02.07.2020 - 17:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Der neue Bräu des Amberger Bergfests und der Oberpfälzer Asket

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Beim dritten Versuch hatte es geklappt: Arno Diener, Chef der kleinsten Amberger Brauerei, hatte einen Bierzelt-Platz auf dem Bergfest. Dann kam Corona. Deshalb plaudert Diener eben mit der Redaktion auf dem Berg. Natürlich über Bier.

Hier, direkt beim Forsthaus, wäre Arno Dieners Bergfest-Zelt gestanden. Wegen der Corona-Absage sind es jetzt nur zwei Klappstühle, ein kleines Holztischchen, aber immerhin zwei neue Steinkrüge.
von Heike Unger Kontakt Profil

Drei Anläufe machte Arno Diener, der Chef der Brauerei Am Sudhang, um sein Bier auf dem Bergfest ausschenken zu dürfen. "Als vor drei Jahren der Wingershof endgültig zugemacht hat, hab ich mich zum ersten Mal beworben." Verdrängen wollte er niemanden, betont Diener – "sein" Platz wurde frei, weil das Wingershofer Bier nicht mehr aus Amberg kommt. Auf dem Berg darf aber nur Bier verkauft werden, das in Amberg gebraut wird. Volker Seidl, dem Wirt des Wingershofer Zeltes, hatte Diener zweimal angeboten, dann halt sein Sudhang-Bier auszuschenken. "Aber er wollte nicht. Warum, weiß ich nicht." Daraufhin beschloss der Sudhang-Bräu, sein Zelt eben selbst zu bewirten.

Amberger Bergfest: Ein Bierzelt ist nicht mehr dabei

Amberg

Natürlich war die Freude groß, dass es nun geklappt hatte: Diener hatte seinen Zeltplatz für dieses Jahr sicher. Alles war geplant, das Zelt und alles weitere bestellt, auch 1000 neue Masskrüge. Natürlich Steinkrüge. Etwas anderes kommt für Diener nicht infrage, für ihn und auch viele andere Bierfreunde "ist das ein ungeschriebenes Gesetz".

Steinkrug muss sein

Diener liefert auch ein handfestes Argument, warum der Steinkrug dem aus Glas überlegen ist: "Der Steinkrug ist ein bissl rau, auch innen. Dieses Raue macht‘s aus. Dadurch perlt ein bissche Kohlensäure aus und das Bier wird vollmundiger, sämiger im Mund. Jeder, der das mal erlebt hat, weiß: Aus einem Steinkrug schmeckt es anders." Abgesehen davon, dass er das Bier auch länger kühl hält. Diener weiß aus jahrelanger Bergfest-Besucher-Erfahrung: "Wenn Sie ein leeres Zelt hier haben wollen, dann nehmen sie Glaskrüge." Er hat zum Plausch am Berg zwei nagelneue Exemplare mit Sudhang-Aufdruck mitgebracht. "Die hab ich gestern geliefert bekommen."

"Wirklich reiner Zufall" ist es, dass Dieners beide Schwiegersöhne auch Brauer sind. Ihre Mithilfe bei seiner Bergfest-Premiere hatten sie schon zugesagt. "Wir hätten zu dritt das Bergfest-Bier gebraut, zwei Wochen lang." Auch das wäre eine Premiere gewesen: Diener wollte extra fürs Bergfest eine neue Sorte kreieren, die er sonst nicht herstellt. "Für mich wäre es ein besonderes Bier gewesen. Ich mach' ja normalerweise immer ein Märzen oder ein Dunkles, also eigentlich ein bissl stärkere Biere. Helle machen sowieso immer alle, das muss ich dann nicht auch noch machen."

Hopfen aus Illschwang

Aber auf dem Berg muss es ein Helles sein. "Das ist ja ein Wallfahrtsfest. Da soll das Bier nicht so viel Alkohol haben." Diener lacht. "Aber ich hätte ganz sicher kein normales Helles gemacht. Wahrscheinlich ein bissl hopfiger, so dass das trotzdem was Besonderes wird." Das wäre es ohnehin: Der Hopfen, den Diener verwendet, kommt aus Illschwang. "Ich krieg den exklusiv", in Zusammenarbeit mit dem dortigen Gartenbauverein.

"Jetzt müssen wir halt warten bis nächstes Jahr", meint Diener angesichts der Fest-Absage. Aber dann, verspricht er, "gibt‘s auch das neue Bier". Dafür sei vorab ein Test ratsam, auch für einen Brauer mit langjähriger Erfahrung. "Das probiert man aus, in einer kleinen Menge." Diener veranstaltet auch Braukurse, in denen solch kleine Mengen Bier entstehen. Dafür, sagt er, "hat jeder daheim die nötig Ausrüstung: Ganz normale Kochwerkzeuge".

Zu Hause brauen kann jeder

Zu Hause Bier brauen – "jeder kann das. Ich hab' auch mal so angefangen", sagt Diener. Das ist schon eine Weile her. Sein Freund Wolfgang Schmidt, der Sohn des verstorbenen Stadtheimatpflegers Otto Schmidt, hat zuerst damit begonnen - er hat bei sich daheim sein eigenes Bier gebraut. Und auch seinen Freund Arno auf den Geschmack gebracht. 1985 entstand dann das erste Silvesterbier, bei dem auch Diener mitmischte. Es kam so gut an im Bekanntenkreis, dass daraus immer mehr wurde - als Hobby, nebenher. Denn sein Geld verdiente Diener bei Siemens. Der Arbeitgeber hatte nichts gegen seinen Spaß am Bierbrauen.

Inzwischen gibt es die Hausbrauerei seit rund 30 Jahren. Noch immer logiert sie in Dieners Wohnhaus am Südhang: Daher hat dieses Bier seinen Namen, der im Wortspiel die ü-Punkte verloren hat. Weiter wachsen soll die Brauerei nicht. Auch nicht wegen des Bergfestes. Doch dort dabei sein "wollte ich schon immer", sagt Diener. Jetzt, wo er nicht mehr berufstätig ist, hätte es so weit sein sollen. Die Fest-Absage beschert ihm jetzt Zeit, die er als Aktiver im Verein zur Förderung der studierenden Jugend nutzen kann: Arno Diener managt die Jugendfreizeitstätte Grimmerthal (Schmidgaden). Dort beginnt nach der Corona-Zwangspause nun langsam wieder der Betrieb: Hygienekonzept, Fragen, Buchungen. Wäre er jetzt als Bräu und Wirt auf dem Bergfest, hätte das jemand anderer übernehmen müssen.

Täglich auf dem Bergfest

Auch wenn er es locker nimmt, hat ihn die Absage doch getroffen. Nicht nur als neuer Bräu und Wirt auf dem Berg. Sondern auch als Stammgast. Denn "schon immer" ist Arno Diener in der Festwoche auf dem Berg. Täglich. "Samstag und Sonntag durchaus auch zweimal", verrät er lachend. Schon als Bub war das so. Diener stammt aus Rosenheim, die Familie zog nach Amberg, als er im Vorschulalter war – und hat seitdem immer am Berg gewohnt.

Für Diener ist klar: "Auf den Berg gehen, sich einfach in ein Zelt reinsetzen, a Bratwurst und a Mass - mehr braucht der Oberpfälzer Asket nicht." Er wird fast ein bisschen philosophisch: "Ich sag' immer, der Oberpfälzer reduziert das aufs Wesentliche. Und am Amberger Bergfest wird das auf die Spitze getrieben." Das Besondere an diesem Fest? Da muss Diener nicht lang nachdenken. "Das ist die Enge hier. Die Art der Bratwürste kriegt man sonst auch nirgends. Und mit dem Spitzl ist spätestens Schluss, wenn man 20 Kilometer in den Landkreis fährt." Damit ist eigentlich schon alles gesagt. "A Mass, Bratwürst, Spitzl, a Kas und dann noch Kokosmakronen: Das ist das Bergfest-Menü. Auch bei mir. Immer."

Lieber Holz statt Plastik

Diener hat natürlich seine Lieblings-Fieranten auf dem Berg. "Da kauf ich meine Wurst", ohne den Namen zu nennen. Ansonsten geht er aber auch "gerne mal reihum, man muss schon was ausprobieren". Und liege damit immer richtig, wie Diener mit einem Kompliment an seine Brauer-Kollegen betont: "Es gibt kein schlechtes Bier in Amberg." Am Bier liegt es also nicht, dass er nicht überall gern Platz nimmt: "Ich hock mich ungern in ein lautes, stickiges Plastik-Zelt. Deswegen sitz ich gern beim Bruckmüller und beim Falk, die haben noch das alte Holzzelt."

Das besondere am Amberger Bergfest ist für Arno Diener "die Kombination aus diesen zwei Welten, die man hier zusammenführt, das Kirchliche und das Weltliche, das minimalistische Versorgungskonzept– und dass sich die Leute einfach hier treffen". Aus "vielen tollen Bergfesterlebnissen" ist das schönste für ihn die Erinnerung an Familienausflüge mit seinen Kindern: "Da haben wir jeden Abend das Glühwürmchen Adalbert getroffen." Und auch nach der Festwoche ist Adalbert immer wieder in der Familie aufgetaucht. "Der war dann überall dabei, das ganze Jahr." Die Kinder sind längst erwachsen. Der Glühwürmchen-Zauber ist geblieben, bei jedem Heimweg vom Bergfest. "Da geht man durch den Wald und durch die Glühwürmchen durch, in einer lauen Juli-Nacht. Das ist schon toll."

Serie "Auf eine Mass am Berg"

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