19.01.2021 - 12:26 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Babyboom im Jahr 2020 im Kreis Neustadt/WN: Es wird "geschnaxelt"

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Von wegen Baby-Flaute: 2019 und 2020 ging es in den Betten im Landkreis Neustadt/WN ordentlich rund. 841 Geburten waren es vergangenes Jahr – so viele wie schon lange nicht mehr.

So haben sich die Geburtenzahlen in den vergangenen Jahren in den Gemeinden des Landkreises Neustadt/WN verändert. Während 1997 ein riesiger Babyboom verzeichnet werden konnte, gab es 2011 eine große Flaute. 2020 sieht es nun wieder besser aus.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Windeln wechseln, Flasche geben, Schlaflieder vorsingen: Das war im Jahr 2020 für mehr junge Paare aus dem Landkreis Neustadt/WN angesagt, als noch die vergangenen Jahre. Denn mit 841 Geburten, die das Neustädter Landratsamt vermeldet, ist das vergangene Jahr eines der geburtenstärksten in den letzten zwanzig Jahren – und sogar das stärkste seit 2004. "Diese wunderbare Entwicklung zeigt, dass sich in den letzten Jahren immer mehr junge Paare in NEW niederlassen und eine Familie gründen, weil sie in NEW gute Perspektiven für sich sehen", freut sich Landrat Andreas Meier. Doch wo fühlen sich die jungen Paare samt Nachwuchs denn nun besonders wohl?

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63 Geburten in Vohenstrauß

Auf Platz 1 in der Geburtenstatistik des Landratsamtes, das die Zahlen von den Gemeinden erhalten hat, steht die Stadt Vohenstrauß. 63 Geburten waren es 2020 – zwanzig mehr als noch 2019. Darüber ist Bürgermeister Andreas Wutzlhofer nun besonders glücklich, vor allem, weil er 2019 etwas enttäuscht über die Zahl der Geburten war. "Man versucht ja, städtebaulich etwas zu entwickeln. Ich dachte, das schlägt etwas mehr durch. Umso erfreulicher ist, dass die Zahl wieder steigt." Den Grund dafür sieht er darin, dass in den vergangenen drei Jahren 100 Bauplätze verkauft werden konnten. "Vielleicht hat auch Corona dazu beigetragen, weil man mehr im häuslichen Bereich verbracht hat. Das hat vielleicht zum Schnaxeln motiviert", schmunzelt er. Den Rang direkt hinter Vohenstrauß teilen sich Grafenwöhr und Neustadt/WN mit je 54 Geburten. "Das ist gut. Das sieht man als Bürgermeister gerne, wenn es Nachwuchs gibt", kommentiert der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch die positive Geburten-Zahl. Die Stadt habe aber auch viel gemacht, um junge Familien zu fördern. Beispielsweise gebe es nicht nur Begrüßungsgeld für Neugeborene, sondern durch das Programm "Lebenstraum" könnten auch Familien beim Kauf oder der Sanierung von Wohnraum unterstützt werden. Auch mit der neuen Grund- und Mittelschule könne Grafenwöhr punkten, ist sich Knobloch sicher. Dass es noch nicht ganz für Platz 1 in der Statistik gereicht hat, macht ihm da nichts: "Vohenstrauß hat ja auch 1000 Einwohner mehr als wir." Die Top 3 voll macht mit 46 Geburten schließlich die Stadt Eschenbach.

"Das ist gut. Das sieht man als Bürgermeister gerne, wenn es Nachwuchs gibt."

Edgar Knobloch, Bürgermeister von Grafenwöhr

Edgar Knobloch, Bürgermeister von Grafenwöhr

Schlusslicht-Gemeinden für 2021 optimistisch

In der Aufschlüsselung des Landratsamtes gibt es aber natürlich auch Schlusslichter. Dazu gehören Schlammersdorf (4 Geburten), Neustadt am Kulm (6 Geburten) sowie Leuchtenberg (ebenfalls 6 Geburten). "Oh, o.k.", lautet die Reaktion des Schlammersdorfer Bürgermeisters Johannes Schmid. Er gibt sich aber optimistisch und schiebt gleich hinterher: "Des schaut 2021 wieder besser aus." Zufrieden sei er mit den wenigen Geburten im Jahr 2020 allerdings keineswegs. Er möchte daher die Baugebietsangebote weiter stärken. "An den Bauvoranfragen merke ich, dass Schlammersdorf attraktiv ist. Da bin ich guten Mutes, dass wir 2021 nicht mehr das Schlusslicht sein werden."

Auch für Wolfgang Haberberger, Bürgermeister von Neustadt am Kulm, steht eine Ursache für den Geburtenrückgang von noch 11 Babys 2016 auf nur mehr 6 im Jahr 2020 fest. "Wir haben die letzten Jahrzehnte zu wenig Baugebiete ausgewiesen und damit zu wenig Familien in den Ort geholt." Er hofft nun auf das neue Areal "Kulmblick", dessen 27 Parzellen bereits verkauft oder reserviert seien. "Wir sind schon dabei, ein neues Baugebiet zu entwickeln. Wir hätten viel früher tätig werden sollen", ärgert sich Haberberger. Vor allem, wenn er sieht, wie Familien beispielsweise nach Kemnath abwandern. Das sei auch ein Punkt, der ihn beschäftige: "Das Abwerben von Nachbarkommunen durch extreme Bauprämien. Wir haben zwar auch Bauprämien eingeführt, aber was nützt eine Bauprämie, wenn wir keine Grundstücke anbieten können." Für die Geburten-Statistik für das Jahr 2021 hofft er nun das Beste: "Zweistellig sollte die Zahl sein."

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