25.11.2020 - 15:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Stadt Amberg will Gedenken für den 1995 von Rechtsradikalen ermordeten Klaus-Peter Beer

Am 7. September 1995 ertrank Klaus-Peter Beer in der Vils, nachdem er von zwei Rechtsradikalen bewusstlos geschlagen und ins Wasser geworfen worden war. Eine Gedenktafel am Ort seines Sterbens soll künftig an ihn erinnern.

Der Wegweiser für Toleranz und Demokratie im Stadtgraben beim Vilssteg am Englischen Garten soll um eine Hinweistafel für den 1995 ermordeten Klaus-Peter Beer ergänzt werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es ist schon ein paar Jahre her, dass die Verdi-Jugend am Geländer des Vilsstegs beim Biotop im Stadtgraben eine Gedenktafel für den 1995 ermordeten Klaus-Peter Beer anbrachte. Die Tafel klebte nicht lange dort, vermutlich Rechtsradikale rissen sie schnell wieder ab. Jetzt soll das Gedenken an den wegen seiner sexuellen Gesinnung umgebrachten Beer auch von offizieller Seite gefördert werden. Einstimmig beschloss der Stadtrat am Montag, am bereits vor einiger Zeit dort aufgestellten Wegweiser für die Prinzipien unserer freiheitlich-demokratischen Grund- sowie unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung eine entsprechende Gedenktafel anzubringen.

Zum Hintergrund der Wegweiser am Vilssteg

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Folgender Text ist für diese Tafel vorgesehen: „Am 07. September 1995 starb an dieser Stelle Klaus-Peter Beer. Er wurde aufgrund seiner sexuellen Orientierung Opfer einer rechtsextrem motivierten Gewalttat. Dieser Mord gemahnt uns, für die im Grundgesetz festgeschriebenen Menschenrechte sowie die auf dem nebenstehenden Wegweiser genannten Werte einzutreten und die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen ihre Feinde zu verteidigen.“ Der Stadtrat votierte nicht nur einstimmig für diesen Vorschlag, er lobte einmütig die Idee dahinter, die vor allem von Tanja Dandorfer (Amberger Bunt) forciert worden war.

Rechtsextremismus existiere überall in Deutschland – auch in Amberg, machte CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl seine Position deutlich. "Die Warnung einzelner Aktivisten, dass Amberg ein Hotspot der rechtsextremen Szene sei, ein Ort, an dem sich ein rechtsradikaler Sumpf ausbreite, ist überzogen", ergänzte er. Denn es sei die Gemeinsamkeit aller Demokraten – auch im Stadtrat, die diese Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut in Amberg an den Rand der Gesellschaft dränge. "Auch Parteien, die sich in dieser Richtung betätigen wollen, tun sich in Amberg Dank des aktiven Gegenhaltens der Zivilgesellschaft und der demokratischen Parteien schwerer als anderswo." Dennoch sei die Benennung dieser rechtsradikalen Tat vom 7. September 1995 sehr wichtig und richtig, ergänzte Tanja Dandorfer. Es sei ein Ort zum Nachdenken. "Wir dürfen der Tendenz zur Vernetzung der Rechten keine Chance geben", so Dandorfer.

Mehr zur Ermordung von Klaus Peter Beer

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"Für uns alle sind Werte wie Toleranz und Offenheit selbstverständlich", sagte Claudia Ried (Grüne), die ebenfalls maßgeblich an diesem Projekt beteiligt war. "Deshalb dürfen wir den Rechten keine Bühne geben, sich zu entfalten." Von Martin Frey (Liste Amberg), Birgit Fruth (SPD) bis Manuel Wertner (Freie Wähler) betonten die Stadträte, wie wichtig und gelungen dieses Gedenken an Klaus-Peter Beer sei. "Wir streiten uns zwar gerne in diesem Stadtrat", so Oberbürgermeister Michael Cerny, "aber hier sind wir eindeutig einer Meinung", betonte Michael Cerny die Einmütigkeit aller Demokraten.

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