04.08.2020 - 15:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Secondhand-Klamotten: Nach Corona platzt der Rotkreuzladen Amberg aus allen Nähten

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Im Rotkreuzladen in Amberg gibt es Kleidung aus zweiter Hand: Nach dem Corona-Lockdown stapelten sich die Kisten im Secondhand-Shop am Amselweg. Ausmisten ist in Mode, nachhaltig shoppen auch. Trotzdem hat die Leiterin einen Wunsch.

Rotkreuzladen-Leiterin Andrea Knipp steht zwischen Bananenkisten im Lagerraum. Darin befindet sich die Herbst-Mode.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Eine verstaubte Puppe mit Porzellankopf thront mit ihrem letzten Rest Würde auf einem Stapel Blusen, der in einem Wäschekorb liegt. Die einst schmucke Dekofigur musste die heimische Couch verlassen und ist offensichtlich bereit für ein neues Zuhause. Das wird sie im Rotkreuzladen in Amberg aber auch übergangsweise nicht zwischen Geschirr und Büchern finden. "So etwas können wir nicht verkaufen, das geht gar nicht", sagt Leiterin Andrea Knapp. Über ihren Tisch gehen alle Klamotten, die in den Rotkreuzladen in Amberg am Amselweg 30 gebracht werden. Von der Socke bis zum Hut gibt es dort alles, was das Shopping-Herz begehrt. Natürlich ist alles bereits getragen. Aber verkauft wird nur, was keine Flecken oder Löcher hat und einigermaßen modisch ist. Sonst hat es keine Chance, einen Stock höher in den Verkaufsraum zu gelangen.

Süchtig nach Secondhand

Margarete Budig arbeitet einen Vormittag in der Woche in dem Geschäft. Sie prüft gerade den Inhalt einer abgegebenen Kiste. Fünf bis sieben Wäschekörbe landen pro Tag neu im Verkaufsraum. Die Ehrenamtliche und auch Andrea Knapp können sich gar nicht daran erinnern, wann sie zum letzten Mal etwas neu gekauft haben. "Es gibt Kunden, die sagen, das macht süchtig", erzählt Kollegin Johanna Neudecker, die gerade im Verkaufsraum arbeitet. Vor allem die günstigen Preise seien für viele verlockend.

Wie der Amberger Rotkreuzladen funktioniert

Den Rotkreuzladen in Amberg kennen immer noch viel zu wenig Kunden, meint die Leiterin. "Jeder darf bei uns einkaufen. Wir behandeln jeden gleich. Und: Wir würden uns wünschen, dass gerade die jüngeren Leute mal zu uns kommen", sagt Andrea Knapp und verweist auf die Größen S und M, die "in Hülle und Fülle" vorhanden sind. Seit kurzem ist der Shop auch auf Instagram und Facebook vertreten. Hier werden dank einer Schaufensterpuppe Looks kreiert, die den Mitarbeiterinnen modisch erscheinen. Viele Teile gibt's für einen Euro. Babybodys schon ab 25 Cent. Markensachen kosten mehr.

Für mehr Nachhaltigkeit

"Gerade jungen Leuten ist Nachhaltigkeit mittlerweile ja extrem wichtig geworden", sagt Knapp. "Bei uns können sie die Klamotten vor Ort aussuchen, anprobieren und man muss sie nicht extra bestellen oder versenden." Elisabeth Noth und Marlon Hirnick kommen gerade mit vollen Händen von der Kasse. Ihre Ausbeute: Bettwäsche, Gürtel, Shirt. "Das ist ja so günstig", sagt Elisabeth Noth, die in der Nachbarschaft arbeitet, aber an diesem Mittwoch das erste Mal im Rotkreuzladen vorbeischaut. Auch ihr Begleiter möchte künftig öfter kommen: "Es ist echt cool hier und vor allem für die Kids mega. Die wachsen ja so schnell raus." Die Zeit nach der Coronapandemie hat dem Laden ein volles Lager beschert. Die Kisten mussten sogar in einem Container vor der Tür gelagert werden, weil das Erdgeschoss nicht mehr ausreichte. "Zuhause wurde eben viel ausgemistet", sagt Knapp. Kleidung, die zu schade zum Wegwerfen ist, kann beim Rotkreuzladen vorbeigebracht werden. "Wir verkaufen das, was wir kriegen." Richtige Schmankerln waren da schon dabei. Zum Beispiel eine Kiste mit angesagten Vintage-Kleidern. "Die waren so alt, dass sie schon wieder modern waren. Das freut uns dann natürlich."

Manchmal beschimpft

Andrea Knapp und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen entscheiden, ob sich der Verkauf noch lohnt oder Mantel & Co. besser weiterverarbeitet werden sollen. Dabei kann es schon mal passieren, dass den Spendern ihre "Waren" wieder mitgegeben werden. "Manchmal werden wir sogar beschimpft, weil wir Müll nicht annehmen." Die Puppe hat es nicht geschafft. Wohin ihre Reise gehen wird, ist auch der Besitzerin nicht ganz klar. Vielleicht trifft man sich auf dem Wertstoffhof wieder.

Info:

Öffnungszeiten Rotkreuzladen Amberg

Gut erhaltene Kleidung oder Haushaltswaren können direkt beim Rotkreuzladen zu den Öffnungszeiten abgegeben werden: Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und am Dienstag von 14 bis 18 Uhr.

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