30.07.2021 - 11:26 Uhr
Bärnhöhe bei FriedenfelsOberpfalz

Mohnblüte im Steinwald lockt Menschen und Scharen von Insekten

Der Durchbruch ist längst geschafft mit dem Anbau von Bio-Mohn im Steinwald. Nun soll das wertvolle Lebensmittel gut vermarktet werden. Eine große Biobäckerei hat Interesse angemeldet.

Bio-Landwirt Josef Schmidt kontrolliert täglich den Stand im Mohnfeld. Er ist zufrieden. Jedoch verzögere sich heuer wegen des kalten Frühlings die Ernte um ein paar Wochen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Rosarote Mohnblüten auf dem Feld bei Bärnhöhe so weit das Auge reicht. Ein Anblick, dem keiner widerstehen kann. Viele halten mit ihren Autos an, um sich an dieser Schönheit satt zu sehen. Andere kommen bewusst mit ihren Fotoapparaten, oftmals schon in den Morgenstunden, um die Mohnblüte abzulichten. Es gibt allerdings auch solche, die meinen, die Mohnblüte sei Allgemeingut und könnte für den Privatgebrauch gepflückt oder gar ausgerissen werden.

Das ist der Moment, an dem Mohnanbauer Josef Schmidt grantig wird. „Eine Frau hat auf einem Feld in Friedenfels Mohn gepflückt und sich damit auch noch im Internet groß dargestellt“, erzählt er. Sie sei aufgefordert worden, den Eintrag zu löschen. Weil sie das nicht tat, habe sie nun eine Anzeige an der Backe. Unabhängig davon, dass es eindeutig Diebstahl sei, sorgt sich Schmidt wegen der Nachahmer, die denken würden, sie könnten auch munter Mohnblüten ausreißen.

Heuer spät dran

Stichwort Mohn als Rauschmittel: „Es gibt nur drei Mohnsorten für den Lebensmittelanbau. Deren Opiatgehalt ist derart gering, dass es sich für Rauschgiftkonsumenten nicht lohnt, ihn zu holen“, erklärt Schmidt. Der Mohnanbau sei streng überwacht. 16 Hektar werden über die Steinwald-Allianz und die Güterverwaltung Friedenfels bearbeitet. Josef Schmidt, der als Pionier das erste Mohnfeld weit und breit betrieben hat, schaut sich auf seinem eigenen Feld hoch oben auf der Bärnhöhe den Blütenstand an. „In diesem Jahr sind wir spät dran“, sagt er. Schmidt rechnet mit einer Ernte erst im September. Das nasse und kühle Wetter hat dem Mohn nicht gefallen. „Er wird in Afghanistan angebaut. Daran sieht man, wie sonnen- und wärmehungrig er ist“, erklärt der Fachmann.

Im Bio-Anbau wird im Steinwald ein äußerst wertvolles Nahrungsmittel hergestellt - mit 60 Prozent Öl-Anteil für alles Mögliche in der Küche verwendbar. Was Vegetarier und Veganer interessieren dürfte: Josef Schmidt berichtet von einem Bundesforschungsprojekt an der Universität Bonn über die Proteinstruktur im Mohn; sie sei hochwertiger als bei Soja. Die Forschung sei noch nicht abgeschlossen, so Schmidt, der sich einen Durchbruch für den Mohn als bestes Bio-Nahrungsmittel außerhalb des Mohnkuchens erhofft.

Apropos Mohnkuchen: Das leckere Gebäck war es, das Josef Schmidt zum Pionier im bayerischen Mohnanbau machte. Auf die Frage zur Idee, ein Feld anzulegen, überlegt er nicht lange und sagt: „Ich esse leidenschaftlich gern Mohnkuchen.“ Außer dem Mohnkuchen gibt es natürlich viele andere Gründe für den Landwirt, vor allem in Sachen Bio-Anbau.

Gesund ernähren

Schmidt erzählt, er versuche bereits sein Leben lang, sich weitgehend gesund und biologisch zu ernähren. „Ich will wissen, was ich esse.“ Das habe ihn dazu bewogen, als Landwirt die Ernährungsfrage selbst in die Hand zu nehmen. Josef Schmidt plädiert am Beispiel seines Mohnfeldes leidenschaftlich zum sofortigen Umbau der Landwirtschaft in Richtung Bio-Produktion. Das sei keine Neuerfindung, Bio-Anbau hätten die Vorfahren immer betrieben, und das habe sich bewährt. Aber seit gut 50 Jahren werde den Bauern die falsche Strategie eingeredet, jetzt kämen sie nicht mehr aus dem Hamsterrad. „Die Landwirte brauchen für ein Umdenken Hilfestellung aus der Politik.“

Beim Bio-Mohn sind die Steinwald-Allianz und die Güterverwaltung Friedenfels, deren Mohnfelder Schmidt betreut, auf dem besten Weg, die Vorstellungen des Bio-Verfechters zu erfüllen. „Das hat sich steil nach oben entwickelt“, freut es ihn. Was die Biodiversität angeht, habe der Mohnanbau eine Eins mit Stern verdient. In den Blütenständen brummt und summt es - wie früher auf den schönen Blumenwiesen, die es leider nicht mehr gebe. Hummeln, Wildbienen, Honigbienen, Schwebfliegen, Insekten aller Art: Die Artenschützer seien bei einer derartigen Fülle hellauf begeistert. Herausgefunden worden sei eine hohe Dichte an Schwebfliegen. Wo Flora und Fauna gedeihen, sei der Mensch mit Verantwortungsbewusstsein für Natur- und Umweltschutz nicht weit: Eine Bio-Großbäckerei in Bad Staffelstein habe großes Interesse am Bio-Mohn, berichtet Landwirt Josef Schmidt, der den Steinwald rosarot erblühen lässt.

Kürzlich informierten sich Bio-Landwirte bei einem Stammtisch

Seidlersreuth bei Falkenberg

„Ich will wissen, was ich esse.“

Bio-Landwirt Josef Schmidt

 

 

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