16.07.2021 - 15:52 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Krankenkassen zahlen wieder Badekur: Sibyllenbad in den Startlöchern

Die ambulante Vorsorgeleistung, früher Badekur genannt, wird wieder zur Pflichtleistung der Krankenkassen. Das haben Bundestag und Bundesrat entschieden. Das hat auch Bedeutung für das Sibyllenbad. Eine wichtige Frage bleibt jedoch offen.

Nach mehreren Monaten Pause kehrt so langsam wieder Normalität im Sibyllenbad ein. Werkleiter Gerhard Geiger erhofft sich nochmals einen Schub bei den Kurgästen, nachdem Bundestag und Bundesrat beschlossen haben, dass ambulante Vorsorgekuren wieder zur Pflichtleistung der Krankenkassen werden.
von Armin Eger Kontakt Profil

Kürzlich hat nach dem Bundestag auch der Bundesrat dem Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) des Bundesministeriums für Gesundheit zugestimmt. Ab wann das greift und Versicherte in ganz Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf einen dreiwöchigen Aufenthalt mit effektiven Präventionsmaßnahmen in einem anerkannten Kurort haben, kann auch Werkleiter Gerhard Geiger vom Sibyllenbad in Bad Neualbenreuth nicht sagen. "Unser Heilbäderverband hat uns das zwar mitgeteilt, aber nichts genaues über den Zeitpunkt."

Kurorte darauf lange gewartet

Die "Wiedereinführung der ambulanten und der stationären Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten", wie es im Juristendeutsch heißt, ist Teil des sogenannten Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes. Deutschlands Kurorte hatten sehnsüchtig auf die Entscheidung gewartet. Als die ambulanten Vorsorgekuren noch Pflichtleistungen waren, profitierten davon Ende des vergangenen Jahrhunderts jährlich rund 900 000 Menschen. 2020 waren es dagegen bundesweit noch 11 500. Das ist ein Rückgang von fast 99 Prozent.

"Drei Wochen wieder Kur, das macht Sinn", sagt Geiger. Die Krankenkassen würden die Kur allerdings nicht komplett zahlen und die Leute müssten Urlaub nehmen. Bei einer sogenannten "ambulanten Vorsorgeleistung" übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten für ärztliche Behandlungen und für die vom Arzt verordneten Medikamente sowie für Anwendungen wie Bäder, Massagen und andere Therapieangebote. Unterkunft, Verpflegung, Kurtaxe und Anreise müssen selbst bezahlt werden.

"Entscheidung ein großer Schritt"

"Wir stehen bereit", sagt der Werkleiter, der allerdings auch weiß, das der große Run nicht von heute auf morgen kommen wird. Bis das bei den Kassen gelandet ist und die Versicherten sensibilisiert sind, werde es dauern. Der Heilbäderverband werde sicher nochmals auf die Ärzte zugehen. "Die Entscheidung ist ein so großer Schritt, wie wir ihn schon lange nicht mehr gehabt haben", so Geiger.

Mehr als zwei Jahrzehnte hätten die Bemühungen von Heilbädern, Politikern und Medizinern gedauert, bis das Comeback der Kuren unter Dach und Fach war. Bisher war es der individuellen, und bisweilen schwer nachvollziehbaren Entscheidung der Kassen überlassen, ob sie einem Kur-Antrag zustimmen oder ihn ablehnen. Das soll jetzt bald anders sein. "Vorsorge und Fitness sind wichtig, wenn man bis 67 arbeiten muss", erklärt der Werkleiter. "Das Geld der Krankenkassen ist gut investiert."

Sibyllenbad für Kurgäste bereit

Die Kapazitäten für die kommenden Kurgäste seien im Sibyllenbad auf jeden Fall vorhanden. Bisher seien die Besucher im Schnitt zwei bis drei Wochen geblieben, die durchschnittliche Übernachtungsdauer in Bad Neualbenreuth sei bei etwa fünf Tagen gelegen. "Das war in den vergangenen Jahren rückläufig. Viele wären lieber öfter weggefahren und deshalb kürzer geblieben und hätten nur geschnuppert", sagt Geiger. "Ich freue mich auf neue Gäste im Sibyllenbad."

Seit 11. Juni hat das Sibyllenbad nach der Corona-Zwangspause wieder regulär offen. "Manche Gäste sind noch vorsichtig, aber viele freuen sich." Erst kürzlich sei ein Stammgast nach 17 Monaten wieder zum ersten Mal im Sibyllenbad gewesen. "Für die Schmerzpatienten natürlich ganz wichtig, dass sie wieder kommen können."

Für die Versicherten der AOK Nordoberpfalz ändere sich nichts, bestätigt Direktor Jürgen Spickenreuther. "Für uns ist das kein neues Thema, wir machen das sowieso schon. Bei uns stehen Kuren in der Satzung als Ermessungsleistung. Es gibt einen Zuschuss, wenn Kuren medizinisch notwendig sind."

Dass die Bäderkuren jetzt wieder eine Pflichtleistung werden, hätte zur Folge, dass das alle Krankenkassen wieder anbieten müssten. Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen würden im Rahmen ihrer Satzung Zuschüsse als Ermessensleistung geben und auch das was und in welcher Höhe bezuschusst werde, sei unterschiedlich. "Bei einer gesetzlichen Pflichtleistung muss es natürlich eine einheitliche Regelung geben. Vielleicht wird an dieser einheitlichen Vorgabe noch gebastelt", vermutet der AOK-Chef.

Nur 10 Badekuren in diesem Jahr

"In unserer Direktion haben wir seit Jahresbeginn Zuschüsse für etwa 10 Badekuren geleistet. Anfragen gab es etwas mehr, weil Versicherte sich auch ohne medizinische Gründe oder zum Teil für ein verlängertes Wochenende nach Zuschussmöglichkeiten erkundigen", erklärt der AOK-Direktor. Wellness und Kururlaube seien aber für eine Solidargemeinschaft keine begründbare Aufgabe. "Vorsorge- und Badekuren sind dann ein förderlicher Teil eines persönlichen Gesundheitsprogramms, wenn man das ganze Jahr etwas für seine Gesundheit tut", sagt Jürgen Spickenreuther.

Das Sibyllenbad hat wieder geöffnet

Bad Neualbenreuth

„Bei uns stehen Kuren in der Satzung als Ermessungsleistung. Es gibt einen Zuschuss, wenn Kuren medizinisch notwendig sind.“

AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther

AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther

„Vorsorge und Fitness sind wichtig, wenn man bis 67 arbeiten muss. Das Geld der Krankenkassen ist gut investiert.“

Gerhard Geiger, Werkleiter Sibyllenbad

Gerhard Geiger, Werkleiter Sibyllenbad

 

 

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