04.02.2021 - 00:10 Uhr
Kühried bei TeunzOberpfalz

Auch mit 80 am Puls der Zeit: Teunzer Altbürgermeister mit vielen Interessen

Josef Klier aus Kühried liegt das Organisieren im Blut. Schon bei den Neujahrswünschen hat er darum gebeten, aufgrund Corona von Geburtstagsbesuchen abzusehen. Trotzdem wird er heute wenig Zeit für seine Schafe haben.

Zum 80. Geburtstag wird Altbürgermeister Josef Klier heute nur telefonische und digitale Glückwünsche annehmen. Es gibt keine Feier und auch auf ein Stamperl „Teunzer Murachwasser“ mit den Gratulanten muss er in der Pandemie verzichten. Stattdessen kann der Jubilar sich im „Amtszimmer“ an zahlreichen früheren Vereinsgeschenken erfreuen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

24 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Teunz und 31 Soldat in der Grenzlandkaserne Oberviechtach. Auch wenn Josef Klier seit 2008 Ruheständler ist, ruhig ist es in seinem Leben nicht geworden. Vielseitig interessiert – als Hobby gibt er „moderne Medien“ an – war und ist er immer am Puls der Zeit. Und so wird heute um 6.30 Uhr der übliche Weckruf im Hause Klier der Auftakt für ein Klingelkonzert auf allen Kanälen sein. Der weitum bekannte Jubilar freut sich darauf. Denn im Corona-Lockdown wird es weder ein Ständchen der Blaskapelle, noch einen offiziellen Geburtstagsbesuch von Bürgermeister Norbert Eckl oder Besuche von Abordnungen der 14 Vereine geben, denen er auch nach seiner aktiven Zeit die Treue hält.

„Schein“ für Ehe und Fahrzeuge

Treu verbunden ist er auch mit Gattin Anni: Im Juni steht der 55. Hochzeitstag an. „Ich hab in meiner Bürgermeisterzeit 220 standesamtliche Trauungen durchgeführt“, erinnert sich Josef Klier an die Zeit von 1984 bis 2008 zurück, als er die Geschicke der Gemeinde leitete, davon neun Jahre in Uniform. Der gebürtige Kührieder ist gelernter Waldfacharbeiter und war 1961 einer der ersten Rekruten in der neuen Grenzlandkaserne. Dort bildete er später als Fahrlehrer 220 Fahrschüler aus und war elf Jahre lang als Bataillons-Schirrmeister für die Organisation der Materialerhaltung in der Kaserne verantwortlich. 1992 wurde er als Stabsfeldwebel pensioniert und konnte nun „24 Stunden am Tag“, wie er oft sagte, für die Gemeinde da sein. „Es war ein Gesamterlebnis und eine gute Sache“, bewertet er die Zeit im Rückblick. Viele Projekte wurden geplant und verwirklicht, darunter die Dorferneuerung und Hochwasserfreilegung in Teunz, die Ausweisung von Baugebieten und der Neubau von vier Feuerwehrhäusern. Mit vielen weiteren, in die Zukunft gerichteten Entscheidungen, hat er die Entwicklung der Gemeinde geprägt und wesentlich beeinflusst.

Einblick in den Alltag des Teunzer Altbürgermeisters Josef Klier

Fallschirmsprung unvergessen

Als Schirmherr war Josef Klier bei vielen Festivitäten der Vereine präsent. In Erinnerung ist besonders der Tandem-Fallschirmsprung aus 3000 Metern Höhe zur Eröffnung des Feuerwehrfestes 1997 in Kühried geblieben. „Da hatte ich schon ein bisschen Bammel“, gibt er zu. Offen für Neues zu sein, lautete immer seine Devise. Darunter fällt die Gemeindepartnerschaft, die 1990 mit Großmanok in Ungarn geschlossen wurde.

Als seine Schwerpunkte bezeichnet er „Familie, Bundeswehr und Gemeindeleben“. Letzteres startete er 1978 als Gemeinderat, während er den Grundstein für die Familie durch die Hochzeit mit seiner Anni im Jahr 1966 legte. Sohn und Tochter sowie die drei Enkel sind ein wichtiger Teil in seinem Leben. Auch mit Nachbarn, Freunden und Bekannten verbringt der Schwingl Sepp gerne Zeit. Vorausgesetzt die vom Ehepaar Klier vor rund 20 Jahren angefangenen Hobbys – die Ferienwohnung-Vermietung und der Aufbau einer kleinen Schafzucht – lassen dazu Zeit.

Aktuell sind es acht kleine Lämmer, welche mehr Anwesenheit im Schafstall fordern. In der Corona-Pandemie sorgte auch der vor Jahren neu entdeckte Angelsport für Abwechslung. Der Jubilar vermisst die ausgefallenen Vereinsveranstaltungen und die monatlichen Stammtische mit den ehemaligen Bundeswehrkameraden. Übrigens: Seine Qualitäten in punkto Geselligkeit und Organisation hat er auch als Vorsitzender der örtlichen Feuerwehr, und besonders im Jahr 1983 beim Kapellen-Neubau in Kühried bewiesen, als das gesamte Dorf in die Arbeiten und Feiern eingebunden war.

Bei der Feuerwehr ist er mittlerweile Ehrenmitglied, was beim Blick auf die Gartenbank, die ihm die Wehr zum 75. Geburtstag vermachte, immer präsent ist. Auch wenn zum 80. „Gratulieren mit Abstand“ angesagt ist, befindet sich Josef Klier bei der Annahme der telefonischen Glückwünsche in guter Gesellschaft. Denn in seinem „Amtszimmer“ hat er viele Ehrenteller, Bilder und Urkunden hängen, die ihn quasi mit den Anrufern verbinden und Stoff zum gemeinsamen schwelgen in alten Zeiten geben.

Die Oberpfalz-Medien-Redaktion fragte nach, was er sich zum Start in das neue Lebensjahrzehnt vornimmt: „Gsundbleim ist die Hauptsache. Man kann keine großen Vorhaben mehr planen, denn jetzt sind die Jungen dran.“ Der Stabsfeldwebels a.D., Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Teunz hat seine „junge Zeit“ mit Disziplin und Verantwortungsgefühl gut genutzt und für das Wohl der Allgemeinheit eingesetzt. Deshalb freut es ihn jetzt im Alter als eine Art Wertschätzung, dass er Träger der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1970) und der Kommunalen Verdienstmedaille (2002) ist.

Das ist eine gute Sache.

Josef Klier nutzte den Satz häufig; er wurde zum "geflügelten Wort" in der Gemeinde

Das war der 75. Geburtstag von Josef Klier

 

 

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