15.04.2021 - 16:56 Uhr
EschenbachOberpfalz

Überbleibsel aus früheren Zeiten: Alte Ziegel aus Eschenbach

Manchmal findet man sie noch, wenn alte Häuser renoviert werden. Meist werden sie weggeworfen, manchmal aber liebevoll aufgeschichtet: die alten Eschenbacher Ziegel.

Alte Eschenbacher Ziegel, fein säuberlich aufgeschlichtet.
von Externer BeitragProfil

Von Johann Ott

Eine Ziegelei gab es in Eschenbach sicher seit Mitte des 15. Jahrhunderts. Auch wenn die Häuser aus Sandstein von den umliegenden Steinbrüchen gebaut wurden: Für die Dächer brauchte man Ziegel. Das konnten sich allerdings nur manche leisten.

Die Häuser der anderen waren bis ins 19. Jahrhundert hinein mit Holzschindeln oder Stroh gedeckt, was natürlich die Stadtbrände von 1867/68 begünstigte. Für den Bau der Stadtpfarrkirche brauchte man etwa 50 000 Dachziegel, für den Neubau des ersten Burgguts, des späteren Kirmayr-Hauses 1570 etwa 12 000 Stück. Dazu kam noch der Neubau des Rathauses, der etwa die gleiche Zahl erforderte.

Dachziegel mussten, wie auch die anderen Ziegel, mit der Hand in eine Form gestrichen und dann gebrannt werden. Den Ton holte man aus der Hutweide (inzwischen Industriegebiet), das Holz aus den städtischen Wäldern. Die Ziegelei war dort, wo heute das Anwesen Pressather Straße 9 zu finden ist.

Eschenbacher Ziegel hatten eine andere Größe als die Ziegel heute. Mein Vater sprach immer vom Reichsformat, das Bismarck eingeführt habe. Recherchen aber ergaben, dass die Größe nicht per Reichsgesetz durchgesetzt werden musste. In Deutschland wurde durch Übereinkunft der Fabrikanten schon 1867 der Normziegel – Größe 25 mal 12 mal 6,5 Zentimeter – eingeführt. Bayern zog dann nach.

Um 1800 – es gab wenig Neubauten, und es wurde nach langer Zeit bei der Stadt erstmals über die Verlustbringer nachgedacht – wollte diese die Ziegelei schließen oder verkaufen. Diese blieb ein Verlustgeschäft, aber es versuchten sich immer wieder andere Privatunternehmer daran.

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1843 kauft der Ziegler und Maurer Georg Zapf die Eschenbacher Ziegelei. Er hatte große Pläne – ein Start-up par excellence: 300 000 Ziegelsteine und -taschen (Dachziegel) wollte er mit Hilfe seines neuen Ringofens herstellen. Auch wollte er in die Steinzeug-Produktion (Tonröhren) einsteigen, plante eine Zementfabrik, die Gipsherstellung, den Ausbau des Kalkbrennofens und ein hochherrschaftliches Haus. Letzteres kam zustande, alles andere nicht.

Geholfen hätte ihm sicher, wenn nach den Stadtbränden alle Eschenbacher Häuser mit Ziegeln eingedeckt worden wären. König Ludwig II. – oder eher seine Beamten – aber ordneten an, dass die Eschenbacher Dächer mit Schiefer aus dem Frankenwald eingedeckt werden müssten, um den Arbeitern dort Arbeit und Brot zu ermöglichen.

Die Eschenbacher Ziegelei machte zu.

Woher bis zur Neubauphase und darüber hinaus die Eschenbacher Ziegel kamen, bleibt weiteren Forschungen vorbehalten. In Barbaraberg gab es mal eine Ziegelei, in Grafenwöhr dagegen nicht.

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