24.01.2021 - 11:27 Uhr
GleiritschOberpfalz

Als noch der "Hoderscheck" umging: Blick in die Gleiritscher Faschingsgeschichte

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Eigentlich ist erst am Aschermittwoch alles vorbei. Doch heuer ist schon Monate vorher Schicht im Schacht, denn das Coronavirus hat mit "Ramba-Zamba" durch Gleiritsch nichts am Hut. Ein Blick in die Faschingsgeschichte des Ortes lohnt sich.

Bei den Gleiritscher Faschingsbällen schlug die Stimmung stets hohe Wellen: Eine Polonaise durch den Saal durfte dabei nicht fehlen.
von Redaktion ONETZProfil

Noch vor einem Jahr am Faschingssamstag hatte der 15. Gleiritscher Gaudiwurm mit rund 40 Wagen Fahrt aufgenommen. Begleitet vom Schlachtruf "Volle Pulle" zwängten sich die Teilnehmer durch das Dorf – vorbei an tausenden Zuschauer, die die Straßen säumten. An der Partymeile beim Bauhof konnte sich das närrische Volk anschließend bis Mitternacht austoben. Pandemiebedingt ist in diesem Jahr alles anders: Corona gibt den Takt vor, sämtliche öffentlichen Veranstaltungen haben sich danach zu richten und sind deshalb gestrichen. Obwohl heuer der Fasching ausfällt, lohnt sich ein Blick in die Gleiritscher Faschingsgeschichte, die auch ein Spiegelbild der jeweiligen Zeit ist.

Kaum ein jüngerer Gemeindebürger kann heute noch etwas mit der Figur des „Hoderscheck“ anfangen. Mit ihm war Gleiritsch lange Zeit eine „Brauchtumsinsel“. Die Scheckenfigur kommt sonst nur im Altmühltal oder im Neumarkter Raum vor. Der Scheck trägt auf dem Rücken die Jahreszahl 1886, das Kostüm ist in Form eines einfachen, weißen Hosenanzuges genäht und mit einigen bunten Stoffflecken versehen. Vom Faschingssonntag nach der Nachmittagsandacht bis zum Faschingsdienstag machte der Hoderscheck die Gleiritscher Straßen unsicher, denn er hatte eine „Goißl“ (kleine Peitsche) bei sich, mit der er ihm über den Weg laufende Personen traktierte. Mit Sprüchen wie „Scheck, Scheck, Hoderscheck, frisst allen Dreck“ oder Ähnlichem machten meist Kinder und Jugendliche den Scheck auf sich aufmerksam. Sogar der Beichtstuhl in der alten Gleiritscher Kirche musste da schon mal als Versteck vor dem rauen Gesellen herhalten. In der Anfangszeit steckte ein Erwachsener im Kostüm, später übernahmen Jugendliche die Aufgabe. Heute ist der Brauch, dessen Ursprung nicht mehr bekannt ist, in Vergessenheit geraten. Bei den letzten Faschingszügen mischte sich der „Hoderscheck“ noch sporadisch unter das Narrenvolk.

Rückblick auf den Gleiritscher Faschingszug im Februar 2020

Gleiritsch

Da es früher in fast jedem Dorf noch ein oder mehrere Wirtshäuser gab, die während des Jahres überwiegend ein gesellschaftlicher Männertreffpunkt waren, bot es sich für die Wirte an, einen eigenen Hausfasching oder Kappenabend, an dem auch die Frauen teilnahmen, zu veranstalten. Solche Aktivitäten, bei denen meist ein Alleinunterhalter mit der „Quetschn“ für Musik sorgte, fanden beim „Wimpedern“ (Gasthaus Liebl), „Wirt“ (Gasthaus Leipold) in Gleiritsch, beim „Koiser“ (ehemaliges Gasthaus Bayerl) in Lampenricht oder beim „Zengerbauern“ (ehemaliges Gasthaus Beer) in Bernhof statt.

Auch Vereine organisierten Kappenabende, bei denen beim Eintritt eine einfache Papierkappe in Flach- oder Spitzform auf den Besucher wartete – und diese Mode sorgte bei den Gästen schnell für Erheiterung. Faschingskostüme waren in den 1950er und 1960er Jahren auf dem Land nicht verbreitet. Aufgrund fehlender Mobilität durch Autos und mangelnder Straßenanbindung waren die Veranstaltungen meist auf Besucher aus der Gemeinde Gleiritsch und angrenzende Nachbarorte wie Schömersdorf, Trichenricht oder Atzenhof begrenzt.

Unter Regie der Lehrerin Helmtraut Doleschel entstanden die „Gleiritscher Schulfaschingsumzüge“. Faschingsferien wie heute gab es zu dieser Zeit nicht, auch fand der Schulunterricht von Montag bis Samstag statt. Ein bunter Zug von lärmenden Prinzessinnen, Cowboys und Indianern machte sich in meist durch die Mütter selbst gefertigten Kostümen auf den Weg von der alten Schule durch das Dorf bis zur Gastwirtschaft Liebl und wieder zurück. Mit der Eingliederung der Gleiritscher Schule in den Schulverband Tännesberg im Jahre 1968 endete dieses jährlich stattfindende Spektakel abrupt.

Neben den verbreiteten Faschingsbällen vieler Vereine, häufig mit den Lokalmatadoren der Blechmusik in verschiedenen Besetzungen (Blaskapelle Erich Babl aus Gleiritsch, Kapelle Sepp Dobmeier aus Tännesberg), war der „Nasche Pfinsda“ im Lieblsaal in den 1970er und 80er Jahren ein überregional bekanntes Highlight. Wer einen Platz wollte, musste schon zeitig erscheinen, Umfallen war dann nicht mehr möglich. Da „Alles seine Zeit hat“, endete auch diese Tradition Anfang der 1990er Jahre.

Gut ein Jahrzehnt später, im Jahre 2004, ließ die Vereinsgemeinschaft Gleiritsch mit dem ersten Faschingszug in der jetzt bekannten Form die Gleiritscher Faschingstradition in neuem Gewand wiederaufleben. Anfangs stieg die „After-Zug-Party“ in der Kroau im Stodl, später an der Partymeile am gemeindlichen Bauhof.

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