25.06.2021 - 15:00 Uhr
HohenfelsOberpfalz

KFOR-Ausbildung: Mitten in der Oberpfalz nach Waffenschmugglern Ausschau halten

Schnell zum Einsatzort mit dem Black-Hawk-Hubschrauber: Auf dem US-Truppenübungsplatz Hohenfels trainiert das 29. KFOR-Kontingent für seinen nächsten Einsatz.

Mit dem Black Hawk werden die Soldaten direkt zum Einsatzort gebracht.
von Paul BöhmProfil

Auf einem Stück Panzerstraße im Truppenübungsplatz Hohenfels verläuft in diesen Tagen die Landesgrenze vom Kosovo hinüber nach Serbien. Das gehört zum Übungsszenario der Patrouillengänge, auf denen Nationalgardisten der US-Army und ihre Verbündeten ihr Auge für Waffenschmuggler und illegale Grenzgänger schärfen. Jetzt ist es noch Training, aber bald beginnt der Ernstfall.

„Von Hohenfels geht es Anfang Juli direkt in den Kosovo, in die Nähe von Pristina“, berichtet Sergeant Barbara Pendl, die als PAO ("Public Affairs Officer": Offizier für Medien- und Gemeinschaftsfragen) dabei sein wird. Sie ist Reservistin der Nationalgarde, wie alle anderen Beteiligten auch, die im zivilen Leben verschiedene Berufe ausüben. Zwischen neun Monaten und bis zu einem Jahr kann der Einsatz im Kosovo schon dauern, sagt sie.

Von Schmidmühlen über Hohenburg bis Ransbach merken die Nachbarn so gut wie gar nichts, dass nur wenige Kilometer weiter im Truppenübungsplatz derzeit eine der heißesten Grenzen Europas verläuft. Ein Teilbereich der Panzerstraße zwischen den ehemaligen Ortschaften Keithental bis nach Stetten ist bis Ende Juni als eine imaginäre Grenze auf dem Balkan ausgewiesen. In diesem und auch in anderen Teilen des Truppenübungsplatzes Hohenfels läuft derzeit die Ausbildung für das 29. Einsatzkontingent der KFOR (Kosovo Forces) ab. Etwa 180 Soldaten sind daran beteiligt. Zu den Reservisten der Nationalgarde aus den amerikanischen Bundesstaaten Vermont und Colorado kommen Soldaten aus Albanien, Italien, dem Kosovo, Litauen, Armenien, Moldavien, Nordmazedonien, Rumänien und der Slowakei.

„Auffälligkeiten und Ereignisse im Einsatzgebiet der letzten Wochen und Monate werden sofort in die Ausbildung integriert, um die neuesten Maschen schon zu kennen, wenn unsere Leute in den Einsatz gehen“, sagen Soldaten des JMRC-Ausbildungsteams in Hohenfels.

„Die 1999 nach der Beendigung des Kosovokrieges aufgestellte multinationale Koalition unter Nato-Leitung ist bis heute nicht beendet“, sagt Sergeant Barbara Pendl. Das Krisengebiet an der Nahtstelle des Kosovo zu Serbien ist nach wie vor nicht zur Ruhe gekommen. Dennoch ist der amerikanische Kommandeur, Major Zachariah Fike von der 1. Schwadron des 172. Cavalry-Regiments der Nationalgardisten aus Jericho/Vermont, guter Dinge. Man habe die weltbesten Ausbilder der US-Army zur Seite gestellt bekommen: „Dies ist auch die Garantie, dass wir gut vorbereitet in den ersten Julitagen nach Pristina/Kosovo verlegen können. Zusammen mit den in Hohenfels übenden Soldaten der Partnerstaaten werden wir diese Aufgabe der Friedenssicherung übernehmen. Wir wollen im Einsatz für Stabilität sorgen und uns für ein positives Vermächtnis einsetzen."

Zu den Aufgaben bei der Überwachung der Landesgrenze zählen Patrouillengänge mit kosovarischen Sicherheitskräften, um illegale Grenzübertritte, Schiebereien und vor allem den Waffenschmuggel zu unterbinden. Ein besonderes wichtiges Anliegen der Koalitionstruppen wird es auch sein, die verfeindeten ethnischen Gruppen auseinanderzuhalten.

Wie Major Fike erklärt, ist es jetzt die Hauptaufgabe, zusammen mit Trainern aus dem Joint Multinational Readiness Center (JMRC) aus Hohenfels die Einsatzkräfte der verschiedenen Nationen zu einem Team zusammenzuführen. Und dann kommen schon wieder die Black-Hawk Hubschrauber über die Hügelkette angeflogen, um die nächsten Infanteriegruppen abzusetzen.

Derartige Einsätze seien mitunter erforderlich, um schnell, unkompliziert und auch überraschend an die Brennpunkte zu kommen, fügt Sergeant Pendl hin zu. „Zum einen sind dies Menschensammlungen und Demonstrationen, aber auch, um illegale Grenzübertritte zu verhindern und Waffenschiebereien und andere kriminelle Delikte zu unterbinden."

1971: Das schwerste Unglück der US-Armee der US-Armee in Deutschland

Pegnitz
Hintergrund:

Fakten und Zahlen rund um KFOR

  • Name: KFOR für Kosovo-Force, zu Deutsch Kosovo-Truppe
  • Entstehung: Auf der Grundlage der UN-Resolution 1244 vom 10. Juni 1999 aufgestellte multinationale militärische Formation unter der Leitung der Nato
  • Auftrag: Sicherstellung eines friedlichen und sicheren Umfeldes im ehemaligen Kriegsgebiet und Unterstützung der Entwicklung zu einem stabilen, demokratischen, multi-ethnischen und friedlichen Kosovo
  • Aktuelle Stärke: 3500 Soldaten aus 27 Ländern

 

 

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