22.08.2021 - 13:14 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Trafohäuschen bald neue Wohnstube für Fledermäuse und Vögel

Der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ hat viel vor. So will er Trafohäuschen erwerben und aus einem ein Heim für Vögel und Fledermäuse machen. Und auch zur vierten Infostelle des Naturparks Steinwald gibt es gute Nachrichten.

Die vierte Infostelle des Naturparks Steinwald (Bild) soll noch heuer fertiggestellt werden. Der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ bemüht sich anschließend in dem Gebäude unter anderem um die Aufzucht der Flussperlmuschel. Derzeit wird an der Inneneinrichtung gearbeitet.
von Bernhard SchultesProfil

Kurzerhand ins Freie verlegt hat der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ seine Jahresversammlung. Auf dem Vorplatz der künftigen Infostelle des Naturparks Steinwald blickte man trotz Hürden zuversichtlich in die Zukunft. Der Vorsitzende des Vereins „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ (KusS), Josef Schmidt, freute sich bei der Eröffnung des Treffens, dass unter freiem Himmel Hygienebestimmungen leichter einzuhalten seien.

Bedauern äußerte Josef Schmidt, dass coronabedingt das Vereinsleben im zurückliegenden Jahr weitgehend zum Erliegen gekommen sei. Dennoch präsentierte der Vorsitzende zahlreiche Aktivitäten, die in freier Natur ohne größere Einschränkungen durchgeführt werden konnten. „Die Beteiligung der Bevölkerung am Schwalbenschwanzprojekt ist nach wie vor groß, aber die Meldungen von Faltern und Raupen waren 2020 witterungsbedingt rückläufig“, hob der Vorsitzende hervor. Einen Einbruch meldete er auch für den Amphibienzaun am Griesweiher. Hier wurden rund 800 Tiere weniger erfasst als in den vergangenen Jahren.

Bald Notartermin

Coronabedingt musste die mittlerweile zur Tradition gewordene Kirwa-Feier ausfallen. „Auch in diesem Jahr ist eine Durchführung eher unwahrscheinlich“, meinte der Vorsitzende. Als weit gediehen bezeichnete Josef Schmidt die Übernahme der beiden Trafohäuschen in Bärnhöhe und bei der Grenzmühle. „Bei den Verhandlungen mit dem Bayernwerk wurde eine altlastenfreie Übergabe vereinbart.“ Ergänzend fügte der Vorsitzende an: „In absehbarer Zeit steht deshalb ein Notartermin an.“ Der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ strebt nach den Instandsetzungen für das Trafohäuschen in Bärnhöhe eine Nutzung als Aussichtsturm sowie für das Trafohäuschen bei der Grenzmühle eine Unterkunft für Fledermäuse und Vögel an. Der Geschäftsführer des Naturparks Steinwald, Ernst Tippmann, wies bei diesem Thema auf eine mögliche Bezuschussung durch eine Naturparkförderung hin.

Weiter vorangebracht wurde - trotz Pandemiezeit - der Bau der vierten Infostelle des Naturparks Steinwald bei der Grenzmühle, wie Josef Schmidt berichtete. Ernst Tippmann gab den anwesenden Mitgliedern einen Überblick über den Stand der Arbeiten und verwies wegen der aufgetretenen Verzögerungen bei der Fertigstellung auf ein mittlerweile rund 18 Monate dauerndes Zuwendungsverfahren. „Letztlich erhielt der Naturpark jedoch vor einigen Wochen den Bewilligungsbescheid mit einem Fördersatz von 70 Prozent. Wenn keine größeren Probleme mehr auftreten, ist mit einer Fertigstellung zum Ende dieses Jahres nun aber zu rechnen“, verkündete der Geschäftsführer freudig. Eine offizielle Einweihung wird vermutlich aber erst im nächsten Frühjahr stattfinden, war auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zu erfahren. Weiter äußerte Ernst Tippmann, dass der Naturpark Steinwald und der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ an einem Nutzungsvertrag interessiert sind, der die Rechte und Pflichten der beiden Partner beinhalten wird.

Vorstandswahl

Gut vorbereitet hatte der Verein die anstehende Neuwahl des Vorstandsteams. Wahlleiterin Lisa Rauh konnte nach kurzer Zeit folgende Ergebnisse verkünden: Vorsitzender Josef Schmidt, Zweiter Vorsitzender Matthias Schlicht, Schriftführer Robert Mertl, Hauptkassier Johann Amschl, Kassenprüferinnen Monika Mertl und Betina Goldbach.

Einen großen Teil des Treffens nahm aufgrund der Anwesenheit von Dr. Alois Kapfer eine kurzfristig angesetzte Exkursion über die Wiesen und Offenlandschaft der Grenzmühle ein. Dabei erfuhr der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ viel Lob vom Vorsitzenden des Vereins Naturnahe Weidelandschaften. Dr. Alois Kapfer sah wie Josef Schmidt eine naturnahe Beweidung als Schlüssel für Erhalt, Sicherung und Verbesserung der Biodiversität. Dr. Alois Kapfer: „Der Verein Naturnahe Weidelandschaften setzt sich dafür ein, die großflächige und extensive Beweidung als zentrale Strategie für den Schutz von Natur und Landschaft wieder in Politik und Gesellschaft zu verankern.“ Weiter informierte der Gast, dass in den derzeitigen Debatten zum Rückgang von Insekten, Vögeln und ganz allgemein der Biodiversität in Deutschland von Fachleuten die Ausräumung und Überdüngung der Agrarlandschaft und Pestizide als wesentliche Ursachen angeführt würden.

Ein entscheidender Faktor, gerade für das Insektensterben, sei das Verschwinden von Weidetieren in naturverträglicher Haltung aus der freien Landschaft, wobei Rind und Pferd eine besonders große ökologische Bedeutung zukomme. Josef Schmidt fügte dabei an: „Auch Fachleute sind mittlerweile überzeugt, dass wir Weidetiere in der Landschaft brauchen.“ Stichwort Kuhfladen: Nach maximal einer Viertelstunde sei dieser auf der Weide randvoll mit Fliegen. Und bald schlüpfe dann neues Leben. „Die Larven sind Nahrung für Singvögel und diese wiederum für Greifvögel.“ In der Gesamtbetrachtung habe man in den zurückliegenden zehn Jahren viel übersehen, meinte Josef Schmidt an anderer Stelle. „Auch beim Naturschutz hat man immer gemeint, dass man eine Wiese mit einem Schnitt pflegen kann und dadurch das Ökosystem am Laufen hält. Gräser und Pflanzen hat man dadurch zwar geschützt, aber für die Insekten hat man mit dieser Maßnahme nur wenig erreicht“, gab der Vorsitzende des Vereins „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ zu bedenken.

Vier Rotwildkälber sind aktuell die Stars im Wildgehege im Naturpark Steinwald

Pfaben bei Erbendorf
Zwei alte Trafohäuschen wird demnächst der Verein „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“ vom Bayernwerk erwerben. Während das Trafohäuschen bei der Grenzmühle zu einer Wohnstube für Fledermäuse und Vögel umfunktioniert werden soll, will der Verein das Trafohäuschen im Ortsteil Bärnhöhe (Bild) für einen Aussichtspunkt nutzen.
Der neue Vorstand des Vereins „Kulturlandschaft südlicher Steinwald“. Im Bild (von links) Hauptkassier Johann Amschl, Schriftführer Robert Mertl, Vorsitzender Josef Schmidt, Zweiter Vorsitzender Matthias Schlicht und Kassenprüferin Betina Goldbach.

"Wenn keine größeren Probleme mehr auftreten, ist mit einer Fertigstellung zum Ende dieses Jahres zu rechnen.“

Naturpark-Geschäftsführer Ernst Tippmann

 

 

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