18.10.2021 - 14:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Tora-Rolle ist zurück in Amberg

Die Rückkehr ihrer Tora-Rolle hat die israelitische Kultusgemeinde Amberg am Sonntag im ACC gefeiert. Sie trug ihre Freude aber auch hinein in die Stadt, als sie danach die Tora, begleitet von Tanz und Musik, in die Synagoge brachte.

von Heike Unger Kontakt Profil

Es war ein Fest unter Freunden, mit dem Ambergs israelitische Kultusgemeinde die Rückkehr ihrer restaurierten Tora-Rolle, der ältesten in Süddeutschland, feierte. Vertreter aus allen Bereichen der Gesellschaft waren dazu ins ACC eingeladen, allen voran Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die als Tora-Patin in ihrer Festrede ein Plädoyer für ein Miteinander und gegen Antisemitismus hielt.

Zwei Gäste rückten besonders in den Blickpunkt: Die ehemalige Amberger Bundestagsabgeordnete und Bürgermeisterin Barbara Lanzinger und der Amberger Kreisheimatpfleger Dieter Dörner erhielten den Wolf-Schlessinger-Preis. Eine Auszeichnung, die die jüdische Gemeinde in Amberg neu geschaffen hat, um Menschen zu würdigen, die sich der gemeinsamen Geschichte und der jüdischen Gemeinde besonders zugewandt haben. Lanzinger tat dies als langjährige, engagierte Begleiterin der Gemeinde und mit ihrem Einsatz für die aufwendige und kostspielige (45.000 Euro) Restaurierung der Tora, Dörner als profunder Kenner und Multiplikator der jüdischen Geschichte der Region, zu der er auch mehrere Publikationen veröffentlich hat.

"Ein Verantwortungsjahr"

Zur mitreißenden Musik der Roman-Kuperschmidt-Klezmer-Band aus Frankfurt und einem großen Büfett mit koscheren Spezialitäten gesellten sich bei der Feierstunde auch nachdenklich stimmende Worte. So gaben in drei Gesprächsrunden, moderiert von Andreas Bönte vom Bayerischen Rundfunk, Experten und Vertreter der israelitischen Gemeinde Einblick in die jüdische Geschichte, aber auch Gegenwart der Region. Zu Wort kamen hier unter anderem auch Gemeindemitglied Tim Kurockin (16), dem im Alltag zwar kein Antisemitismus, wohl aber Fragen begegnen, und Dervis Hizarki, Moslem und Antisemitismus-Experte, der mit Rabbiner Elias Dray in Amberg ein Toleranzzentrum gegründet hat. Eingebunden war die Veranstaltung im ACC in das Jahresprogramm „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Aber was genau ist das eigentlich, fragte Landtagspräsidentin Ilse Aigner – ein „Jubiläumsjahr“? Ein „Veranstaltungsjahr“? Und gab die Antwort gleich selbst: „Ich würde sagen: ein Verantwortungsjahr“, mit dem Ziel, „ein Bewusstsein für deutsch-jüdische Geschichte zu schaffen“.

„Dabei wissen wir, dass es auch sehr dunkle Kapitel in dieser Geschichte gibt“, betonte Aigner. Das Motto eines Bürgerfestes der jüdischen Gemeinde in München, „Jüdisch im Herzen“, hatte ihr so gut gefallen, dass sie es als roten Faden ihrer Rede nutzte. „Über 1700 Jahre haben jüdische Menschen in allen Bereichen – Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft – Herausragendes geleistet und unser Land maßgeblich mitgestaltet und mitgeprägt“, betonte Aigner. Gerade sie hätten einen wesentlichen Anteil an vielem, „was heute typisch bayerisch ist“.

Aigner nannte Beispiele, vom Oktoberfest (elektrische Beleuchtung) bis zur Tracht: „Zwei jüdischen Schneidern, den Brüdern Moritz und Julius Wallach, verdanken wir, dass das Dirndl-Gwand salonfähig wurde.“ Und der Freistaat Bayern sei von einem jüdischen Sozialisten gegründet worden – Kurt Eisner, „ein überzeugter Anhänger der parlamentarischen Demokratie“.

"Jüdisch im Herzen"

Nach 1700 Jahren sei es an der Zeit, dass dieses Land für seine jüdischen Bürger eine „unbedingte und unhinterfragte Heimat“ ist, betonte Aigner: „Dafür übernehme ich als Landtagspräsidentin Verantwortung, als Politikerin, Demokratin und als Mensch“, wofür sie Zwischenapplaus im Saal erntete. Ihr Appell war es, zu feiern – „nicht die schwierige Vergangenheit, sondern eine gute Gegenwart und eine noch bessere Zukunft. Deutschland, Bayern, Amberg waren, sind und bleiben jüdisch im Herzen“.

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