25.01.2021 - 13:56 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Historische Skisprungschanze: Als die Adler vom Johannisberg abhoben

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Freudenberg und seine Skisprungschanze, eine alte Liebe. Obwohl das Bauwerk am Nordhang des Johannisberges Mitte der 1960er-Jahre abgerissen wurde, ist die Erinnerung daran lebendig - ein Rückblick auf Stürze, Helden und Skihaserlbälle.

So sah das aus, damals beim Skispringen in Freudenberg. Der Auslauf war dort, wo heute der Fußballplatz des SV Freudenberg liegt.
von Autor (gri)Profil

Jetzt werden es bald 70 Jahre, dass die Skisprungschanze in Freudenberg eröffnet wurde. Im Januar 1954 weihten Sportler aus ganz Bayern den neuen, hölzernen Sprungturm ein. Sein Standort lag etwa 100 Meter unterhalb der Schmie-Alm, er war über etliche Jahre das Wahrzeichen des Ortes. Das Eröffnungsspringen hatte Volksfest-Charakter. Hunderte Zuschauer strömten an den Skihang. Der Auslauf war dort, wo sich heute der Sportplatz des SV Freudenberg befindet.

Freudenberger Skisprungschanze: Eröffnung auf Raureif und Graupel

42 Skispringer waren angereist und in den Gaststätten des Ortes brodelte das Leben. Abends, nach der Siegerehrung, sollte im Dotzlersaal der Skihaserlball steigen, in der Brauereigaststätte Märkl war schon am Nachmittag kein Durchkommen mehr. Die Matadoren kamen aus Oberkochen (Württemberg), Bischofsgrün, Zwiesel und Straubing. Etliche Springer stellte die Skivereinigung Amberg als ausrichtender Verein, aber auch Burschen aus dem Dorf und der näheren Umgebung trauten sich auf die Schanze: Alois Knab aus Lintach zum Besipiel, der kaum trainiert hatte, aber seinen ganzen Mut zusammennahm und die Konkurrenz in der "Jungmann-Leistungsklasse" hinter sich ließ.

Der Schanzenrekord

Erich Ehmer aus Ammersricht stellte sechs Jahre später, im Februar 1960, den Schanzenrekord auf: 33 Meter weit segelte er ins Tal. Ehmer hat seine Skier von damals dem Heimat- und Kulturverein Freudenberg zur Verfügung gestellt. Sie haben im Foyer des Gemeindezentrums an der Hammermühle einen würdigen Platz gefunden. "Wenn du Angst gehabt hast, dann hattest du schon verloren", sagte Ehmer einmal in einem Zeitungsinterview. Angst hatte der Ammersrichter keine - und der Sieg war sein.

Von der Schanze ist nicht viel übriggeblieben. Mitte der 1960-Jahre wurden die Balken der Holzkonstruktion nach und nach morsch. Das Landratsamt untersagte schließlich den Weiterbetrieb der Sportstätte. Für kurze Zeit gab es noch Pläne, die Holz-Schanze durch einen Neubau aus Beton in der Nähe der Bergwachthütte zu ersetzen, doch aus diesem Vorhaben ist bekanntlich nichts geworden. So bleiben von den wagemutigen Adlern vom Johannisberg nur die Geschichten und einige Fotos, die der Heimat- und Kulturverein in seinem Archiv verwahrt.

Haben Sie Fotos von der Freudenberger Skisprungschanze? Der Heimat- und Kulturverein freut sich über weitere Aufnahmen für sein Archiv. Kontakt: hkv-freudenberg[at]web[dot]de

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