09.04.2020 - 11:08 Uhr
AmbergOberpfalz

Turbulenzen beim Rückflug: Hilfe aus der Heimat für Amberger in Puerto Rico

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Es sollten drei erholsame Wochen im amerikanischen Inselparadies Puerto Rico für drei Familien aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach werden – doch als ihr Rückflug gecancelt wird, wächst die Angst nicht mehr nach Hause zu kommen.

Familie Barth vor dem Supermarkt in Puerto Rico. Immer präsentes Reiseaccessoire: Die Gesichtsmaske.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Es hätte so schön sein können: Drei erholsame Wochen Urlaub im tropischen Regenwald auf der Insel Puerto Rico zwischen Wasserfällen und Palmen – wäre da nicht das Coronavirus und Probleme mit dem Rückflug. Wie vielen deutschen Urlaubern im Moment machte das Coronavirus auch Familie Barth aus Amberg einen Strich durch ihre Urlaubspläne. Heinz Barth erzählt: "Als wir am 07. März hinflogen, war die Lage mit dem Coronavirus noch nicht so dramatisch wie jetzt." Zum damaligen Zeitpunkt gab es zwar erste Coronafälle, aber noch keine Ausgangsbeschränkungen in Europa. Am 07. März landet die private Reisegruppe mit sechs Personen deshalb im amerikanischen Inselparadies in der Karibik.

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Flug um Flug gecancelt

Schon ein paar Tage darauf nimmt das Unheil seinen Lauf: "Unser ursprünglicher Rückflug sollte am 27. März direkt nach Frankfurt gehen. Wenige Tage nach unserer Ankunft in Puerto Rico, bekamen wir dann eine Email, dass der Flug gecancelt wurde." Für die Amberger beginnt die verzweifelte Suche nach Möglichkeiten, wieder nach Hause zu kommen. "Ich habe Stunden in der Warteschleife von Condor verbracht, bis ich mal jemanden erreicht habe. Die Möglichkeiten waren meistens mehr als dürftig. Zuerst sollten wir bis 18. April auf der Insel bleiben, dann konnten wir einen früheren Flug von Puerto Rico über Barbados nach Frankfurt ergattern." Doch auch der Verbindungsflug nach Barbados wird wieder gecancelt. Bezahlen mussten ihn die Barths trotzdem. "Condor hat uns im Stich gelassen", resümiert der 55-Jährige.

"Grenzen komplett dicht"

Die Situation auf der Insel an sich beschreibt Barth als stabil: "Ehrlich gesagt haben wir uns dort sicherer gefühlt als zurück in Deutschland". Zunächst hätten die Familien kaum etwas vom Coronavirus mitbekommen, dann hatte es zwei Fälle auf einem Schiff und zwei Fälle außerhalb gegeben. Erste Veränderungen waren für die Selbstversorger im Supermarkt spürbar: "Allmählich wurden die Regale leerer." Trotzdem hätten die Behörden sofort reagiert, obwohl es kaum Fälle auf der Insel gab: "Im Supermarkt war das wirklich gigantisch. Überall gab es Desinfektionsmittel und Handschuhe und die Mitarbeiter haben permanent alles desinfiziert und gereinigt. Wasser und Klopapier wurden von Anfang an limitiert, damit es erst gar nicht zu Hamsterkäufen kommen konnte." Nach und nach schlossen dann fast alle Geschäfte: "Bis auf Apotheken und Supermärkte, wie bei uns jetzt."

Tausende Kilometer entfernt aber gleiches Bild im Supermarkt: Auch in Puerto Rico leerten sich zu Beginn der Coronakrise die Regale in den Lebensmittelläden.

Das Problem mit dem Rückflug war unterdessen immer noch nicht gelöst. Noch immer wussten die sechs Oberpfälzer nicht, wie sie wieder heim kommen sollten. "Wir haben auch versucht ein Boot oder ein Privatflugzeug zu chartern, dass uns in die Dominikanische Republik bringt, das wäre gut eine Stunde Flugzeit gewesen. Von dort hätte es nämlich Rückholflüge der Bundesregierung gegeben. Aber die Grenzen waren komplett dicht."

Rückholaktion für gestrandete Urlauber

Deutschland & Welt

Unter Bezug auf das Konsulargesetz, § 6 Hilfe in Katastrophenfällen, begann am 16. März eine bislang beispiellose Rückholaktion des Auswärtigen Amtes für deutsche Urlauber aus der ganzen Welt angesichts der Ausbreitung des Coronavirus. Rund 50 Millionen Euro hatte die Bundesregierung dafür zur Verfügung gestellt. Erstmals hatte das Auswärtige Amt auch eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Vor allem aus von Corona betroffenen Ländern mit eingestelltem Flugverkehr, aber auch aus Ländern, bei denen eine angemessene medizinische Versorgung nicht sichergestellt werden kann, sollen Urlauber nach Deutschland zurückgebracht werden.

Noch 40.000 Deutsche sitzen fest

Wie das Auswärtige Amt am Samstag mitteilte, wären bereits rund 200.000 Deutsche zurück auf heimischem Boden. Rund 40.000 deutsche Reisende sollen sich aber noch im Ausland befinden.

Deutschland & Welt

In Neuseeland sitzen zurzeit am meisten Deutsche im Ausland fest –mehr als 12.000 hatten sich nach Angaben der deutschen Botschaft in Wellington wegen der Corona-Krise für das Rückholprogramm registriert. Für die USA und seine Außengebiete, zu denen auch Puerto Rico gehört, gibt es derartige Rückholflüge bis dato nicht, da der reguläre Flugverkehr zumindest eingeschränkt noch stattfindet.

Palmen, Strand und türkisfarbenes Wasser: So schön zeigt sich das Inselparadies Puerto Rico abseits des Coronavirus.

Hilfe aus der Heimat

In ihrer Verzweiflung wenden sich die Barths an ihre Heimat und Oberbürgermeister Michael Cerny. Heinz Barth erklärt: "Wir wussten einfach nicht mehr was wir machen sollten, deshalb nahmen wir Kontakt mit der Heimat auf." Auf die Unterstützung von Oberbürgermeister Cerny und Politiker Alois Karl (CSU) konnten sich die Familien verlassen: "Die haben dann Kontakt mit den Botschaften aufgenommen und versucht uns rauszuholen. Es war einfach ein unglaublich gutes Gefühl, zu wissen, dass man Unterstützung von daheim bekommt – obwohl man viele tausend Kilometer entfernt ist." Schließlich telefoniert Heinz Barth mit der deutschen Botschafterin beim Konsulat in Miami, die machte eins klar: "Gelangen sie so schnell wie möglich runter von der Insel und auf das amerikanische Festland." Nur so hätten die Barths noch eine Chance auf einen Heimflug. Kurzerhand fuhren die Familien deshalb am nächsten Morgen zum Flughafen. Sie konnten auf einen Flug nach Newark in New Jersey gebucht werden.

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Sulzbach-Rosenberg

Ohne Anschlussflug oder Hotel landeten die Barths nun im Epizentrum der amerikanischen Coronakrise. Immerhin rund 93.000 – und damit die meisten Cornona-Fälle in den USA – meldet der Bundesstaat New York (Stand: 6. April). Gleich dahinter auf Platz zwei: Der Bundesstaat New Jersey. Dort wurden rund 26.000 Infektionen gemeldet. Insgesamt sind in den Vereinigten Staaten rund 250.000 Menschen an Covid-19 erkrankt, fast 10.000 Menschen sind in den USA daran verstorben. Am Montag war erstmals ein Tiger in einem New Yorker Zoo positiv auf das Virus getestet worden.

Tiger erkrankt an Coronavirus

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Keine Kontrollen am Flughafen

Während eines der drei Paare noch zwei Plätze in einem Flug nach München ergattert, stecken die Barths immer noch fest: "Die mussten über 5000 Euro für den Flug zahlen, wir sind dann erstmal ins Hotel." Am nächsten Morgen dann die erleichternde Nachricht: Beide Familien können auf einen Flug nach Frankfurt über Dublin gebucht werden. Einen Tag früher als ursprünglich geplant kommen die Barths schließlich wieder in ihrer Heimat an. "Überrascht hat uns allerdings, dass am Frankfurter Flughafen wenig zu spüren war vom Coronavirus. Auf dem Weg vom Flugzeug zum Flughafen waren alle Fluggäste in den Bus gequetscht. Bei der Passkontrolle hieß es dann wieder Abstand halten. Fragen zu unserem Aufenthaltsort oder Gesundheitszustand hat es dort aber auch nicht gegeben."

Die Polizei patroullierte auf den Straßen von Puerto Rico.

Am schlimmsten an der Situation sei die Ungewissheit gewesen: "Wir wussten ja nicht wann und wie wir wieder nach Hause kommen. Deshalb möchten wir uns wirklich aus ganzem Herzen auch bei Herrn Cerny und Herrn Karl für Ihre Hilfe bedanken." Aber auch die finanzielle Belastung ist für die Familie enorm: "Wir haben 1600 Euro für unsere ursprünglichen Flüge bezahlt und 2600 Euro nun zusätzlich zu dem Rest, obwohl viele Flüge ja gecancelt wurden." Die turbulente Rückreise der Familie Barth steht aktuell sicher stellvertretend für viele geplatzte Urlaubsträume und Flugreisen, die wegen des Coronavirus wahre Turbulenzen entwickelten.

Info:

Wer im Ausland als deutscher Urlauber gestrandet ist, für den ist erster Ansprechpartner in der Regel der Reiseveranstalter oder das Auswärtige Amt. Genaue Informationen zur aktuellen Situation im Urlaubsland sowie Krisen-Hotlines findet man auf den Internetauftritten der jeweiligen Botschaften. Sollte es keine Flugverbindungen mehr geben, können sich deutsche Urlauber auf der Website der Rückholaktion registrieren und so ihren Rückholwunsch vor dem Auswärtigen Amt zum Ausdruck bringen. Derzeit gibt es für 58 Länder organisierte Rückholflüge. Weitere sind in Planung. Auch wenn niemand in Vorleistung gehen muss, müssen sich zurückgeholte Urlauber an den Kosten für den Flug beteiligen. Grundsätzlich empfiehlt sich bei allen Aufenthalten im Ausland eine Eintragung in die Krisenvorsorgeliste Elefand (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland).

Liste mit den Botschaften aller Länder

FAQ zur Rückholaktion des Auswärtigen Amtes

Website zur Registrierung für die Rückholaktion

Website zur Eintragung in die Krisenvorsorgeliste (Elefand)

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