05.10.2021 - 08:56 Uhr
KulmainOberpfalz

Lolli-Tests an Grundschulen: "Es muss sich alles erst einspielen"

Lolli-Tests sind ein zuverlässiges Verfahren, um Corona-Infektionen zu finden. Auch im Landkreis Tirschenreuth machen Grund- und Förderschüler flächendeckend mit. Oberpfalz-Medien hat sich in der Grundschule Kulmain angesehen, wie es läuft.

Die Schüler der Grundschule Kulmain werden mit einem Lolli-Test auf das Coronavirus getestet. Dafür müssen sie zwei Mal für 30 Sekunden ein Teststäbchen lutschen.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Es ist kurz vor Schulbeginn in Kulmain. Michaela Heining bereitet am Montag im Sekretariat der Grundschule die Lolli-Tests für drei Klassen vor und legt die Materialien in blaue Behälter. Darin enthalten sind Teststäbchen, ein Plastikbehälter, zwei durchsichtige Tüten und weitere Stäbchen in verschlossenen Röhrchen. Ebenfalls mit dabei: Barcodes, die jedem Schüler individuell zugeordnet sind. Bis auf Freitag wird jeden Tag in der Schule getestet. Montag und Mittwoch sind die Klassen 1/2 c, 3 und 4 an der Reihe. Die Klassen 1/2 a und b kommen Dienstag und Donnerstag dran.

Seit 19. September beteiligt sich die Grundschule an dem Pooltest-Verfahren, das vor allem für Kinder einfacher umzusetzen ist und als PCR-Test funktioniert. "Es muss nicht mit Flüssigkeiten hantiert werden", nennt Schulleiterin Christiane Böhm einen Vorteil. Der Start war laut Heining erstmal schleppend. So läuft die Verwaltung der Tests über eine Webseite des Bayerischen Staatsministeriums. Anfangs war das System immer wieder überlastet. "Das Programm hängte sich immer wieder auf. Die Daten für die 84 Schüler in Kulmain und 90 Schüler in Immenreuth mussten händisch eingegeben werden", erklärt die Verwaltungsfachangestellte. Auch die Barcodes mussten jedem Schüler individuell zugeordnet und eingetragen werden.

Tests erfolgen zweimal pro Woche

Inzwischen laufe es besser und der Aufwand halte sich zumindest für die Verwaltungsfachangestellte in Grenzen. Über das System kann Heining eintragen, wer sich an den Tests beteiligt, wenn jemand wegen Krankheit fehlt und kann dort die Ergebnisse aufrufen. "Bisher waren alle negativ", sagt sie. Im Landkreis Tirschenreuth wird seit Montag der Lolli-Test flächendeckend in allen Grundschulen, Grundschulstufen der Förderzentren und im Förderzentrum Mitterteich auch in den weiteren Jahrgangsstufen eingesetzt. Die meisten Einrichtungen haben am 27. September begonnen.

Wie Pressesprecher Wolfgang Fenzl vom Landratsamt mitteilt, erfolgen die Tests zweimal in der Woche pro Klasse. Nach bisherigen Rückmeldungen kämen die Kinder, nach einzelnen Anfangsproblemen, gut damit zurecht. Die Akzeptanz sei sehr hoch. Dem Landratsamt seien nur wenige Einzelfälle von Testverweigerern bekannt. Diese müssten sich extern dreimal die Woche testen lassen. Über die Lolli-Tests seien bisher drei positive Fälle gefunden worden (Stand: 1. Oktober).

30 Sekunden im Mund

Der Pooltest dauert rund 15 bis 20 Minuten. Schulleiterin Christiane Böhm holt um 8 Uhr im Sekretariat den blauen Behälter mit den Tests ab und geht in ihre 3. Klasse. Auf dem Weg dorthin sagt sie: "Testverweigerer gibt es keine." Es warten 15 Schüler auf ihren Plätzen. "Heute ist der erste Tag, an dem die Maske wieder im Unterricht abgenommen werden darf", erklärt Böhm. Die Kinder freuen sich und jubeln mit einem lauten: "Jaaa". Sobald sie aufstehen, müssen sie die Maske wieder aufsetzen.

Um Coronainfektionen zu vermeiden, sind im Klassenzimmer die Fenster geöffnet. Auf der Fensterbank steht eine CO2-Ampel, die anzeigt, wenn gelüftet werden muss. Hinten im Raum ist ein großer, leise brummender, schwarzer Kasten installiert - eine Luftfilteranlage. Schulbegleiterin Tanja unterstützt Böhm und teilt den ersten von zwei Tests aus. Die Kinder holen das Stäbchen aus der Verpackung und nehmen es geübt in den Mund. Dort muss der Test 30 Sekunden lang bleiben und gelutscht werden. Christiane Böhm schaut auf die Uhr. "Jetzt dürft ihr das Stäbchen wieder herausnehmen." Die Tests werden an der Bruchstelle abgebrochen und in einem Plastikbehälter, dem Pool, eingesammelt.

Ergebnis vor Schulbeginn

Es geht in die zweite Runde. Die Kinder müssen sich der Reihe nach anstellen. Die Schulleiterin klebt auf die Röhrchen mit weiteren Teststäbchen jeweils den dazugehörigen Barcode und gibt sie den Schülern mit auf den Platz, dort wird das Prozedere wiederholt. Nachdem alles eingesammelt ist, werden die Tests noch in Tüten verpackt und ins Lehrerzimmer gebracht. "Ein Kurier vom Gesundheitsamt holt gegen 11 Uhr die Tests ab und bringt sie zu Synlab in Weiden", erklärt sie. Warum werden die Tests nicht im Landkreis über das Labor Biovariance in Waldsassen ausgewertet? Pressesprecher Wolfgang Fenzl vom Landratsamt erklärt: "Die Entscheidung, welches Labor die Proben auswertet, traf zentral der Freistaat Bayern aufgrund eines Ausschreibungsverfahrens."

Bis die Ergebnisse kommen, dauere es jedoch etwas. "Anfangs hieß es, die Ergebnisse kommen bis 19 Uhr am Abend", sagt Böhm. Momentan könne sie die Ergebnisse am Tag nach dem Test vor Schulbeginn abrufen. Auf Nachfrage beim Landratsamt heißt es: "Der Gesamtpool sollte bis abends ausgewertet sein und bei einem positiven Pool die Einzelproben bis nächsten Tag vor Schulbeginn. Der Zeitablauf konnte zu Beginn noch nicht immer eingehalten werden, es muss sich alles erst einspielen."

Ab Dienstag gilt im Landkreis Tirschenreuth die 3G-Regel

Tirschenreuth
Hintergrund:

Tests an weiterführenden Schulen und Quarantäneregeln

  • An weiterführenden Schulen wird drei Mal pro Woche getestet (Montag, Mittwoch, Freitag).
  • Es werden Selbsttests mit Stäbchen in der Nase durchgeführt.
  • Schüler, die positiv getestet werden, müssen 14 Tage in Quarantäne.
  • Bisher hat es zwei positive Fälle an weiterführenden Schulen gegeben (Stand: 1. Oktober)
  • Das Gesundheitsamt übernimmt Risikobewertung, ermittelt Kontaktpersonen.
  • Diese Faktoren werden berücksichtigt: Symptome, Raumlüftung, Tragen von Schutzmasken, Abstand und Dauer des Ansteckungsrisikos. Quarantäne wird nur für Kontaktpersonen angeordnet, die unmittelbaren und ungeschützten Kontakt hatten, wie der Sitznachbar ohne Maske.
  • Für asymptomatische Schüler und Lehrer endet die Quarantäne vorzeitig mit einem negativen Ergebnis einer frühestens am fünften Tag nach dem letzten Kontakt durchgeführten Testung.
  • Bei mehreren positiven Fällen muss die ganze Klasse in Quarantäne. (Quelle: Landratsamt Tirschenreuth)

 

 

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