15.10.2021 - 12:39 Uhr
Liebenstein bei PlößbergOberpfalz

Pegel am Stausee Liebenstein wegen Brückenneubau so niedrig wie nie

Seit der Erbauung des Liebensteiner Speichers vor 53 Jahren wurde der Pegel noch nie derart tief abgesenkt wie aktuell. Grund ist der Neubau der Brücke über den Stausee. Am 22. Oktober ist Spatenstich für das Großprojekt.

Zum ersten Mal seit der Erbauung vor 53 Jahren wird das Wasser im Stausee Liebenstein auf einen Pegel von 519 Meter über Normalnull abgesenkt. Grund sind die Brückenbaumaßnahmen. Der Wasserstand liegt normalerweise bei 523 Meter über dem Meeresspiegel.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Die Absinkphase am Hochwasserspeicher Liebenstein ist fast beendet. Seit August wird der Wasserstand wegen des anstehenden Neubaus der Brücke über den Stausee verringert. Laut Betriebsleiter Sebastian Siller ist das Ziel, den Pegel des Stausees auf 519 Meter über Normalnull abzusenken. Dann liegen die Brückenpfeiler trocken. Am Freitagvormittag lag der Wasserstand bei 519,57 Meter. Gemessen wird sehr engmaschig alle 15 Minuten.

Im Sommer sei laut Siller ein Stau von 525, im Winter von 523 Meter über Normalnull die Regel. Mitte Juli lag der Pegel zeitweise bei 526,30 Meter über dem Meeresspiegel. Seitdem wird das Wasser im Speicher kontinuierlich immer weiter ausgeschleust. Besonders seit Mitte September ging es schnell voran. Die Aktion ist eng abgestimmt mit allen Beteiligten: den Baufirmen, dem Naturschutz, der Gemeinde Plößberg sowie dem Team vom Muschelschutz.

Muschelbergung nötig

Denn da sich beim Absenken des Stausees Schlammpfützen bilden, aus denen Muscheln und Fische möglicherweise nicht in das Wasser zurückkommen, war es nötig, dass über mehrere Wochen das Team der Fachfirma "Schmidt & Partner" aus dem oberfränkischen Goldkronach, nördlich von Bayreuth, täglich den Uferstreifen abgehen und die Tiere in den gefluteten Bereich bringen. Seit vielen Jahren ist der Erhalt von Süßwassermuscheln und ihren Lebensräumen das Spezialgebiet der Firma.

Das Team besteht aus Biologin Christine Schmidt, Geoökologin Johanna Littschwager sowie Geoökologe Dr. Robert Vandré.

"Schon sehr besonders"

Seit der Fertigstellung des Hochwasserspeichers 1968 wurde der Pegel von 523 Metern über Normalnull schon einige Male unterschritten, informiert Siller. „Der Liebensteinspeicher ist auch für die Niedrigwassererhöhung erbaut worden“, berichtet der Betriebsleiter. Damit die Waldnaab in heißen Sommern nicht austrocknet, muss je nach Bedarf mehr Wasser vom Stausee eingeleitet werden – der Pegel verringert sich. In den 53 Jahren lag der Wasserstand allerdings noch nie so niedrig wie jetzt: „519 Meter – das ist schon sehr besonders.“

Als Ende der 1960er Jahre der Stausee erbaut wurde, musste eine Familie umgesiedelt werden. Ihr Wohnhaus lag im westlichen Areal, wo der Hochwasserspeicher entstehen sollte. Das Gebäude, abgebrochen bis auf die Grundmauern, wurde geflutet. Diese Unterwasser-Ruine kam durch die aktuellen Absenkmaßnahme zum Vorschein. Neben den Gebäudekonturen sind auch noch zwei Baumstümpfe, die neben dem Treppenaufgang zur Haustüre gestanden haben, zu sehen.

Das viele Wasser wird in die Waldnaab eingeleitet. „Natürlich müssen wir für die Baumaßnahme mehr Wasser ableiten als sonst“, sagt Siller. Das Wasserwirtschaftsamt habe versucht, dies möglichst verträglich zu gestalten, damit landwirtschaftliche Felder und Wiesen nicht überschwemmt werden.

Brücke ab 25. Oktober gesperrt

Das Projekt Stausee-Brücke und die Erneuerung der Gemeindestraßen von Ödschönlind Richtung Dürnkonreuth und Stein ist eines der teuersten Projekte des Markts Plößberg überhaupt. Die Gesamtmaßnahme kostet rund 11 Millionen Euro. Der Fördersatz beträgt maximal 80 Prozent. „Es war eine relativ lange Planungsphase“, sagt Bürgermeister Lothar Müller auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Nach mehreren Jahren Vorbereitung ist am 22. Oktober der Spatenstich für den Neubau der Brücke geplant, berichtet der Bürgermeister. Ab 25. Oktober ist die Straße gesperrt. Nach der Einrichtung der Baustelle wird die Stausee-Brücke abgerissen und an gleicher Stelle neu erbaut. Zunächst wird aber eine feste Baustraße eingerichtet. Dafür wird der Schlamm zwei Meter tief abgegraben, ein Damm sowie ein Durchlass für die Waldnaab errichtet. Mit dem Neubau, den die Firma Berger Bau aus Passau übernimmt, könnte noch heuer im Winter begonnen werden. „Wir stehen mit dem Projekt etwas unter Zeitdruck“, informiert Lothar Müller. Die Straße soll schnell wieder eröffnet werden. Die Baumaßnahme soll Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Der Fischereiverein Stiftland führt am Stausee Liebenstein momentan ein Wassermonitoring durch

Liebenstein bei Plößberg
Hintergrund:

Hochwasserspeicher Liebenstein

  • Hochwasserspeicher Liebenstein befindet sich am Oberlauf der Tirschenreuther Waldnaab.
  • Künstlich angelegt; Bauzeit von 1965 bis 1968
  • Dient dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und der Energieerzeugung.
  • Größe: 40 Hektar, bei Vollstau 88 Hektar
  • Der Fischereiverein-Stiftland ist für die Pflege des Gewässers und des Fischbestandes zuständig.
  • Angeln ist nur mit einer besonderen Erlaubniskarte erlaubt.
  • Lebewesen: Fische wie Karpfen, Schleie, Hecht, Zander sowie Muscheln und Kleinstlebewesen

 

 

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