14.04.2021 - 16:16 Uhr
EschenbachOberpfalz

Theaterspieler im Landkreis Neustadt haben "Entzugserscheinungen"

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"Da ist schon eine Lücke." Carmen Longares-Ulrich ist wehmütig. "Theaterspielen ist mein Hobby, das ich im Moment nicht ausüben kann." Nicht nur der Darstellerin vom Theaterverein Eschenbach geht es so.

Die Komödie „Wir sind dann mal weg“ (Bild) aus dem Jahr 2017 war das letzte Stück, das der Theaterverein Eschenbach vor Publikum aufführte. Im vergangenen Frühjahr machten Corona-Pandemie und Lockdown Mitwirkenden und Helfern kurz vor der Premiere einen Strich durch die Rechnung.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Corona hat die Laientheater in eine lange Zwangspause geschickt. "Ohne Theaterspielen ist eine leere Stelle in meinem Leben entstanden": Riita Michelson vermisst "unsere tolle Theatergruppe, die Probezeit, wo wir alle unsere Ideen mitbringen können, und die aufregende Spielzeit, ebenso das gute Gefühl nach einem gelungenen Stück".

Und Christiane und Martin Höchtl betonen: "Es fehlt etwas, was man gerne macht." Neben dem Miteinander und dem Zusammenhalt ist das für die beiden vor allem: "Menschen unterhalten und diese in eine, wenn auch zeitlich begrenzte, andere Welt mitnehmen. Einfach vom Alltag ablenken." 

Genau das hatten sie und die anderen Darsteller des Theatervereins Eschenbach vor einem Jahr auch noch vor. Die Generalprobe stand an, wenig später - am 21. März 2020 - die Premiere. Doch "Meine Frau, die Wechseljahre und ich" schaffte es nicht mehr auf die Bühne. "Wir sind mit dem Lockdown knallhart erwischt worden", erklärt Elke Müller, die Vorsitzende des Theatervereins Eschenbach. Und fügt hinzu: "Wir haben einiges an Geld in den Sand gesetzt" - und zwar nicht nur für die Werbung.

Denn bedingt durch den Verkauf des Pfarr- und Jugendheimes waren für die beiden geplanten Aufführungen Alternativen gefragt. "Wir haben in Privaträumen geprobt", erzählt Müller. Und für die Vorstellungen sollte es in ein Ausweichquartier gehen: Für das Gastspiel "beim Scherm-Karl" war eine Bühne "ausgeliehen, hertransportiert und aufgebaut" worden. Doch schon zu einer letzten Probe darauf kam es nicht mehr: Die Bühne blieb leer - zum 17. März kam der Lockdown.

Der Theaterverein befand sich daraufhin in einer schwierigen Lage: "Wir waren zu Gast in dem Saal und hatten ein bestimmtes Zeitfenster, wo die Bühne stehen bleiben konnte", blickt die Vorsitzende zurück. Beides musste jedoch mehr als ausgereizt werden: "Erst im Sommer, als sich wieder mehr Menschen treffen durften", haben Helfer die Bühne "abinstalliert und rückgebaut", berichtet Müller.

Alles "auf Eis gelegt"

Das Ensemble hatte da eigentlich anderes vor: Das gleiche Stück sollte als Freilufttheater aufgeführt werden. Anfangs sei man noch optimistisch gewesen, erklärt die Chefin: "Es hat ja keiner ahnen können, dass sich das so lange zieht." Seit über einem Jahr aber tue sich nun "gar nichts mehr", spricht sie davon, dass das Vereinsleben "brachliegt": "Und dabei sind wir eigentlich eine rege Truppe mit reger Gemeinschaft und Zusammenarbeit."

"Wie es weitergeht, kann ich nicht sagen", macht Müller deutlich. "Das ist ja für alle eine besondere Situation." Aber sie hofft, dass es "wieder möglich ist und auch gelingt", das Vereinsleben aufzunehmen und Theateraufführungen anzubieten. Mit "Meine Frau, die Wechseljahre und ich" haben die Theaterfreunde das Stück dafür bereits parat.

Ideen für neue Aufführungsstätte

"Die Aufführungsrechte sind gekauft und bezahlt", informiert die Vorsitzende, "wir können das Ganze wieder aktivieren". Selbst wenn dasselbe Ensemble - "wir sind immer so zwischen sechs und zehn Mitspieler" - mit an Bord sei, gelte es erst einmal, Proben aufzunehmen: "Es ist ja nicht so, dass man alles gleich wieder auf dem Schirm hat."

Und dann stellt sich noch die Frage nach der Aufführungsstätte. "Es hat sich überhaupt nichts getan", sagt Müller dazu. Es sei "über so viele Sachen geredet worden, aber weder das Eine noch das Andere ist Realität", spricht sie etwa das neue Pfarrheim oder eine Stadthalle an. "Gut, dass wir uns nicht festgelegt haben." Aber die Vorsitzende ist - nicht zuletzt wegen ihrer engagierten Truppe, der ihr großer Dank gilt - zuversichtlich: "Ich habe schon ein paar Ideen." Die hat auch Gabi Strauß. Denn: "Vielleicht geht ja im Sommer was", hofft die Chefin der Theatergruppe Kirchenthumbach und spricht - auch im Namen ihrer Darstellerkollegen - von "Entzugserscheinungen". "Alle würden gerne wieder zur Normalität zurückkehren und spielen." Das Ensemble vermisse die Bühne und sei wegen der Zwangspause traurig.

"Deswegen wollen wir uns regelmäßig virtuell treffen", teilt Strauß mit. Weil reale Zusammenkünfte nicht möglich seien, soll alle sechs Wochen online der Kontakt gepflegt werden. Dabei solle auch überlegt werden, "was können wir auf die Beine stellen - alternativ für 2022 -, wenn es noch nicht so laufen kann, wie es normalerweise wäre". Denn die Vorsitzende ist pessimistisch: "Heuer wird wahrscheinlich gar nichts" möglich sein, meint sie. Und ob im nächsten Jahr ein "großes klassisches Theater" mit 160 bis 200 Zuschauern im Pfarrheim schon wieder geht? Strauß meldet auch daran Zweifel an.

Für November 2020 war ein Krimidinner geplant, das Werk "schon ausgesucht, die Schauspieler akquiriert", berichtet die Vorsitzende. "Zuvor wollten wir noch im Sommer was Kleineres machen. Zuerst haben wir uns noch Hoffnungen gemacht", aber dann habe es sich "sehr schnell abgezeichnet", dass es damit "nichts werden wird". Befürchtungen, dass durch die erzwungene lange Auszeit Mitwirkende abspringen, hat die Chefin der Theatergruppe nicht: "weil alle sehr aktiv waren" und für einen Einsatz bereit gestanden seien. Pro Stück bestehe das Grundensemble aus 8 bis 13 Darstellern, hinzu kämen "3 bis 5 Personen hinter der Bühne" und "zusätzliche Helfer".

Von der Karrierefrau bis zum Mütterchen

Gefragt, was ihr am Theaterspielen am meisten gefällt, gerät Gabi Strauß ins Schwärmen: "Ich liebe das Theater von Kindesbeinen an", erzählt sie. Ob als Darstellerin oder Zuschauerin: "Das ist Entspannung und ein toller Ausgleich zum Beruf." Der Reiz bestehe darin, "in komplett andere und unterschiedliche Rollen zu schlüpfen - von der Karrierefrau bis zum alten Mütterchen - und sich darin zu bewegen": "Das macht einfach unbändigen Spaß."

Carmen Longares-Ulrich sieht das genauso: "Theaterspielen     ist nicht nur Text lernen, sondern eine Rolle ausfüllen, die man     normalerweise im Alltag nicht ist." Darum geht es auch Elke Müller - und um noch mehr: "Die Möglichkeit, sich gedanklich in unterschiedlichste Rollen zu versetzen, diese für die Gruppe passend zu besetzen, Regie zu führen, gemeinsam Ideen zu sammeln, zu probieren und ausgefeilt umzusetzen" - all das lockt sie auf und hinter die Bühne. Und so ist sie bereits seit 1981 "mehr oder weniger aktiv": "Damals bin ich als 15-Jährige zufällig als Ersatz und Notlösung eingesprungen - und seitdem dabei. Es lässt mich nicht mehr los."

Gabi Strauß ist ebenfalls seit den Anfängen als Darstellerin in Kirchenthumbach mit von der Partie. Theater gespielt hat sie aber zuvor schon mal: "Weil es mir bereits damals so gefallen hat, habe ich als Kind selbst mal ein Stück geschrieben, mit Freundinnen eingeübt und bei uns in der Garage aufgeführt."

Ihre große Leidenschaft macht sich auch dann bemerkbar, wenn sie nicht selbst auf den Brettern, die die Welt bedeuten, steht, sondern im Publikum sitzt: "Ich gehe mit anderen Augen ans Theater ran", sagt sie. So passt Gabi Strauß etwa bei einem Dialog genau auf den unbeteiligten Dritten auf. Denn: "Der darf ja nicht aus der Rolle fallen." Also beobachtet sie ihn mit Argusaugen: "Wo steht er? Wie verhält er sich? Wie machen das die Profis?"

Auch dazu hat sie zurzeit keine Gelegenheit. Trotz alledem sieht Strauß die Situation gelassen: Als Vorsitzende habe sie normalerweise viel Arbeit, "jetzt nicht. Das gleicht sich aus." Im Moment sei die Gruppe zwar zum Nichtstun gezwungen: "Aber wir freuen uns schon riesig darauf, wenn wir das Publikum wieder unterhalten dürfen."

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"Wir sind mit dem Lockdown knallhart erwischt worden.“

Elke Müller, Vorsitzende des Theatervereins Eschenbach

"Wir freuen uns schon riesig darauf, wenn wir das Publikum wieder unterhalten dürfen."

Gabi Strauß, Vorsitzende der Theatergruppe Kirchenthumbach

Hintergrund:

Die beiden Laientheater

  • Theaterverein Eschenbach: Gegründet 1998; knapp 40 Mitglieder. Theater gespielt wurde in Eschenbach aber schon in den 1950er Jahren, danach zum ersten Mal wieder 1981. Aufführungen normalerweise alle zwei Jahre, zuletzt 2017 „Ich bin dann mal weg“.
  • Theatergruppe Kirchenthumbach:
    Gründung 1992; circa 40 Mitglieder. Theater in Kirchenthumbach gab es allerdings bereits vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, bis zum Abbruch des Josefshauses 1974. Wiederaufnahme der Aktivitäten 1989. Bis auf eine Ausnahme seitdem jedes Jahr ein Stück auf die Bühne gebracht, zuletzt 2019 „Zweimal Himmel und zurück“.
Jetzt braucht es Taschentücher und Zigaretten: Aber auch die Freundinnen Mona Assad (Karin Rupprecht-Horn, links) und Mc Carthy (Margit Steger) sowie Tochter Donna (Tanja Groß, von rechts) spendeten der verlassenen Ehefrau Patricia (Gabi Strauß) in der Komödie „Was dem einen recht ist“ Trost. Die Theatergruppe Kirchenthumbach brachte das Stück 2018 zur Aufführung.

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