30.06.2021 - 12:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach dem Unwetter: Feuerwehr holt gestrandete Passagiere aus defektem Zug

Das Unwetter vom Dienstagabend wird einigen Bahn-Passagieren wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben: Sie saßen rund zwei Stunden in einem Zug bei Traßlberg fest.

Zwei Stunden saßen sie am Dienstagabend im havarierten Regionalzug bei Traßlberg fest - dann durften die Passagiere mit Hilfe der Feuerwehr aussteigen und wurden zum Bahnhof nach Amberg gebracht.
von Heike Unger Kontakt Profil

Durch Sturm umgeworfene Bäume auf Bahngleisen sind für die Feuerwehren im Landkreis Amberg-Sulzbach längst nichts Ungewöhnliches mehr – dass sie einen Zug evakuieren müssen, aber schon: Dieser ungewöhnliche Einsatz war einer von rund 200 in der Region in Folge des Unwetters am Dienstagabend. Die Gewitterfront, die gegen 19 Uhr von Südwesten kommend über den Landkreis hinwegzog, legte mit kräftigen Sturmböen etliche Bäume um und blockierte damit auch die Bahnstrecke Nürnberg–Amberg im Bereich von Traßlberg (Poppenricht) bis in den frühen Morgen.

Ein Regionalzug, unterwegs von Nürnberg nach Regensburg, hatte hier "mehrere Bäume erwischt", die der Sturm auf die Gleise geworfen hatte, wie Kreisbrandinspektor Christof Strobl berichtete. Bei der Kollision sei der Zug beschädigt worden. Wegen Druckluftverlusts, der die Bremsen beeinträchtigt, habe er danach nicht mehr weiterfahren können. Für die 29 Passagiere im Zug bedeutete das erst einmal eine längere Zwangspause auf freier Strecke. In solchen Fällen werde ein Notfallmanager der Deutschen Bahn eingeschaltet, sagte Strobl. In Absprache mit ihm sei dann vereinbart worden, den gestrandeten Zug zu evakuieren. Diese Aufgabe übernahm die Feuerwehr Traßlberg.

Zwei Stunden Zwangspause

Als diese die 29 Passagiere aus dem havarierten Zug holte, hatten die schon eine rund zweistündige Zwangspause hinter sich. Entsprechend dankbar seien die Menschen gewesen, als die Feuerwehr sich um sie kümmerte. Tatsächlich waren die Passagiere gar nicht weit weg von Traßlberg gestrandet. Allerdings musste die Feuerwehr ihnen erst einmal einen Weg durchs Unterholz freischneiden und auch eine kleine Behelfsbrücke über einen Wassergraben bauen, damit sie den defekten Regionalzug verlassen konnten. Dann durften sie im Mannschaftstransportfahrzeug der Feuerwehr weiterreisen, wenn auch nur ein kurzes Stück, bis zum Bahnhof in Amberg. Besonderes Pech hatte eine Frau, die eigentlich schon in Sulzbach-Rosenberg und damit noch vor der späteren Unfallstelle aussteigen wollte, diesen Halt aber verschlafen hatte – und deshalb dann zwei Stunden bei Traßlberg festsaß.

Die Pressestelle der Bahn konnte aufgrund der vielen Vorfälle, die ihr das Unwetter am Dienstagabend in ganz Süddeutschland bescherte, keine detaillierten Angaben zu dem bei Traßlberg havarierten Zug machen. Im Bereich Amberg-Sulzbach seien zwei Bahnstrecken betroffen gewesen: Die Strecke Weiden–Neukirchen sei wegen umgestürzter Bäume zwischen 20 und 22 Uhr gesperrt gewesen, auf der Strecke Neukirchen–Schwandorf, auf der der havarierte Zug unterwegs war, dauerte es sogar bis 4.50 Uhr, bis sie wieder freigegeben werden konnte. Der Frühverkehr habe dann wieder ohne Probleme funktioniert.

Reparatur auf dem Bahngleis

Wie Christof Strobl mitteilte, wurde abends noch ein Reparatur-Team der Bahn angefordert, um den fahruntüchtigen Zug wieder in Bewegung zu bringen. Dazu sollten Spezialisten der Bahn aus Hof kommen. Bevor die Strecke dann wieder in Betrieb gehen konnte, wurde, wie in solchen Fällen üblich, ein weiterer Zug für eine Kontrollfahrt eingesetzt: Hier steigen dann entsprechend ausgerüstete Kräfte der Feuerwehr ein, die, wenn Äste oder ganze Bäume Teile der Gleise blockieren, diese gleich mit Motorsägen und anderem Gerät entfernen und den Weg frei machen. Diese Aufgabe erledigten am Dienstag Feuerwehrleute aus Neukirchen und Rosenberg. Eine Vorgehensweise, die sich laut Strobl bewährt hat, um Bahnstrecken nach Unwettern schnell wieder befahrbar zu bekommen: Da die Gleise von außen teilweise nur schwer oder gar nicht zugänglich seien, "müssten wir sonst ganze Bahnstrecken zu Fuß ablaufen".

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Die Feuerwehrleute mussten den Passagieren einen Weg durchs Unterholz bahnen und für sie auch eine kleine Behelfsbrücke über einen Wassergraben legen.
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