06.12.2020 - 14:37 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Der „Stodweiher“ – vom Schutzwall zur Begegnungsstätte

Der Grafenwöhrer Stadtweiher im Wandel der Zeit: Vieles hat er im Laufe der Jahrhunderte erlebt und er könnte viele Geschichten erzählen. Das Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr beleuchtet einige in diesem Gastbeitrag.

von Kultur- und Militärmuseum GrafenwöhrProfil

Läuft ein Besucher von der Altstadt über die Untere Torstraße am Museum vorbei, bleibt er spätestens an der Stadtweiherbrücke stehen und bewundert den Mittelpunkt der Stadt. Der „Stodweiher“ zieht nicht nur Besucher an, sondern auch kleine Bewohner. Für viele Eltern und Großeltern gehört das Entenfüttern mit den Kindern zum wöchentlichen Standardprogramm. Früher zogen auch noch Schwäne majestätisch ihre Kreise.

Zur Zeit der Stadtgründung entschieden die Gründungsväter, dass zum Schutz vor Feinden die umgebenden Flüsse aufgestaut werden sollten. Aus dem Thumbach wurde der Stadtweiher, besser gesagt der Schlossweiher – so hieß er im Mittelalter, weil er am Schloss lag, wo heute die Militärabteilung des Museums steht. Um nach dem Aufstauen die Verbindung zur Vorstadt zu sichern, wurde die Brücke um einen Damm verlängert. Dieser taucht in Urkunden als „churfürstlicher Weyhertamb“ auf. Das Wehr gab es schon sehr früh, und der Stadtmüller hatte die Aufgabe, bei Hochwasser das Wehr zu öffnen, damit das Wasser nicht in die Stadt eindringen konnte. Zudem regulierte er damit die Wasserkraft, mit der er sein Mühlrad betrieb.

Zur Zeit der Stadtgründung entschieden die Gründungsväter, dass zum Schutz vor Feinden die umgebenden Flüsse aufgestaut werden sollten. Aus dem Thumbach wurde der Stadtweiher.

Aus dem "Grafenwöhrer Gschichterl" des Kultur- und Militärmuseums über den "Stodweiher"

Nicht nur dem Stadtmüller brachte der Stadtweiher einen Nutzen. Über viele Jahrhunderte wurde dort auf Stegen die Wäsche gewaschen und für Metzgereien, Gasthöfe und die Bierbrauer schlug man im Winter Eis aus dem Weiher. Mittlerweile hat sich der Bereich rundherum zum Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt. Ein Kinderspielplatz und ein Senioren-Trainingspark bereichern den Stadtpark. Und auch die Jugendlichen fühlen sich am Abend beim „Hotspot“ wohl und nehmen das kostenlose Surfen im Internet gerne in Anspruch.

Doch bereits Anfang des 20. Jahrhunderts nutzte man den Weiher für Freizeitaktivitäten, damals waren es Schlittschuhlaufen und Boot fahren. Der Fischereiverein Grafenwöhr, gegründet 1881, bewirtschaftet das Gewässer und organisiert jährlich das beliebte Schnupperangeln für Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt. Zudem richtet der Verein im Juni das traditionelle Fischerfest aus, wobei das spektakuläre Sautrogrennen nicht fehlen darf, bei dem schon manch Bürgermeister und General baden gingen. Viele weitere Feste und Veranstaltungen, wie die „Italienische Nacht“ oder das Annafest finden rund um den Weiher statt.

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Grafenwöhr

Und es gibt noch jemanden, dem der „Stodweiher“ ganz besonders am Herzen liegt. Durch alle Jahreszeiten hindurch wacht er bei Hitze oder Kälte über dem Gewässer. Der Heilige Nepomuk ist nicht nur in Prag als Brückenheiliger bekannt, auch in Grafenwöhr ist er aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Die Originalstatue des Heiligen Nepomuk ist im Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr ausgestellt. Die Bänke am Ufer des Weihers laden zum Verweilen, Ausruhen und Entspannen ein. Eine kleine Auszeit vom manchmal so anstrengenden Alltag steht für Groß und Klein gratis zur Verfügung.

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