31.08.2021 - 14:46 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark Bärnau serviert Speisen aus der mittelalterlichen Küche

Auf großes Interesse stieß im Geschichtspark das Thema „Kochen wie im Mittelalter“. In den Hütten wurde in den Töpfen gerührt, die Besucher durften den Köchen über die Schulter schauen.

Antonia und Sebastian Slawik kochen gemeinsam ein Menü. Die 13-jährige Helene aus Meersburg (Mitte) gehört zu einer anderen Mittelalterlichen Küchenmeisterei und hilft am Samstag dem Ehepaar beim Kochen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wie speiste einst Kaiser Karl IV. und was kam im Mittelalter auf den Mittagstisch? Spannende Einblicke auf diese Fragen bekamen Wochenend-Besucher im Geschichtspark.

Erkenntnis Nummer eins: Essen im Mittelalter war keineswegs nur eine Sache der Nahrungsversorgung. Unsere Vorfahren wussten ebenfalls zu speisen wie "Gott in Frankreich". Manches, was heute beim Boom um die sogenannten Wildkräuter der Renner ist, war damals verpönt. "Brennnesseln, Gänseblümchen oder Löwenzahn hat keiner gegessen", erklärt Sebastian Slawik. Außer, es sei Krieg gewesen oder eine Hungersnot.

Menü aus dem 16.Jahrhundert

Der junge Mann und seine Frau, Antonia Slawik betreiben seit einigen Jahren eine mittelalterliche Küchenmeisterei als Hobby. Das Paar aus Münster ist dankbar, im Geschichtspark authentische Voraussetzungen für Show-Cooking gefunden zu haben. "Das Glück haben wir selten", so Slawik. Die Köche haben sich für ein Menü aus dem 16 Jahrhundert entschieden. Am Herd flackert das Feuer, Antonia Slawik rührt Waffelteig an. "Bei uns gibt es Ochsenzunge, Erbsenmus, Pilzsuppe sowie Waffeln mit Pfeffer und ohne", erzählen sie. Was nicht auf den Tisch kommt: Kartoffeln, Tomaten und Mais. "Die gab es damals nicht", lautet die Erklärung.

Kochen auf offener Flamme verlangt einiges an Geschick, um die Temperatur zu halten. "Deshalb war der Küchenmeister auch sein eigener Feuermeister", sagt Sebastian Slawik einem Zuschauer, der die Hygiene anspricht, wenn gleichzeitig Holz gespalten und auf dem Feuer gekocht wird. Slawik klärt auf, hier werde nur zur Schau gekocht und nichts von den Speisen unter den Zuschauern ausgeteilt.

Gewürze wochenlang unterwegs

Während der Koch das eiserne Waffeleisen vorbereitet, zählt seine Frau die Rezeptzutaten auf. "Mehl, Salz, Pfeffer und statt Milch Rosenwasser." Wie viel von jedem? "Das geht nach Gefühl. Wir haben keine Waage", sagt sie. Beim Fleisch seien wesentlich mehr Teile von Tier wie die Zunge verarbeitet worden, hat Sebastian Slawik aus Überlieferungen erfahren. Geduldig erklärt er alles mehrmals, in der Küche ist ein reger Wechsel an Zuschauern. Über den Fernhandel hätten die Hausfrauen Pfeffer und anderes bekommen. "Wenn auch die Gewürze ausgelaugt ankamen, weil sie unversiegelt wochenlang transportiert wurden, waren sie begehrt." Gesüßt wurde mit Honig.

Zum Thema Modetrends erzählt Slawik von den reichen Leuten, die "helles Essen", als schick bevorzugten. Wie zum Beispiel Marzipan. Gekocht wurde saisonal, was die Ernte hergab. Gemüse- und Obstsorten seien bitterer als heute gewesen. Die Rezepte nehmen die Slawiks aus alten Überlieferungen. Antonia Slawik kann die Sprache aus einem uralten Kochbuch lesen. "Das ist ein Faksimile", lacht sie auf die Frage, wo sie diesen Schmöker aufgetrieben hat.

Erste Waffel etwas verbrannt

Sebastian Slawik bläst ins Feuer, damit es lodert und startet mit dem Waffeleisen den ersten Versuch. Es dauert, am offenen Herd gart das Essen langsam. Die erste Waffel schaut etwas verbrannt aus. "Schmeckt recht ordentlich", urteilt der Koch und geht zu Versuch Nummer zwei über. Seine Frau hat ihm einen großen Topf hingestellt. Bis zum Abend, wenn die Darsteller-Freunde gemeinsam ihre Ergebnisse aus dem mittelalterlichen Show-Cooking essen, muss die Schüssel mit Waffeln wie aus dem 16.Jahrhundert voll sein.

Viele Besucher zog vor kurzem auch das "Lebendige Mittelalter" an

Bärnau
Hintergrund:

Waffelrezept aus einem alten Kochbuch

  • Ein Kilo Mehl, 250 Gramm Zucker, Rosenwasser nach Bedarf, 125 Gramm geschmolzene Butter und sechs Eier.
  • Bei einer Pfeffer-Variante wird auf die die Eier verzichtet

 

 

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