26.02.2021 - 15:11 Uhr
Liebenstein bei PlößbergOberpfalz

Firmen testen Mitarbeiter selbst auf Covid-19

Testen, testen, testen: Dies ist ein Baustein, um die Pandemie in Hotspots wie dem Kreis Tirschenreuth einzudämmen. Firmen wie die Progroup und das Liebensteiner Kartonagenwerk nehmen daher das Stäbchen oder Spuckset selbst in die Hand.

von Martin Maier Kontakt Profil

Rund 30 Unternehmen im Kreis Tirschenreuth testen ihre Mitarbeiter mittlerweile selber auf Covid-19. Darunter ist auch der Wellpappenhersteller Progroup aus Liebenstein. Sechs Mitarbeiter haben dafür eine rund zweistündige Unterweisung erhalten, um selbstständig bei den rund 40 Kollegen Schnelltests durchzuführen. Einer von ihnen ist Ingo Büsching. „Die Einweisung hat zwei Stunden gedauert. Seitdem mache ich das immer wieder. Das ist relativ einfach“, berichtet er Freitagvormittag beim Besuch von Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Der CSU-Politiker ist gekommen, um sich vor Ort über das Testkonzept zu informieren.

Büsching führt die einzelnen Schritte routiniert bei einem Kollegen durch. Er nimmt mit einem Stäbchen einen Abstrich aus der Nase. Die Probe bringt er auf einem Streifen in Kontakt mit einer Lösung. Und schon nach rund 15 Minuten liegt das Ergebnis vor. Der Kollege ist negativ. An einem Laptop gibt es dann noch die entsprechende schriftliche Bestätigung.

Erleichterung für Grenzpendler

Für negative Tests können die unterwiesenen Personen auch offizielle Bescheinigungen ausstellen, die als Nachweis für einen Grenzübertritt dienen können. Bei Progroup sind sechs tschechische Staatsbürger beschäftigt. Firmen aus der Papier- und Verpackungsbranche gelten als systemrelevant, wie Philipp Kosloh, Mitglied des Vorstands und Chief Operation Officer, erklärt. Schließlich braucht es auch Verpackungen für Medikamente, Lebensmittel und medizinische Geräte.

„Für unsere Kolleginnen und Kollegen, die aus der Tschechischen Republik zur Arbeit pendeln, ist dies eine große Erleichterung“, erläutert Kosloh dem Gesundheitsminister. Die Tests seien ein Baustein, um den Spagat zwischen Gesundheitsschutz und Aufrechterhaltung der Produktion zu schaffen.

Wirtschaft muss weiterlaufen

„Was ich hier sehe, ist vorbildlich“, lobt Klaus Holetschek. Er spricht von einer „schwierigen Situation“ in den Grenzlandkreisen zu Tschechien. „Mit konsequentem Testen machen wir das Arbeiten sicherer und sorgen dafür, dass die Wirtschaft weiterlaufen kann“, sagt der Politiker. Das Gesundheitsministerium habe daher verstärkt Antigenschnelltests in die Region geliefert: der Landkreis Tirschenreuth habe seit Januar rund 110.000 erhalten.

Was auch deutlich wird: Die britische Virusmutation setzt sich immer mehr durch. Laut dem Gesundheitsminister liege ihr Wert in Bayern bei etwa 27, in München bei 40 und im Kreis Tirschenreuth bei 60 Prozent. Der nächste Schritt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen, seien die Selbsttests. Zudem setzt Holetschek große Hoffnung auf die Impfung. Und für eine mögliche Therapie-Strategie („Das Thema hatten wir anfangs möglicherweise zu wenig am Schirm“) habe vor allem Landtagsabgeordneter Tobias Reiß extrem angeschoben.

Zudem stärkt Holetschek Landrat Roland Grillmeier den Rücken: „Ich will betonen, dass du eine hervorragend Arbeit machst.“ Der Landrat hebt den „intensiven Austausch“ mit den Unternehmen hervor. Der Landkreis stelle die Schnelltests kostenlos zur Verfügung.

Spucktest in Kartonagenwerk

Neben der Progroup ist das um einiges größere Liebensteiner Kartonagenwerk mit seinen rund 460 Mitarbeitern, darunter 38 tschechische Kollegen, beheimatet. Beide Produktionsstätten sind eng verknüpft. Schließlich wird im Kartonagenwerk die Wellpappe verarbeitet. Bei Liebensteiner hat der Betriebsarzt zehn Mitarbeiter für die Schnelltests eingewiesen. Geschäftsführer Bernhard Schön und Geschäftsführerin Marion Forster setzen aber auf eine andere Variante: den Spucktest. Dabei wird im Speichel nach Spuren des Coronavirus gesucht. Das Ergebnis liegt ebenfalls nach etwa 15 Minuten vor.

„Das ist für die Mitarbeiter etwas angenehmer“, erklärt Forster die Wahl. Die Kosten für diese Tests müsse aber ihr Unternehmen selber tragen. „Es ist gut, dass wir das selber machen dürfen“, betont die Geschäftsführerin. Vor allem für die tschechischen Mitarbeiter, die alle 48 Stunden einen entsprechenden Test brauchen, sei dies eine Entlastung. „Die nehmen sowieso schon sehr viel in Kauf.“

Die Bereitschaft der Unternehmen, Schnelltests selber durchzuführen, wird laut Grillmeier immer größer. Wobei auch weiterhin viele Firmen auf das „breite Angebot“ in den beiden Testzentrum und den mobilen Stationen zurückgreifen.

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