05.09.2021 - 10:37 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Ausgleichsmaßnahmen für Schafhof-Ost laufen an

Auf der einen Seite steht die Erweiterung des Gewerbegebietes Schafhof-Ost. Auf der anderen Seite müssen dafür Ausgleichsflächen geschaffen werden. Dabei ist die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes mit eingebunden.

Für das Gewerbegebiet Schafhof-Ost werden derzeit Ausgleichsflächen angelegt. Unter anderem sind in einem Biotop-Gehölz auch viele Nistkästen und Sommerquartiere für Fledermäuse aufgehängt worden. "Es soll ein sich der Natur überlassener Bereich werden", sagte Bürgermeister Erich Meidinger.
von Paul BöhmProfil

Die Gemeinde Ebermannsdorf realisiert aktuell die vereinbarten Ausgleichsmaßnahmen für den Bauabschnitt I des Industrie- und Gewerbegebietes Schafhof-Ost. Eingebunden in Umsetzung der Maßnahme ist auch Heinz Nefe von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Amberg Sulzbach. Für die Errichtung des Industrie- und Gewerbegebietes Schafhof-Ost musste eine Waldfläche aus mittelalten Kiefern und Fichten gefällt werden. Auf der Ausgleichsfläche wurden 20 alte Bäume ausgesucht, die sich zu Biotopbäumen entwickeln sollen. Wie Bürgermeister Erich Meidinger informierte, wurden der Standort der Biotopbäume wurde so gewählt, dass keine Verkehrssicherungsmaßnahmen erforderlich werden und die Bäume bis zu ihrem natürlichen Lebensende verbleiben können und somit auch danach noch einen aktaktiven Lebensraum für andere Lebewesen darstellen. Auch Nistkästen für Fledermäuse wurden im gemeindeeigenen Wald bereits angebracht, um auch den nachtaktiven Säugetieren ein neues Zuhause zu schaffen.

Generell sei es so, dass in Wäldern mit mittelalten Kiefern und Fichten immer wieder einmal Nadelbäume absterben, bei denen sich später die Rinde vom Baumstamm ablösen kann. Ein solcher Waldbestand befand sich auf dem Areal, das nun das neue Industrie- und Gewerbegebiet Schafhof-Ost beinhaltet. Wenn die Borke etwas vom Holz absteht, entstehen zwischen Stamm und Borke kleine Nischen und Hohlräume. Darin verstecken sich mitunter Fledermäuse, zum Beispiel die häufige Zwerg- oder die nah verwandte Rauhautfledermaus. Weitere Bewohner solcher Quartiere oder Tagesverstecke sind unter anderem Bartfledermäuse oder die Mopsfledermaus, die bevorzugt diese Rindenverstecke aufsucht. Allerdings haben die Fledermausquartiere hinter Rindenstücken keine lange Lebensdauer. Nach einigen Wochen oder Monaten fällt die Rinde ab und die Fledermäuse suchen ein anderes Versteck auf. Dies ist einer der Gründe warum Fledermäuse viele Verstecke und Quartiere kennen und benötigen. Allerdings sind in den meisten bewirtschafteten Wäldern Fledermausquartiere nur in geringer Zahl vorhanden. Größere Baumhöhlen, deren Hohlraum nach oben ausgefault ist und die deshalb besonders gut geeignete Fledermausquartiere darstellen, sucht man meistens vergebens. Das war im Bereich des Industriegebiets Schafhof-Ost nicht anders. Für die wenigen Fledermaus-Verstecke hinter Baumrinde muss dennoch ein Ersatz geschaffen werden.

50 Fledermauskästen aus Holzbeton

Wie der Bürgermeister sagte, hat die Gemeinde Ebermannsdorf veranlasst, dass von einem Biologen 50 Fledermauskästen aus Holzbeton im gemeindeeigenen Wald südlich des Standortübungsplatzes Freihöls angebracht werden. In der Regel werden pro möglichem oder tatsächlichem Fledermausquartier drei bis fünf Fledermauskästen aus Holzbeton unterschiedlicher Bautypen als Ersatz benötigt. Meistens werden ein Flach-, ein Großraumkasten und eine Höhle mit mehrfacher Vorderwand nahe beieinander kombiniert, raten die Experten.

Obwohl diese Kästen sehr kleine und genau auf Fledermäuse ausgelegte Öffnungen haben, gibt es viele Konkurrenten.

Brandmäuse, Siebenschläfer oder Wespen und Hornissen nisten sich ebenfalls gerne in den Kästen ein. Auch kleine höhlenbrütende Vogelarten wie Blau- oder Tannenmeise zwängen sich durch die kleinen Spalten und bauen im "falschen" Kasten ihre Nester. „Daher ist es erforderlich zunächst ein Überangebot an Höhlen und Verstecken anzulegen, damit für die konkurrenzschwachen Fledermäuse noch etwas frei bleibt“, sagte der Bürgermeister. Haben die nächtlichen Flugakrobaten einmal einen Kasten bezogen, bleiben sie diesem häufig viele Jahre treu und suchen ihn regelmäßig auf. Sei es am Zug ins Winterquartier, als Wochenstube oder als Tagesversteck während des Sommers.

Zauneidechse und Laichgewässer

Die ersten 20 Kästen wurden vor kurzem an Bäumen befestigt. Die weiteren folgen sobald die bestellten Kästen eingetroffen sind. Wegen der hohen Nachfrage haben die wenigen Hersteller in Europa lange Lieferzeiten. Auf diese Weise werden neue und dauerhafte Quartiere für Fledermäuse angeboten, die in unseren Wirtschaftswäldern die wenigen natürlichen Verstecke in Bäumen aufsuchen.

Weitere Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz und Erhalt von Flora und Fauna werden von der Gemeinde Ebermannsdorf nach und nach umgesetzt. Unter anderem werden Aufforstungen zur Entwicklung von naturnahen Waldgebieten getätigt, ein Extensivgrünland auf einem Acker geschaffen, sowie Habitate für die Zauneidechse und Laichgewässer für den Moorfrosch neu gestaltet.

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Info:
  • Biotopbäume sind Bäume mit besonders starke Stämmen, breiten Kronen oder dickeren, abgestorbenen Ästen.
  • Sie bieten einen besonderen Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse, Pilze, Flechten- oder Moosarten und sind somit besonders wertvoll für eine vielfältige Natur.
  • Solche ausgewählten Bäume wurden durch Markierungen bereits im Frühjahr festgelegt, mit Plaketten versehen, sowie über GPS-Koordinaten erfasst.
  • Stellenweise werden noch andere Bäume entfernt, damit sich die zukünftigen Biotopbäume ohne nahe Konkurrenten besser entfalten können.
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