersbruck, Mittelschule Hahnbach, Herzog-Christian-August-Gymnasium Sulzbach-Rosenberg, Schönwerth-Realschule Amberg, Luitpold-Mittelschule Amberg, Dreifaltigkeitsmittelschule Amberg. Die Zweitimpfungen folgen jeweils noch in diesem Monat.
  • Hier wird demnächst geimpft: Gregor-Mendel-Gymnasium Amberg, Mittelschule Auerbach.
  • Schulen können sich melden: Das Schulamt hat alle Schulen informiert, dass es die Chance gibt, sich ein mobiles Impfteam ins Haus zu holen. Weitere Schulen, die sich bisher noch nicht beim Roten Kreuz gemeldet haben, können also demnächst noch hinzukommen.
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