26.02.2019 - 10:31 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Staren-Wohnanlage im Gartenreich

Die ersten Frühjahrsboten sind bereits zu sehen und verkünden: Der Frühling naht. Eingetroffen sind auch die Stare, erzählt Klaus-Peter Rohrer, der bei sich daheim ein besonderes Vogel-Paradies geschaffen hat.

von Werner RoblProfil

Der schmucke Garten der Eheleute Hilde und Klaus-Peter Rohrer liegt am nordwestlichen Ortsrand der Steinwaldgemeinde Friedenfels. In wenigen Gehminuten erreicht man den Schusterberg, die Ortsmitte oder den Ortsteil Frauenreuth. Das gemeinsam gepflegte Grundstück ziert eine Haselnussreihe an der Nordwestseite, die aber schon vorhanden war, bevor sich die Rohrers dort ein Haus bauten. Etwas weiter unten entdeckt man eine freilich noch blätterlose Blutpflaume. An der südlichen Grundstücksseite gedeiht ein Kirschbaum, der das naturnahe Ensemble ergänzt. „Nach und nach kamen weitere Bäume hinzu“, erzählt Rohrer und deutet auf eine Weißtanne, zudem auf eine Birke, die im Sommer für Schatten und sattes Grün sorgt. „Das wirkt wie eine grüne Wand“, beschreibt der Pensionist das Umfeld, zu dem auch ein Vogelbeerbaum zählt. „Leider fallen andernorts viele Bäume der Motorsäge zum Opfer.“ Das sei auch in Friedenfels nicht anders, bedauert der Naturfreund.

Vögel als Frühjahrsboten

„Meine Frau und ich sind Vogelliebhaber“, erzählt er nicht ohne Stolz und bittet darum, kurz still zu sein. „Hören Sie es?“, hebt er den Zeigefinger und lauscht dem vielstimmigen Gesang der Vögel, die nach und nach – wie alle Jahre – den Garten in einen Konzertplatz verwandeln. Zu den regelmäßigen Gästen zählen die Stare, die als Stimmen-Nachahmer und Gartenspötter gelten. Das sei deren Zeitvertreib. „Der Zuhörer glaubt einen Bussard oder eine Lerche, manchmal auch einen Schwarzspecht zu hören. Es kommt schon mal vor, dass man meint, Hühner zu vernehmen. Wundern Sie sich aber nicht, wenn sie das Gackervolk vergeblich suchen“, lacht Rohrer, der sich mit der „Ausgleichsbeschäftigung“ seines Starenvölkchens auskennt. Seit dem 9. Februar bevölkern sie wieder das Rohrersche Gartenreich. Untrüglich kündigen sie den nahenden Frühling an. Der „Einzugstermin“ seiner Frühjahrsboten steht in Rohrers Kalender. Ein Vogel-Tagebuch führe er aber nicht.

Klaus-Peter Rohrer hat für sie ein Kobelreich geschaffen. Es besteht aus 14 Nistkästen, die allesamt auf den verschiedenen Bäumen rund um das Haus verteilt sind. Ergänzt wird die Brut- und Wohnanlage zudem von drei Aufenthaltsstätten für Meisen und zwei weiteren, die für die ebenfalls im Garten lebenden Mauersegler reserviert sind. „Man muss halt aufpassen, dass man für die Meisen ein geeignetes Umfeld schafft“, ergänzt der Vogelliebhaber mit Blick auf den leicht gesteigerten „Grundstücksbedarf“ seines Meisenvolkes, das einfach mehr Gartenfläche für sich beansprucht als die anderen. Leider seien die Tiere sehr scheu. "Bereits bei der geringsten Bewegung fliegen sie weg." Fotografieren ist gar nicht so einfach. Rohrer beobachtet die Flugkünstler gerne aus dem Kellerfenster.

„Wenn die Mauersegler anfliegen, kommen sie im Vollspeed angerast. Nahezu ungebremst schießen sie ins Kobelloch.“ Rohrer empfiehlt, sich das einmal in Ruhe anzuschauen. „Das muss man gesehen haben. Man muss sich schon wundern, dass sie dann nicht hinten wieder herausschießen“, beschreibt er deren eindrucksvolle Flugtechnik. „Dagegen war ein Starfighter eine regelrechte Fehlkonstruktion“, schmunzelt der Erzähler, der sich auch auf die kommende Flora und die Insektenwelt im Garten freut.

„Im Sommer beginnt der Konzertreigen bereits um 5 Uhr in der Früh. Dann ist es besonders schön.“ Hilde und Klaus-Peter Rohrer gleichen das aus, was in anderen Gärten an Kobeln fehlt. Regelmäßig werden sie gereinigt, damit sich kein Ungeziefer ansammelt und die Sänger ärgert. Zudem sind die Kobel mit einem Elstern- und Eichhörnchenschutz versehen. Katzen kommen sowieso nicht hinein. Damit die Wohn- und Familienplanung leichter geht, liegt im Garten immer ein gewisser Vorrat an Stroh und Pferdehaaren bereit, was von den Gästen gesammelt und in die Kindervilla geräumt wird. „Der Nestbau zieht sich länger hin. Meist im April werden die ersten Geburtstage gefeiert. Das geschäftige Treiben ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass Nachwuchs eingetroffen ist.“ Den gesteigerten Wasserbedarf decken zwei Gartenteiche. Regelmäßig im Herbst folgt dann die Überraschung. „Sie sollten mal sehen, was sich das Jahr über an Stroh, Heu und Federn da drinnen in den Kästen alles ansammelt. Das machen sie, damit sie es gemütlich haben.“

Greifvögel sorgen für Unruhe

Rohrers Vögel sind zu Dauergästen geworden. „Sie kommen alle Jahre wieder und beziehen ihre Stammkobel, die nicht selten heftig umkämpft werden.“ Klaus-Peter Rohrer meint damit vor allem die Fremdstare, die auf die Holz-Kobel ein Auge geworfen haben. „Unsere aber bleiben in der Regel Sieger und behaupten ihr Heim.“ Freilich gibt es auch noch andere Störenfriede, bedauert der Friedenfelser mit Blick auf die Greifvögel, die immer wieder für Unruhe sorgen. Oft schauen auch Habichte vorbei und versuchen im Sturzflug fliegende Beute zu erwischen. Deren Fangerfolg sei aber überschaubar, zieht Rohrer Bilanz. „Das Alarmsystem funktioniert ausgezeichnet. Rasch verschwinden die ,Ziele‘ im Buschwerk, das im Sommer besonders dicht ist." Ein guter Schutz seien auch die vorhandenen Kobel, wo sie die Räuber nicht fassen können. Die dicht gewachsenen Büsche, die Rohrer regelmäßig einkürzt, sind wichtig. Daher nehmen die Tiere das Grundstück auch so gerne an. „Man ist das ganze Jahr beschäftigt“, fasst Klaus-Peter Rohrer zusammen.

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