30.11.2021 - 17:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Leader-Förderung Wanderwege in Amberg-Sulzbach einheitlich beschildern

Eine einheitliche Beschilderung für Wanderwege im Landkreis Amberg-Sulzbach, und noch dazu gefördert mit Leader-Mitteln: An sich ein gutes Projekt, doch im Kreisausschuss gab es auch Kritik – vor allem aus dem westlichen Landkreis.

Entspannung und Naturerlebnis: Immer mehr Leute sind auf Wanderwegen unterwegs und wünschen sich diese gut ausgeschildert. Der Landkreis Amberg-Sulzbach will nun ein Projekt zur einheitlichen Beschilderung des Wanderwegenetzes zur Leaderförderung einreichen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Um eine einheitliche Beschilderung des kommunalen Wanderwegenetz im Landkreis Amberg-Sulzbach mit einer entsprechenden Leaderförderung ging es am Montagnachmittag im Kreisausschuss. Landrat Richard Reisinger verwies einleitend auf die einheitliche Radwege-Beschilderung im Landkreis, die man geschafft habe und wofür er sehr dankbar sei. Bei den Wanderwegen hingegen sei man bisher vorsichtig gewesen. Ein Anfang könnte jetzt aber trotzdem gemacht werden, "für kleinere Einheiten in Kombination mit einem Leaderprojekt". Laut Reisinger machen zehn Gemeinden mit, sie hätten auch schon "erhebliche Arbeit dafür investiert". Ein Beschluss gefasst werden musste, um die nicht durch die Leader-Förderung gedeckten Kosten auf den Weg zu bringen.

Zweite oder dritte Runde

Freie-Wähler-Kreisrat Peter Dotzler aus Gebenbach zeigte sich verwirrt – angesichts eines Schreibens, dass man sich bis 10. Dezember noch beteiligen könne. "Wie will man die Nachzügler jetzt noch einfangen?", fragte er. Reisinger entgegnete, zehn teilnehmende Kommunen seien schon viel für den Landkreis. Außerdem könne es eine zweite oder dritte Runde geben. Das sah auch der zuständige Tourismus-Referent Hubert Zaremba so: "Schritt für Schritt können wir die anderen noch ins Boot holen."

CSU-Kreisrat Dieter Dehling (Illschwang) kündigte an, dem Beschluss nicht zuzustimmen. Er verwies darauf, dass das Sulzbacher Bergland 2015 eine einheitliche Beschilderung selbst auf den Weg gebracht habe und dabei nicht unterstützt worden sei. Allein 15.000 Euro habe die Gemeinde Illschwang dafür investiert. Er wundere sich aber, "wenn die AOVE was auf den Weg bringt, der Landkreis zahlt". Damit zielte er auf Zarembas Aussage ab, dass für das Wanderwegeprojekt die AOVE und das Regionalmanagement eine Initiative gestartet hätten. "Der Antrag hat nichts mit der AOVE zu tun", versicherte Reisinger und gab zu, dass er 2015 die Wanderwege als zu schwierig in Bezug auf eine einheitliche Beschilderung erachtet habe. Doch seitdem seien immer wieder Anregungen gekommen, deshalb probiere man es jetzt.

Ebenso machte er deutlich, dass das Sulzbacher Bergland hinsichtlich Unterstützung nicht zu kurz komme. Als Beispiel nannte er die Schlemmerwochen. "Da ist der Landkreis sehr gut mit dabei." Auch FDP/FWS-Kreisrat Martin Pöllath schaltete sich in die Debatte ein: "Wir sollten keine Gerechtigkeitsdiskussion führen." Mit den Kommunen sei es wie in einer Familie, mal bekomme ein Kind was, das nächste mal das andere. "Es gleicht sich aus." Würde der Beschluss nicht gefasst, "würden wir externe Gelder aus Gerechtigkeitsgründen ablehnen".

Vorschlag für die Broschüre

Da widersprach Winfried Franz von der SPD. Es sei keine Gerechtigkeitsdiskussion, sondern eine Faktendiskussion. "Unser System im Westen funktioniert sehr gut", sagte er über das dortige Wegeleitsystem, mit dem die Besucher, vor allem auch aus dem Nürnberger Raum, sehr zufrieden seien. Hans Martin Grötsch (Freie Wähler) regte an, in der in einer Auflage von 15 000 Stück geplanten Broschüre, die ebenfalls Teil des Leader-Projekts ist und in der jede Gemeinde einen Rundwanderweg vorstellen könne, der Qualitätskriterien des deutschen Wanderverbandes erfülle, alle 27 Kommunen unterzubringen und auch die Gastronomie einzubinden, beispielsweise mit QR-Codes. Würde die Broschüre flächendeckend ausgelegt, „wäre das was für alle“, meinte Grötsch.

Die Gastronomie könne höchstens als Piktogramme auf der Karte eingebunden werden, argumentierte Zaremba mit den Förderrichtlinien. Den Gedanken der Vereinheitlichung finde er gut, sagte JU-Kreisrat Henner Wasmuth, der aber nach eigener Aussage zehn von 27 Kommunen für zu wenig hält. "Und es fehlt ein Stück weit das digitale Format vor Ort." Als Feedback höre man immer, dass man auf Messen sei und jemand den Schlachtschüsselführer mitnehme. Wichtiger sei es, die Merkmale einer Region mit Wanderwegen und einer funktionierenden Gastronomie herauszustellen als "eine Art Wanderautobahn durch den Landkreis". Deshalb, so Wasmuth, werde er den Beschlussvorschlag ablehnen.

Landrat weist Kritik zurück

"Unser Marketing ist sehr vielschichtig und sehr wohl digital", entgegnete der Landrat. "Dass wir nicht digital sind, weise ich zurück." Und Hubert Zaremba unterstrich, wie wichtig Qualitätsmerkmale seien. "Wanderwege, bei denen man zu 50 Prozent auf Teer läuft, die geht niemand – egal, wie viele Wirtshäuser da auf der Strecke liegen." Es manche nämlich keinen Spaß, "auf der Straße zu latschen". Die Qualitätsmerkmale bezeichnete der Tourismus-Referent auch als innovativen Ansatz für die Förderung. "08/15-Wanderwege kann ich nicht über Leader fördern lassen." Schlussendlich votierte der Kreisausschuss nach der doch etwas emotional geführten Debatte für den Antrag zur Leaderförderung – bei zwei Gegenstimmen von Dieter Dehling und Henner Wasmuth. Die Kosten belaufen sich auf 63.000 Euro, wobei sich nach Abzug der Förderung der Eigenanteil des Landkreises auf rund 33.000 Euro für die zehn Kommunen beläuft.

Auch die Pandemielage war Thema im Keisausschuss

Amberg

"Wanderwege, bei denen man zu 50 Prozent auf Teer läuft, die geht niemand – egal, wie viele Wirtshäuser da auf der Strecke liegen."

Amberg-Sulzbachs Tourismus-Referent Hubert Zaremba

 

 

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